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Giftgasproben werden vom THW ausgeflogen

Die UN-Inspektoren haben Syrien verlassen. Beim Transport der Proben, die Beweise für die Giftanschläge liefern sollen, spielt das Technische Hilfswerk eine wichtige Rolle.

Von Martin Knobbe, New York

  Der Konvoi mit Uno-Inspektoren fährt auf dem Weg zum Flughafen nach Beirut durch ein Dorf im Libanon.

Der Konvoi mit Uno-Inspektoren fährt auf dem Weg zum Flughafen nach Beirut durch ein Dorf im Libanon.

Sie steht schon seit Tagen auf einem Flughafen von Beirut im Libanon bereit zum Start: Eine vom Technischen Hilfswerks (THW) gecharterte Maschine, ausgestattet für mindestens 17 Passagiere und heikles Handgepäck. Wenn die Inspektoren der Vereinten Nationen (UN) heute ihre Mission in Syrien beenden, werden sie über Land von der Hauptstadt Damaskus aus in den benachbarten Libanon reisen und von dort aus mit Unterstützung der deutschen Steuerzahler nach Rotterdam fliegen.

Sie haben dann mehrere Proben dabei, die Aufschluss über den Giftanschlag vom 21. August in der Region Ghuta östlich von Damaskus geben sollen. Dabei waren nach Zählung des US-amerikanischen Außenministeriums 1429 Menschen ums Leben gekommen, darunter 426 Kinder.

Nach Angaben von Diplomaten wird die Auswertung der Proben mindestens zehn bis 14 Tage dauern. Solange werde er auch abwarten, bis er mit den UN-Vertretern weitere Schritte bespreche, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach Diplomatenangaben am Freitag in der geschlossenen Sitzung des Weltsicherheitsrates.

"Abscheuliches Kriegsverbrechen in neuer Dimension"

Die Vereinten Nationen haben es bislang nicht vollbracht, den völkerrechtswidrigen Anschlag in Syrien zu verurteilen oder gar zu ahnden. Russland und China stellten sich gegen alle Vorhaben, die das Regime von Präsident Bashar al-Assad in die Verantwortung nehmen würden. Sie behaupten, die Täter seien auf der Seite der Rebellen zu finden. "Meine Hoffnung auf ein gemeinsames Produkt des Weltsicherheitsrates tendiert gegen null", sagte am Freitag ein Diplomat zu stern.de. "Und das, obwohl wir hier nicht über ein Massaker in einem Dorf sprechen, was auch schon schlimm genug wäre, sondern über ein abscheuliches Kriegsverbrechen in neuer Dimension."

Die Analyse der Proben übernehmen zwei unabhängige Labore in Finnland und Schweden, Auftraggeber ist die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag, einem Zusammenschluss von 189 Ländern, die auch das 1997 in Kraft getretene Chemiewaffenübereinkommen (CWÜ) ratifiziert hatten. Syrien gehört nicht dazu.

Offiziell lautet das Mandat der Vereinten Nationen, nur festzustellen, ob und in welchem Ausmaß ein Giftgasanschlag stattgefunden hat, nicht, wer ihn ausgeführt hat. Da dies für das weitere Vorgehen der Diplomaten aber entscheidend ist, rechnen Beobachter fest damit, dass der Bericht der UN-Inspektoren auch "klare Aufschlüsse über die Täter" geben wird.

Schengen-Visum für syrische Beamte

Die USA sind mit ihrer Analyse deutlich schneller. Man gehe mit "hoher Sicherheit" davon aus, dass die syrische Regierung die Chemiewaffen eingesetzt habe, ist in einem zusammenfassenden Bericht der amerikanischen Geheimdienste zu lesen, den am Freitag das Außenministerium verbreitete. Außenminister John Kerry, bislang der wortgewaltigste Befürworter eines Militärschlags, sprach vor Journalisten von einem "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und nannte Syriens Präsidenten einen "Verbrecher und Mörder".

Vertreter der syrischen Opposition, die in den Vereinigten Staaten leben, wollen von der amerikanischen Regierung erfahren haben, dass die gezielten und begrenzten Luftschläge gegen das syrische Regime möglicherweise noch an diesem Wochenende beginnen. Präsident Barack Obama sagte allerdings am Freitag noch, er habe über einen Angriff noch nicht entschieden. Die USA werden aber sicher abwarten, bis die UN-Inspektoren aus Syrien abgereist sind.

An Bord des Flugezuges werden auch zwei Vertreter der syrischen Regierung sitzen. Sie sollen sicherstellen, dass die Proben auf dem Flug nicht manipuliert werden. Dafür wurde ihnen eigens ein Schengen-Visum ausgestellt - damit sie in Rotterdam auch ungehindert durch die Passkontrolle kommen.

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