Im syrischen Bürgerkrieg geraten zunehmend auch die Medien ins Visier: Rebellen haben das Staatsfernsehen in Aleppo angegriffen. Reuters wurde Opfer eines Hacks. Islamisten ermordeten einen Moderator.

Per Twitter informierte die Nachrichtenagentur Reuters am späten Freitagabend über die Falschmeldungen aus Syrien© Screenshot Twitter.com/ReutersOpinion
Seit eineinhalb Jahren tobt ein blutiger Bürgerkrieg in Syrien. Doch unabhängige Berichte über das, was tatsächlich vor Ort geschieht, sind äußerst selten. Videos auf Youtube zeigen Gräueltaten, die offenbar von regimetreuen Soldaten verübt wurden. Präsident Assad lässt per Staatsfernsehen den "Terror" der Freien syrischen Armee (FSA) verdammen. Ob nun Rebellen oder Regierungsanhänger - beide Seiten wissen über die Macht der Medien - und versuchen, den Fluss der Informationen zu ihren Gunsten zu bestimmen.
In der Nacht zu Samstag haben syrische Rebellen nun das Gebäude des Staatsfernsehens in der umkämpften Metropole Aleppo angegriffen. Die Aufständischen hätten rings um das Haus Sprengsätze deponiert, seien dann aber bei dem Versuch, das Gebäude zu stürmen, von der syrischen Luftwaffe beschossen worden, teilte die im Ausland ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Daraufhin hätten sich die Rebellen, die nach eigenen Angaben die Hälfte der Stadt kontrollieren, zurückgezogen.
Der Organisation zufolge gab es in zwei westlichen Stadtteilen von Aleppo zudem heftige Kämpfe. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana bestätigte den Angriff auf die Niederlassung des Staatsfernsehens und berichtete von "Terroristen, die Zivilisten und das Gebäude angegriffen" hätten. Syrische Soldaten seien aber zur Verteidigung angerückt. Bei dem Vorfall seien "Terroristen getötet und verletzt worden", hieß es weiter. Mit dem Begriff "Terroristen" umschreibt die syrische Führung regierungskritische Demonstranten und Aufständische im Land.
Unterdessen wurde die Nachrichtenagentur Reuters nach eigenen Angaben Ziel eines Hackerangriffs. Im Blog-Bereich von Reuters.com seien mehreren Reuters-Journalisten gefälschte Einträge untergeschoben worden, unter anderem zu einem erfundenen Interview mit einem syrischen Rebellenführer. Das teilte Thomson Reuters am Freitag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit und berichtete darüber am Samstag auch im eigenen Nachrichtendienst.
In dem Beitrag wurde der Kommandeur der oppositionellen Freien Syrischen Armee, Oberst Riad al-Asaad, mit den Worten zitiert, seine Truppen würden sich aus dem nordsyrischen Aleppo zurückziehen. Dort liefern sich Militär und Aufständische seit Tagen heftige Kämpfe. Die Agentur erklärte, sie habe ein solches Interview nie geführt, der Eintrag sei gelöscht worden. Wer hinter dem Hackerangriff stecke, sei unklar, hieß es in der Meldung. Die Rebellen machten Präsident Assad für den Hack verantwortlich. Die Plattform mit den Blogs wurde am Freitag vorerst vom Netz genommen worden, war am Samstagmittag aber wieder erreichbar.
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