Dem türkischen Außenminister zufolge sind in der syrischen Armee rund 40.000 Soldaten desertiert. Weiterhin gibt es Informationen, dass sich inzwischen eine Reihe irakischer Dschihadisten an den Kämpfen in Syrien beteiligt.
Wegen der Gewalt des syrischen Regimes gegen Demonstranten setzen sich nach türkischen Angaben immer mehr Soldaten von der Armee ab. Inzwischen seien schätzungsweise 40.000 Armeeangehörige desertiert, zitierten türkische Medien am Samstag den türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu. Die Türkei steht in engem Kontakt zu den Aufständischen in Syrien und hat politischen Vertretern der Opposition und desertierten Offizieren Unterschlupf gewährt.
Vor dem Treffen der Arabischen Liga zum Syrien-Konflikt verstärkt das Regime von Baschar al Assad erneut seine Angriffe auf die Oppositionshochburgen. Am Samstag wurden landesweit wieder Dutzende Tote gemeldet, die meisten aus der heftig umkämpften Stadt Homs. Saudi-Arabien setzt sich derweil für eine offizielle Verurteilung Syriens durch die UN-Vollversammlung ein. Die Europäische Union forderte erneut den Rücktritt Assads.
Unterdessen sind aus dem Irak Regierungsangaben zufolge Dschihad-Kämpfer nach Syrien eingedrungen. "Wir haben Informationen der Geheimdienste, wonach eine gewisse Zahl irakischer Dschihadisten nach Syrien gefahren ist", sagte der stellvertretende irakische Innenminister Adan al Assadi am Samstag der Nachrichtenagentur AFP.
Zudem gebe es einen regen Waffenschmuggel nach Syrien. Die Waffen würden überwiegend von Bagdad aus in die nördliche Provinz Niniwe gebracht und dort von Familienclans auf beiden Grenzseiten nach Syrien geschmuggelt. Dort gingen sie dann weiter an die syrische Opposition. Nach 30 Jahren Krieg verfügt der Irak über riesige Waffenarsenale. Al Assadi zufolge steigen die Preise für die Waffen derzeit rasant an.
Die US-Zeitungsgruppe McClatchy hatte zuvor unter Berufung auf nicht namentlich genannte US-Vertreter berichtet, der irakische Flügel der Terrororganisation al Kaida sei wahrscheinlich für die Anschläge im syrischen Aleppo sowie zwei frühere blutige Bombenanschläge in Damaskus verantwortlich.
Demnach erfolgten die Anschläge auf Anweisung von Al-Kaida-Führer Aiman al-Sawahiri. Nach Angaben der Zeitungsgruppe könnte Al-Kaida versuchen, den seit März währenden Aufstand in Syrien für sich zu vereinnahmen. Es sei das erste Mal, das der irakische Al-Kaida-Ableger außerhalb des Irak aktiv geworden sei.
In Damaskus ist am Samstag ein hochrangiger Offizier erschossen worden. Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, lauerten "Terroristen" dem Brigadegeneral Issa al Choli am Morgen vor seinem Haus auf und töteten ihn. Al Choli war Leiter des Hamisch-Krankenhauses. Das syrische Innenministerium kündigte an, den "Terrorismus auszulöschen" und "diejenigen zur Strecke zu bringen, die die Sicherheit des Landes und der Bürger aufs Spiel setzen".
In dem blutigen Konflikt lehnt die UN-Vetomacht Russland eine Diskussion über eine von Saudi-Arabien formulierte Resolution in der Vollversammlung ab. "Wir können eine Übertragung der Syrienfrage mit demselben unausgewogenen Inhalt eines Resolutionsentwurfs in die UN-Vollversammlung nicht unterstützen." Das schrieb Vize-Außenminister Gennadi Gatilow am Samstag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Erst vor kurzem hatte Russland eine Resolution gegen seinen Partner Syrien als "einseitig" kritisiert und mit seinem Veto verhindert.