Was eine Syrien-Intervention den USA abverlangt

23. Juli 2013, 16:55 Uhr

Ein Brief des Generalstabschefs an Senatoren zeigt: Das US-Militär prüft ernsthaft alle Optionen für einen Einsatz in Syrien. Die Generäle haben dabei nicht nur finanzielle Bedenken.

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Die Unterstützung der syrischen Rebellen mit Waffen ist nicht die einzige Option der USA. Doch eine direkte militärische Intervention wäre teuer und riskant.©

Es ist ein Brief, der es in sich hat. US-Generalstabschef Martin Dempsey unterrichtet darin den Senat über insgesamt fünf denkbare Szenarien für einen Militäreinsatz in Syrien - inklusive aller Risiken und zu erwartenden Kosten. Die wären gewaltig: voraussichtlich bis zu einer Milliarde Dollar pro Einsatz-Monat. Die Optionen im Kampf gegen das Regime von Präsident Baschar-al-Assad reichen dem Schreiben zufolge von der Ausbildung der Rebellenarmee über die Errichtung einer Flugverbotszone bis hin zu gezielten Militärangriffen, berichten US-Medien.

Dempsey hatte bereits in der Vorwoche bei einer Anhörung im Kongress mit Äußerungen über einen möglichen US-Militäreinsatz in Syrien Spekulationen ausgelöst. In seinem Brief an einflussreiche Senatoren hob er nun die Auswirkungen eines solchen Einsatzes hervor. Letztlich gehe es darum, einen Krieg zu beginnen.

Dempsey warnte davor, dass eine amerikanische Intervention auch unerwünschte Folgen haben könne. So könnten nach dem Kollaps des jetzigen syrischen Regimes anstelle einer vom Westen favorisierten Opposition Extremisten die Kontrolle über das Land übernehmen: "Sollten die Institutionen des Regimes in Abwesenheit einer funktionsfähigen Opposition zusammenbrechen, könnten wir unbeabsichtigt Extremisten zu Macht verhelfen oder genau die chemischen Waffen loslassen, die wir zu kontrollieren suchen."

Die fünf Szenarien für Syrien

Die folgenden fünf Szenarien benennt Dempsey in seinem Schreiben an die Senatoren.

Training, Beratung und Unterstützung der Rebellen.
Dies wäre die kostengünstigste Variante, die schätzungsweise 500 Million Dollar im Jahr erfordern würde.

Begrenzte Angriffe mit Raketen und Kampfflugzeugen.
Ziele wären Einrichtungen der Luftverteidigung, der syrischen Streitkräfte und deren Kommandostruktur, um ihre Fähigkeit zur Kriegsführung zu verringern. Die Kosten dafür lägen bei etwa einer Milliarde Dollar pro Monat. Risiken wären Gegenangriffe und zivile Opfer.

Einrichtung einer Flugverbotszone.
Das würde Hunderte Kriegsflugzeuge und deren Sicherungseinheiten erfordern. Die Kosten lägen hier auch bei etwa einer Milliarde Dollar im Monat. Die Auswirkungen wären aber möglicherweise gering, da sich die syrische Armee mehr auf Bodentruppen als auf ihre Luftwaffe stütze.

Die Schaffung von Pufferzonen, in denen die Rebellen vor Angriffen der syrischen Armee sicher wären.
Dies würde den Einsatz militärischer Gewalt zur Schaffung und Sicherung der Zonen im Land erfordern. Die Kosten lägen bei mehr als einer Milliarde Dollar pro Monat. Die Zonen könnten aber auch zum Angriffsziel für die Regierungstruppen werden.

Kontrolle der Chemiewaffen Syriens.
Zur Verhinderung der Weiterverbreitung der syrischen Chemiewaffen und zu deren Zerstörung müsste militärische Gewalt angewandt werden. Diese Option würde ebenfalls den Einsatz Hunderter Kampfflugzeuge nötig machen und mehr als eine Milliarde Dollar pro Monat kosten.

"Regionaler Ansatz" bevorzugt

Der General spricht sich allerdings dafür aus, diese Szenarien nicht isoliert zu sehen. Dies habe sich in der Vergangenheit häufig als Fehler herausgestellt. Besser sei es, in Abstimmung mit den Partnern eine Gesamtstrategie zu entwickeln. Der General empfiehlt daher einen sogenannten "regionalen Ansatz", um den Syrienkrieg als Konflikt zu isolieren und so "eine Destabilisierung und Verbreitung von Waffen" in der Region zu verhindern. "Gleichzeitig sollten wir helfen, eine gemäßigte Opposition einschließlich ihrer militärischen Fähigkeiten zu entwickeln und dabei den Druck auf das Assad-Regime aufrecht zu erhalten." Letztlich liege die Entscheidung über Angriffe beim Präsidenten.

Die USA unterstützen syrische Rebellen schon jetzt mit Waffenlieferungen. Die Rebellen sind jedoch zerstritten und in der Defensive. Mitte Juni zeigte sich Präsident Barack Obama davon überzeugt, dass das Regime in Damaskus mit dem Einsatz von Giftgas eine von ihm gezogene "Rote Linie" überschritten habe.

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