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Israel greift erstmals Kampfverbände in Syrien an

Gefährliche Gewalt an den Grenzen Syriens: Die israelische Armee feuert erstmals gezielt auf Militäreinheiten. An der türkischen Grenze fordern Luftangriffe Tote und Verletzte.

  Aus einem Militärfahrzeug beobachten Soldaten die Folgen eines Luftangriffs auf das syrische Ras al-Ain, das unmittelbar an der türkischen Grenze liegt

Aus einem Militärfahrzeug beobachten Soldaten die Folgen eines Luftangriffs auf das syrische Ras al-Ain, das unmittelbar an der türkischen Grenze liegt

Im Syrienkonflikt eskaliert die Gewalt an den Grenzen zu Israel und zur Türkei. Die israelische Armee auf den Golanhöhen schoss am Montag erstmals gezielt auf Kampfverbände in Syrien. Zuvor sei erneut eine Granate aus Syrien in der Nähe eines israelischen Postens eingeschlagen, teilte das Militär in Tel Aviv. Israelische Panzer hätten daraufhin die Quelle des Feuers, eine mobile Artillerie-Einheit, unter Feuer genommen und getroffen, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Ob es sich um einen Verband der regulären syrischen Armee oder eine Rebelleneinheit handelte, war zunächst unbekannt. Auch über mögliche Opfer wurde nichts mitgeteilt.

Erst am Sonntag hatte eine aus Syrien abgeschossene Granate einen israelischen Militärposten auf den Golan-Höhen getroffen, auch dabei wurde niemand verletzt. Die israelische Armee feuerte daraufhin aber mehrere Warnschüsse ab - es handelte sich um die ersten Schüsse in Richtung syrischer Streitkräfte seit dem Jom-Kippur-Krieg von 1973. Regierungschef Benjamin Netanjahu warnte darauf, Israel beobachte sehr genau die Ereignisse an seiner Grenze zu Syrien und sei auf alle Eventualitäten eingestellt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich nach dem Vorfall "zutiefst besorgt wegen des Potenzials einer Eskalation", wie ein Sprecher am Sonntag sagte. Ban forderte demnach alle Seiten "zur größtmöglichen Zurückhaltung" auf.

Israel und Syrien befinden sich formell immer noch im Kriegszustand. Der 1967 von Israel im Sechs-Tagekrieg von Syrien eroberte und inzwischen annektierte Golan wird von Syrien grundsätzlich zurückgefordert. Die UNO erkennt die Annexion nicht an. Seit einem Abkommen der beiden Nachbarländer von 1974 patrouillieren etwa 1200 unbewaffnete UN-Blauhelmsoldaten in dem Gebiet. An der schwer bewachten Grenze war es jedoch unter dem Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad jahrelang ruhig. In Israel gibt es nun zunehmend Befürchtungen, dass dies der Vergangenheit angehören könnte.

Tote und Verletzte an türkisch-syrischer Grenze

An der türkisch-syrischen Grenze gab es am Montag bei einem Luftangriff Tote und Verletzte - auf türkischer Seite wurden mindestens drei Menschen verletzt, darunter ein Soldat. Als Reaktion stiegen türkische F-16-Kampfjets auf, um die Grenze zu schützen, berichteten türkische Medien.

Nach Fernsehberichten bombardierte ein syrisches Kampfflugzeug ein Ziel in Ras al-Ain nahe dem türkischen Grenzübergang Ceylanpinar. Auch syrische Militärhubschrauber seien im Einsatz. In der an der Grenze gelegenen türkischen Kleinstadt herrsche Panik und Angst. Beide Ortschaften liegen unmittelbar an der Grenze. Experten vermuteten, dass die Luftwaffe eine bei Ras-al-Ain eingekesselte Einheit syrischer Regierungstruppen unterstütze. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London wurden in Ras al-Ain mindestens zwölf Menschen getötet. Unter ihnen seien sieben Rebellen, aber auch eine Frau und ein Kind.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen stellte sich angesichts der neuen Zwischenfälle hinter den Bündnispartner Türkei: "Die Nato wird alles Nötige unternehmen, um die Türkei als unseren Verbündeten zu schützen und zu verteidigen." Ein Antrag der Türkei auf Stationierung von Patriot-Abwehrraketen wegen des Bürgerkrieges in Syrien liegt der Bundesregierung nicht vor. Das machte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Montag in Berlin deutlich.

Einigung der syrischen Opposition weltweit begrüßt

International begrüßt wurde derweil die Vereinigung der bislang zerstrittenen syrischen Opposition. Außenminister Guido Westerwelle erklärte in Berlin: "Ich wünsche mir, dass mit der "Nationalen Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte" eine glaubwürdige politische Alternative zum Regime von Baschar al-Assad entsteht." Auch Frankreich sicherte dem syrischem Oppositionsbündnis Unterstützung zu. Außenminister Laurent Fabius wertete den Zusammenschluss als wichtige Etappe in Richtung auf einen Machtwechsel in Syrien.

Am Sonntag hatten die Aktivisten in Katar nach einem einwöchigen Verhandlungsmarathon eine Allianz gebildet. Zum Vorsitzenden des Oppositionsblocks wurde der Prediger Ahmed Muas al-Chatib gewählt. Am Montag wollte in Ägypten die Arabische Liga über das weitere Vorgehen beraten. Am Dienstag ist ebenfalls in Kairo ein Treffen der arabischen Staaten mit Außenministern der Europäischen Union vorgesehen. Dabei soll besprochen werden, wie die neue gemeinsame Plattform des syrischen Opposition am wirkungsvollsten unterstützt werden kann.

Russland - einer der wichtigsten Verbündeten Assads - äußerte sich zurückhaltend. Das Außenministerium in Moskau teilte mit, Russland hoffe darauf, dass das neue Gremium einen Beitrag zu einer friedlichen Lösung der Krise leiste. Für Moskau sei das wichtigste Kriterium die Bereitschaft zu einer "friedlichen Beilegung des Konflikts durch die Syrer selbst, ohne ausländische Intervention, durch Dialog und Verhandlungen".

cjf/AFP/DPA/DPA

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