6. August 2012, 17:10 Uhr

Übergelaufener Regierungschef will nach Katar fliehen

Die Luft wird dünn um Syriens Machthaber Baschar al-Assad: Sein Regierungschef Riad Hidschab hat sich der Opposition angeschlossen und will über Jordanien nach Katar ausreisen.

Der zur Opposition übergelaufene syrische Regierungschef Riad Hidschab will von Jordanien aus nach Katar weiterreisen. Hidschab werde womöglich bereits am Dienstag oder in den folgenden Tagen nach Doha reisen, "wo die internationalen Medien ansässig sind", sagte sein Sprecher Mohammed Otri am Montag in der jordanischen Hauptstadt Amman der Nachrichtenagentur AFP. Ein Mitglied der syrischen Opposition in Amman sagte, Hidschab werde bereits "in den kommenden Stunden", voraussichtlich noch am späten Montagabend, in Richtung Katar aufbrechen.

Hidschab hatte sich in der Nacht zu Montag nach Jordanien abgesetzt. Sein Überlaufen zur Opposition begründete er nach Angaben seines Sprechers mit den "Kriegsverbrechen und dem Völkermord" in seinem Heimatland. „Ich gebe hiermit bekannt, dass ich mich vom mörderischen und terroristischen Regime abgewandt und mich der Revolution der Freiheit und Würde angeschlossen habe", hieß es in einer Erklärung. Das syrische Staatsfernsehen hatte berichtet, Hidschab sei entlassen worden.

Katar nahm bereits mehrere Überläufer auf

Hidschabs Weiterreise von Jordanien nach Doha begründete das syrische Oppositionsmitglied in Amman damit, dass Jordanien angesichts der "bereits angespannten Beziehungen" zu Syrien "keine Probleme" geschaffen werden sollten. Es handle sich um eine "sensible Angelegenheit" für Jordanien. Sieben Begleiter Hidschabs würden in Jordanien bleiben, sagte der Oppositionelle, der Hidschab nach eigener Darstellung bei der Flucht aus Syrien geholfen hatte. Zuvor hatte ein Vertreter des oppositionellen Syrischen Nationalrats AFP gesagt, Hidschab habe sich mit seiner Familie, zwei Ministern und drei Armeeoffizieren abgesetzt.

In Katar haben bereits mehrere übergelaufene Mitglieder der syrischen Führung Zuflucht gefunden, so etwa der bisherige Botschafter des Landes im Irak, Nawaf Fares. Das Golfemirat ist einer der schärfsten Kritiker von Syriens Staatschef Baschar al-Assad.

Hidschab stand sein Leben lang hinter Assad

Mit der Flucht Hidschabs wird die Luft um den syrischen Machthaber Baschar al-Assad dünner. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach von einem Zerfall des syrischen Regimes. "Diese Nachrichten zeigen, wie weit der Erosionsprozess des Assad-Regimes vorangeschritten ist. Die Ereignisse belegen auch, wie notwendig ein sofortiges Ende der Gewalt und die Bildung einer Übergangsregierung ohne Assad sind."

Al-Ottris Erklärung zufolge plante Hidschab seine Flucht bereits seit mehr als zwei Monaten. Bewerkstelligt wurde sie mit Hilfe der aufständischen Freien Syrischen Armee. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige Vize-Ministerpräsident Omar Galawandschi bestimmt.

Hidschab war erst im Juni zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Davor hatte der 46-Jährige sein ganzes Leben treu dem Assad-Regime gedient. Er bekleidete hohe Funktionen in der herrschenden Baath-Partei. Als im Frühjahr 2011 die Proteste gegen Assad begannen, war er Gouverneur der Mittelmeerprovinz Latakia, aus der die Assad-Familie stammt.

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