. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
12. Dezember 2008, 12:56 Uhr

Schulmeister mit Sinn für britische Ironie

Seine überaus kritischen Kommentare zur Finanzpolitik von Premier Gordon Brown haben Bundesfinanzministers Peer Steinbrück in Großbritannien viele Schlagzeilen eingebracht. Doch die britische Presse reagiert gänzlich anders als es zu erwarten war: Steinbrück mit seiner "deutschen Disziplin" erntet massig Lob aus der Fleetstreet. Von Cornelia Fuchs, London

Großbritannien, Finanzpolitik, Steinbrück, Brown, Wirtschaftskrise

Bundesfinanzminister Steinbrück muss wegen seiner Weigerung ein größeres Konjunkturpaket aufzulegen viel Kritik einstecken. Aus Großbritannien erhält er unerwartete Unterstützung© Miguel Villagran/AP

Die Boulevard-Zeitung "Sun" stellt in einer trockenen Schlagzeile auf Seite Zwei ihrer heutigen Ausgabe zum Angriff auf ihren Premierminister Gordon Brown einfach nur fest "Deutsche: Gord ist ein Totalausfall". Die Daily Mail widmet dem Thema gleich Titel- und eine weitere Doppelseite und nennt den deutschen Finanzminister Peer Steinbrück einen "Schulmeister mit Sinn für britische Ironie". Außerdem kommentiert die Zeitung "ein bisschen deutsche Disziplin ist genau das, was wir auch brauchen" und nennt die Steinbrücksche Politik der fiskalen Vorsicht angesichts einer Krise, die durch nicht abgesicherte Schulden ausgelöst wurde, "gesunden Menschenverstand". Im Daily Telegraph heißt es "Wir brauchen einen Deutschen, um Vernunft in die Wirtschaft zu bringen" und in der Times schreibt die stellvertretende Chefredakteurin Rosemary Righter: "Ich hätte nie gedacht, dass ich mich für Angela Merkel erwärmen könnte. Aber ich finde ihre Gegensätzlichkeit sehr erfrischend."

Lernen über Deutschland

Was ist passiert im deutsch-britischen Medienverständnis? Anstatt diesen politischen Streit zwischen den Regierungen Brown und Merkel zum Anlass für altbekannte Deutschen-Witze mit historischen Stereotypen zu benutzen, beschäftigen sich die Tageszeitungen ernsthaft mit den deutschen Koalitionsverhältnissen. Die britischen Leser lernen im Schnelldurchlauf die Probleme zwischen CDU und CSU im Streit um Steuersenkungen kennen. Die Zeitungen versuchen zu erklären, warum die Regierung Brown den ganzen Streit um Peer Steinbrücks Äußerungen als ein "internes Problem der deutschen Regierungskoalition" abtut. Die britischen Leser erfahren außerdem, dass Deutschland zwar bei Arbeitslosigkeit und Verschuldung immer noch hinter den Briten liegt, bei Export, Sparraten und Wirtschaftswachstums-Aussichten nach der Rezession jedoch weit bessere Wirtschaftsdaten aufweist.

Ihnen wird die deutsche Aversion gegen Überschuldung erklärt, und dass der Großteil der Deutschen immer noch lieber bar oder mit EC-Karte bezahlt als mit Kreditkarte, und die Mehrheit eher mietet als ein Haus besitzt. Und dass es normal ist, beim Immobilienkauf 30 Prozent Eigenkapital beim Antrag für eine Hypothek vorzulegen. Die Tageszeitung "The Independent" erklärt die deutsche Geisteshaltung, "mit Geld kein Risiko eingehen zu wollen" und die "nationale Phobie vor dem Aktienmarkt". Der Daily Telegraph nennt all das "einen willkommenen Ansturm von Realität".

Gordon, ein "Kaiser ohne Kleider"

Und ganz anders, als die Regierung Brown unter anderem durch Interviewauftritte des Außenministers David Miliband in der BBC verkündet, scheint der Streit der Worte nicht die Risse in der deutschen Koalition ans Licht zu bringen - sondern den Unterschied zwischen Regierung und Opposition in Großbritannien. Während sich Brown durch den Zuspruch des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Paul Krugman auf der richtigen Seite der Finanzpolitik in Krisenzeiten wähnt, nennt der Oppositions-Finanzminister George Osborne die vergangenen Tage "den Moment, in dem der Kaiser ohne Kleider dastand". Entgegen Browns Beschwörungen im Parlament stehe eben doch nicht die ganze Welt hinter ihm. "Das mag der Moment sein, in dem Gordon Browns Dusel ausläuft", sagte Osborne. Brown hat seit Beginn der Krise seine angeschlagenen Umfragewerte leicht nach oben korrigieren können.

Die Konservativen hoffen nun angesichts der Reaktionen der Zeitungen, dass die deutliche deutsche Zurückweisung von Gordon Browns Finanzpaket auch in Großbritannien zu Diskussionen führt, ob eine neue Milliardenverschuldung auf Dauer die richtige Politik sein kann.

Erinnerungen werden wach

Und während sich in Großbritannien Opposition und Regierung über deutsche Äußerungen streiten, fällt das Pfund weiter einem Gleichstand mit dem Euro entgegen. Die "Financial Times" erinnert in ihrer heutigen Ausgabe daran, dass es schon einmal einen Moment gegeben hat, in dem ein deutscher Offizieller die britische Finanzpolitik kritisierte. 1992 waren es die Konservativen, die verzweifelt versuchten, das Pfund im europäischen Wechselkursmechanismus zu stützen. Damals sagte der Bundesbankchef Helmut Schlesinger, dass diese Finanzpolitik zum Scheitern verurteilt sei. Innerhalb von 48 Stunden verlor das Pfund so sehr an Wert, dass es aus dem Wechselkursmechanismus herausgelöst werden musste, der "Schwarze Mittwoch" ließ Großbritannien in eine lange Rezession gleiten.

Gordon Brown hatte damals als designierter Finanzminister gesagt, dass ein schwaches Pfund eine schlechte Wirtschaftspolitik der Regierung abbilde. Es sind die Opposition und die konservativen britischen Zeitungen, die ihn dieses Zitat so schnell nicht vergessen lassen werden.

Von Cornelia Fuchs, London
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Goldfire (12.12.2008, 17:59 Uhr)
Wahrsagen
"Keiner der hier kommentierenden Experten hat das Desaster vorher gesagt. Aber wie die heutige Lage gemeistert werden soll, dass wissen sie schon wieder."
Das ist so nicht richtig. Wir Deutschen haben vor Jahren auf die drohende Gefahr hingewiesen und baten um einen transparenten Kreditsektor. Wir wurden stark belächelt, besonders von den Amerikanern.
sternchensbild (12.12.2008, 17:54 Uhr)
Stigmatisierung ist der falsche Weg!
Lieber Stern.
Zu dem Artikel "Ab ins Dschungelcamp":
Ich bin eine junge "transsexuelle" Leserin. Also auf gut Deutsch eine Frau. Da in dem besagten Artikel (oder Fotoserie) kein Kommentar möglich ist, schreibe ich nun hier meine Meinung nieder.
Ich habe mich in dem Artikel über folgenden Punkt geärgert. Sie schreiben über die genannte transsexuelle Person, dass es sich um einen Transvestiten handelt. Nun, ich weiß nicht, ob es der Aufklärung der Allgemeinheit dient, wenn Sie einen "im falschen Körper geborenen Menschen" als Transvestiten titulieren. Mein Kenntnisstand sagt mir, dass Transvestiten Männer sind, die es als große Lust empfinden, sich ab und an Frauenklamotten anzuziehen, ansonsten sich aber, in ihrem Geschlecht wohl fühlen...
Ich selbst bin transsexuell (was nur in der Familie bekannt ist), bin eine Frau, werde auch so wahrgenommen und fühle mich persönlich angegriffen, wenn Sie mich - indirekt - als Mann bezeichnen, dessen Fetisch es ist, gelegentlich Frauenkleider zu tragen. Es ist nicht witzig, sich über Menschen, die es ohnehin schon schwer genug haben, Öffentlich zu belustigen!
Zu den Referenzen eines fähigen Redakteurs, sollte auch eine gewisser Grad an Allgemeinbildung zählen!
Mit freundlichen Grüßen
sternchensbild
stesocom (12.12.2008, 17:48 Uhr)
Steinbrück, wie Knut der Eisbär....
Steinbrück wird von der britischen Presse betätschelt, als wäre er "Knut der Eisbär!!!"
Die Briten sind natürlich von der allg. Weltwirtschaftskrise völlig überrascht worden und wundern sich, warum Deutschland - im Gegensatz zu fast allen anderen Ländern - nicht "Wirtschaftkonform" läuft. Das gefällt den Briten! Aber eines darf man nicht vergessen. Diese Krise geht doch nicht an den "EXPORTWELTMEISTER" vorbei! Nichts gegen die besonnnen Art und Weise wie Steinbrück arbeitet, doch momentan ist auch ein wenig Initiative angezeigt. Die Politik der sog. ruhigen Hand muss vorbei sein und eine Politik der entschlossenden Hand muss folgen !!
Stefan Soppe
www.soppe-stefan.de
Intercity (12.12.2008, 17:46 Uhr)
die vielen Experten
Keiner der hier kommentierenden Experten hat das Desaster vorher gesagt. Aber wie die heutige Lage gemeistert werden soll, dass wissen sie schon wieder. In einer gefährlichen Lage gilt es erst einmal die Ruhe zu bewahren und mit kühlem Verstand zu handeln. Je mehr Bürger sich daran halten, desto eher könnte die Lage gemeistert werden.
sternenhagel (12.12.2008, 17:28 Uhr)
Kündigung
Vielleicht sollten wir mal Steinbrück und der "freien" Wirtschaft fristlos kündigen. Es ist an der Zeit.
muemmelfrau (12.12.2008, 17:18 Uhr)
@styx2007
>>>>In der freien Wirtschaft wären diese Gestalten alle ausnahmslos wegen völliger Inkompetenz fristlos gekündigt worden!
djchrisi (12.12.2008, 16:56 Uhr)
@Goldfire
Genau. Wenn man nur einen Schuss hat, lohnt es sich genauer zu zielen.
Goldfire (12.12.2008, 16:54 Uhr)
Steinbrück - Deutsche Disziplin
Es hilft nichts jetzt überstürzt Milliardenhilfspakete zu schnüren, wenn wir die Spitze des Eisberges noch nicht gesehen haben bzw. die Ausmaße nicht erahnen können. Fakt ist, dass diese Weltwirtschaftskrise keine 4 Monate dauern wird, sondern wie 1929 mehere Jahre andauern wird. Jetzt Geld vom Steuerzahler, unser Geld, in etwas zu stecken, ist naiv. Deswegen wartet die Kanzlerin, warter Herr Steinbrück, um das Geld dort zu investieren, wo es gebraucht wird. Denn eines ist mal klar: Viel Geld haben wir nicht.
Jens62 (12.12.2008, 16:34 Uhr)
@Steinbrück-Kritiker:
Die Tatsache, daß die Steinbrück'sche Politik einigen hier nicht gefällt, bedeutet ja nun nicht, daß diese Politik falsch ist.....
djchrisi (12.12.2008, 16:22 Uhr)
Ich bin froh
Es ist eine Fügung des Schicksals, in diesr Krise einen Steinbrück und eine Merkel am Steuer zu haben, die nicht versuchen durch nutzlose Mehrwertsteuersenkungen auf Wählerjagt zu gehen, sondern sie Seite an Seite sich trauen mit ihrer Nüchternheit auch gegen den weltweiten Strom zu schwimmen. Warum sollten wir Milliarden ausgeben, die wir nachher nur wieder zurückzahlen müssen.
Wen hättet Ihr den lieber: Eichel oder Lafrontaine?
Steinbrück ist der bei weitem fähigste Finanzminister seit langem!
MEHR ZUM ARTIKEL
EU-Gipfel 200-Milliarden-Euro-Paket kommt

Im Kampf gegen die Wirtschaftskrise hat sich die Europäische Union auf ein 200 Milliarden Euro schweres Hilfspaket geeinigt. Allerdings hat der Gipfel das Ziel des Konjunkturpakets verringert. Auch in der Klimafrage wurde ein Kompromiss gefunden. mehr...

Wirtschaftskrise Nobelpreisträger attackiert Steinbrück

Die Kritik kommt nicht von irgendwem: Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman hat den deutschen Finanzminister scharf kritisiert. Peer Steinbrück richte mit seiner "dummen" Absage an Konjunkturpakete eine "beachtliche Menge Schaden an". Der SPD-Politiker hatte zuvor mit einem Interview für einen Affront gesorgt. mehr...

Sarkozy und Brown Allianz gegen sture Merkel

Für diplomatische Gepflogenheiten herrscht ein rauer Ton vor dem EU-Gipfel. In Paris ist man entsetzt über den "isolatorischen Kurs" von Kanzlerin Merkel, London ist enttäuscht, dass Deutschland keine Konjunktur-Impulse gebe. Aus Berlin tönt es dazu: "Ohne Deutschland geht nichts." mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe