27. Juli 2012, 08:27 Uhr

USA warnen vor Massaker in Aleppo

Die Millionenmetropole Aleppo steht offenbar vor entscheidenden Kämpfen. Sicherheitskreisen zufolge bereitet Syriens Armee den Sturm auf die Stadt vor. Die USA befürchten ein Blutbad.

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Das Bild aus einem Youtube-Video soll einen Panzer der syrischen Armee in den Straßen von Aleppo zeigen. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad zieht seit Mittwoch Tausende Soldaten für den Kampf um die zweitgrößte Stadt des Landes zusammen.©

Syrische Rebellen und Regimetruppen formieren sich nach tagelangen Kämpfen um die Millionenmetropole Aleppo für die entscheidenden Gefechte. Das Militär bereitete am Donnerstag mit massiven Artillerieangriffen in mehreren Stadtbezirken eine Bodenoffensive vor. Die Aufständischen schlugen nach eigenen Angaben Vorstöße der Regimetruppen zurück. Die USA befürchten nun, dass es in den engen Straßen zu einem Massaker kommen könnte.

Das Regime von Staatschef Baschar al-Assad scheine ein solches Massaker in der zweitgrößten Stadt des Landes zu planen, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland. Es gebe "glaubhafte Berichte über Panzerkolonnen", die vor der Stadt zusammengezogen würden. Die Armee setzte inzwischen zudem nicht mehr nur Kampfhubschrauber, sondern auch Flugzeuge im Kampf gegen die Rebellen ein.

Angesichts des Vormarschs der Rebellen in Aleppo in den vergangenen Tagen plant die syrische Armee nach Angaben aus Sicherheitskreisen am Freitag oder Samstag eine Gegenoffensive. Nach Oppositionsangaben erhielten die 2000 Rebellen in der Stadt Unterstützung von bis zu 2000 weiteren Aufständischen.

"Unsere Herzen sind bei den Menschen in Aleppo", erklärte Nuland. "Das ist ein weiterer verzweifelter Versuch eines untergehenden Regimes, die Kontrolle zu behalten, und wir machen uns große Sorgen darüber, was sie in Aleppo anrichten könnten." Man tue, was man könne, um den Druck auf Assad zu erhöhen.

USA halten Assads Tage für gezählt

Die USA bereiten sich nach eigenen Angaben bereits auf einen baldigen Sturz der syrischen Regierung vor. "Assads Tage sind ganz sicher gezählt" sagte Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses. Deshalb gelte es jetzt, "mit der Opposition zusammenzuarbeiten, um einen Übergang vorzubereiten." Dazu gehöre auch eine weitere Unterstützung der Opposition. Carney machte aber erneut deutlich, dass es sich dabei nicht um Waffenhilfe handele.

"Es wird deutlich, dass er (Assad) in Syrien die Kontrolle verliert." Die Überläufer aus der syrischen Regierung seien ein weiteres Zeichen, dass der Druck auf Assad zunehme. Jetzt müsse man alle Kräfte auf einen friedlichen Übergang konzentrieren, meinte Carney. Dabei sei es wichtig für die USA, dass bei einem Übergang die Grundrechte aller Syrier gewahrt würden, auch die von Minderheiten.

Tausende Soldaten in den Norden verlegt

Die heftigsten Angriffe in Aleppo gab es am Donnerstag in den Bezirken Muhafasa, Maschaad, Scheich Badr und Salaheddin. Gleichzeitig demonstrierten die Rebellen ihren Durchhaltewillen: "Wir kontrollieren jetzt 50 Prozent der Stadt", sagte Kommandeur Abu Omar al-Halebi der Nachrichtenagentur dpa am Telefon. Von unabhängiger Seite ließen sich die Angaben der Bürgerkriegsparteien nicht überprüfen, weil Medien in Syrien nur äußerst eingeschränkt arbeiten können.

Die Kämpfe in Aleppo dauern seit dem letzten Wochenende an. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad hatte am Mittwoch damit begonnen, Tausende Soldaten für den Kampf um die zweitgrößte Stadt des Landes in den Norden zu verlegen. Zugleich sollen Kampfjets die Nachschubwege der Aufständischen bombardiert haben, sagte Al-Halebi.

Auch in anderen Landesteilen wird weiter gekämpft

In der Hauptstadt Damaskus lieferten sich am Donnerstag Aufständische und Sicherheitskräfte im palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk Gefechte, wie Aktivisten berichteten. Auch im Stadtteil Al-Hadschar al-Aswad tobten Kämpfe. Aus allen anderen Teilen von Damaskus hatten die Regimetruppen in den letzten Tagen die Aufständischen weitgehend zurückgeschlagen.

Auch in anderen Landesteilen gingen die Kämpfe mit unverminderter Härte weiter. Gefechte und Angriffe der Regimetruppen wurden unter anderem aus Rastan bei Homs, Idlib, Deir as-Saur und Daraa gemeldet. Insgesamt war von etwa 90 Toten die Rede.

mad/AFP/DPA
 
 
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