6. Juli 2012, 10:46 Uhr

Deserteure verhelfen Ex-Assad-Freund zur Flucht

Während die Vertreter von 100 Staaten nach Lösungen für die Syrienkrise suchen, haben Deserteure einen Militärkommandeur außer Landes gebracht. Der Sunnit Manaf Tlass gilt als Hoffnungsträger für die Zeit nach einem möglichen Sturz Baschar al Assads. Er soll auf dem Weg nach Frankreich sein.

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Außenminister Guido Westerwelle trifft den Chef des oppositionellen Syrian National Council (SNC), Abdulbaset Sieda, am Freitag in Paris©

Syrische Deserteure sollen Kommandeur Manaf Tlass bei der Flucht in die Türkei geholfen haben. Mittlerweile sucht er Zuflucht in Frankreich, wie das französische Außenministerium bestätigte. Tlass, der zu den wenigen Sunniten in der von Alawiten dominierten Militärführung gehörte, ist der Sohn des früheren Verteidigungsministers Mustafa Tlass.

Er soll vor seiner Flucht in seinem Haus im Damaszener Stadtteil Messe unter Hausarrest gestellt worden sein. Unter Experten gilt der Kommandeur einer Brigade der Republikanischen Garden als möglicher Kandidat für eine Führungsrolle nach einem Zusammenbruch des Assad-Regimes.

Vom türkischen Außenministerium gab es am Freitag keine Bestätigung für eine Ein- oder Durchreise des Mannes. "Zumindest bis zur vergangenen Nacht ist kein Mann mit diesem Namen in die Türkei eingereist", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass Tlass unter anderem Namen über die Grenze gekommen sei.

In Paris tagen unterdessen die sogenannte Gruppe der "Freunde Syriens". Frankreichs Staatschef Francois Hollande appellierte an den UN-Sicherheitsrat, schnell geeignete Maßnahmen für ein Ende der Gewalt zu ergreifen. Der Friedensplan von Sondervermittler Kofi Annan sei dafür weiterhin das "sicherste Mittel". Zugleich forderte er Syriens Präsident Baschar al Assad zum Machtverzicht auf. "Assad muss gehen. Der Sturz des Regimes Assad ist unvermeidlich." Hollande sprach sich für die Bildung einer Übergangsregierung aus.

Westerwelle gegen militärisches Eingreifen

An dem Treffen der "Freundesgruppe" nehmen Vertreter von etwa 100 Staaten und internationalen Organisationen sowie der syrischen Opposition teil. Die beiden UN-Vetomächte Russland und China, die eine Verurteilung Assads bislang verhindern, sind nicht dabei. Zu Ehren der Toten erhoben sich die Teilnehmer zu einer Schweigeminute.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) rief die syrische Opposition auf, sich auf der Grundlage von demokratischen Werten zu einigen. Erneut warb er für eine politische Lösung mit dem Annan-Plan als Grundlage. "Ich sehe in einer militärischen Intervention keinen Lösungsweg", sagte Westerwelle. "Das würde letztlich dazu führen, dass ein Flächenbrand in der Region die Länder in der gesamten Region anzünden würde."

lin/DPA
 
 
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