14. April 2012, 15:53 Uhr

Assads Truppen schießen weiter

Die Waffenruhe, die es eigentlich nicht gibt: Die Truppen von Syriens Machthaber Assad schießen weiterhin auf die Bevölkerung. Unterdessen entscheidet die UN über die Entsendung von Beobachtern.

Syrien, Waffenruhe, Bürgerkrieg, Bashar al Assad

Komplett zerschossen: In der syrischen Stadt Homs wird die Zerstörungswut von Assads Truppen deutlich©

Am dritten Tag der brüchigen Waffenruhe in Syrien sind nach Angaben der arabischsprachigen und in London ansässigen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Syrien mindestens acht Menschen getötet worden. In Aleppo erschossen die Sicherheitskräfte am Samstag vier Teilnehmer einer Trauergemeinde, die einen am Vortag getöteten jungen Mann zu Grabe trug. Es war der blutigste Zwischenfall seit dem Inkrafttreten der Waffenruhe am Donnerstag.

In Homs sei ein Zivilist getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Die Armee kontrolliere 70 Prozent der drittgrößten Stadt des Landes. Den Tod eines weiteren Zivilisten meldete die Beobachtungsstelle aus Dmeir, zudem seien in Daraa zwei Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet worden.

Die Waffenruhe ist Teil eines Sechs-Punkte-Plans des internationalen Syrien-Sondergesandten Kofi Annan. Der Annan-Plan werde immer wieder gebrochen, aber "es gibt keine Kämpfe und die Zahl der Opfer ist drastisch zurückgegangen", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. "Das ist grundsätzlich positiv."

Deutsches Schiff sollte schwere Waffen an Assad liefern

Regierung und Rebellen werfen sich gegenseitig vor, gegen die Waffenruhe zu verstoßen. Der UN-Sicherheitsrat wollte noch am Samstag über eine Entsendung von Beobachtern zur Überwachung der Waffenruhe entscheiden. Die Einigung sei "praktisch" sicher, erklärte das Außenministerium in Moskau wenige Stunden vor der Abstimmung.

Bereits ab Anfang kommender Woche könnte eine Vorausteam von rund 30 unbewaffneten Beobachtern nach Syrien reisen. Die Beobachtergruppe soll dann auf voraussichtlich 200 Mitarbeiter aufgestockt werden. Über die Einzelheiten wurde am Sitz der UNO in New York noch verhandelt. Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin hatte nach den Verhandlungen am Freitag gesagt, er sei mit dem Ergebnis der "ziemlich schwierigen" Beratungen nicht "vollkommen zufrieden". Russland hatte gemeinsam mit China bereits zweimal Syrien-Resolutionen im UN-Sicherheitsrat blockiert.

Ein deutscher Frachter mit Waffen aus dem Iran wurde laut "Spiegel" kurz vor dem syrischen Mittelmeerhafen Tartus gestoppt. Wie das Magazin auf seiner Website berichtete, hat die "Atlantic Cruiser" der Emder Reederei Bockstiegel "schweres Militärgerät und Munition" für die Truppen von Syriens Machthaber Baschar al Assad an Bord. Sie hatte die Ladung demnach vor einigen Tagen im Hafen von Dschibuti von einem iranischen Frachter übernommen.

Schiffsmakler Torsten Lüddeke von der C.E.G. Bulk Chartering, die für die Befrachtung der "Atlantic Cruiser" verantwortlich ist, sagte laut dem Bericht: "Wir haben das Schiff gestoppt, nachdem wir Hinweise auf die Waffenladung erhielten."

ono/AFP
 
 
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