18. Juli 2012, 10:00 Uhr

Verwundete werden in Militärhospitälern totgespritzt

Auf viele im syrischen Bürgerkrieg Verwundete wartet in den Militärhospitälern der Tod. Das berichtet ein desertierter Stabsarzt der syrischen Armee dem stern. Die verletzten Kämpfer würden totgespritzt - auch, um die Behandlungskosten zu sparen.

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Zerstörungen in Aleppo: Im Militärhospital der zweitgrößten syrischen Stadt gehen die Kriegsgräuel weiter©

In Militärkrankenhäusern des vom Bürgerkrieg erschütterten Syrien werden Verwundete totgespritzt. Diesen Vorwurf erhebt der desertierte syrische Oberst Abdalhamid Zakaria im Interview mit dem stern. Er habe das als Stabsarzt im Militärkrankenhaus von Aleppo mit eigenen Augen gesehen, sagte der Offizier. "In einer Nachtschicht sah ich fünf, die umgebracht wurden."

Sein Spezialgebiet sei Augenheilkunde, berichtete Zakaria. Er habe oft verletzte Demonstranten wegen Hornhautablösung behandelt, das sei keine komplizierte Verletzung. "Aber wenn ich am nächsten Tag nach ihnen sehen wollte, hieß es: Über Nacht verstorben." Auch verletzte Soldaten und Mitglieder der regimetreuen Schabiha-Miliz seien im Militärhospital getötet worden, sagte der Oberst dem stern. Das sei mit Kalzium-Injektionen geschehen, die einen Herzstillstand auslösen. Oder mit Überdosen Insulin, die zu hypoglykämischem Koma führen und in der Folge zum Tod.

Die Kämpfer seien ermordet worden, um zu verhindern, dass sie von Kriegsgräueln berichten, und um Geld für teure Behandlungen zu sparen. Täter, so der Militärarzt im stern-Interview, seien regimetreue Pfleger und Krankenschwestern gewesen. Widerstand hätte das Krankenhauspersonal aus Todesangst nicht gewagt. Oberst Abdalhamid Zakaria hatte im Juni bekannt gegeben, dass er zusammen mit seinen Brüdern in die Türkei desertierte. Seine Frau und seine Kinder sind ebenfalls in der Türkei.

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