. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
17. April 2007, 06:48 Uhr

"Die Deutschen wissen nichts"

Die Bronx ist der grünste Stadtteil von New York, zwei Drittel der Bewohner sind weiß, die Kriminalitätsrate ist seit 1990 um 71 Prozent gesunken. Das war den Soldaten im "Motherfucker"-Video offenbar nicht bekannt. Bronx-Bürgermeister Carrion will nun die Deutschen aufklären. Von Michael Streck, New York

Die Bronx im Sommer 2006 - ein aufgedrehter Hydrant verschafft den Bewohnern etwas Kühlung in der Hitze© Justin Lane/DPA

Es passiert nicht allzu oft, dass es Geschichten aus Deutschland in die US-Medien schaffen. Wenn Angela Merkel den amerikanischen Präsidenten im Weißen Haus trifft, ist das den US-Sendern, falls überhaupt und im besten Fall einen Nachrichtenschnipsel von gefühlten neun Sekunden Länge wert. Deutschland, das merkt man spätestens dann, ist aus der Perspektive diesseits des Atlantik eben doch ein kleines und, nun ja, eher unbedeutendes Land.

Vor kurzem immerhin gab's kuschelige Nachrichten aus Germany: Knut, der Berliner Eis-Teddy, hatte es auch den Amerikanern angetan, und die Medien landauf, landab sendeten und schrieben über dessen Schicksal. Nun also das: Das Video des "Motherfucker"-brüllenden und sodann Salven entladenen Soldaten bringt Deutschland abermals in die Schlagzeilen. "New York Times", "Washington Post" und "USA Today" berichteten über den Skandal ebenso wie das lokale Fernsehen und CNN. Der Radiosender "1010WINS" schickte ein Reporter-Team in die Bronx und befragte die brüskierten Anwohner. "Ich dachte", sprach ein Geschäftsmann fassungslos ins Mikrofon, "dass die Europäer aufgeklärt und liberal seien." Der Bürgerrechtler Reverend Al Sharpton forderte umgehend, dass George W. Bush von der deutschen Regierung eine Entschuldigung verlangen solle. Und der Bürgermeister der Bronx, Adolfo Carrion, zeigte sich "traurig darüber, dass die Deutschen offenbar so gut wie nichts über Afro-Amerikaner in der Bronx wissen".

"Wer darf was sagen?"

Die Affäre um den peinlichen Bundeswehr-Ausbilder trifft die Amerikaner just auf dem Höhepunkt einer Debatte um latenten Rassismus. Der an sich liberale Talkmaster Don Imus verlor vor einer Woche nach 25 Jahren seinen Job, weil er in seiner morgendlichen Sendung die schwarzen Basketball-Spielerinnen der "Rutgers University" als "nappy-headed hos", "kraushaarige Flittchen" verunglimpft hatte. Imus, für seinen partei- und rassenübergreifenden Sarkasmus bekannt, entschuldigte sich zwar pronto für seinen Ausfall, kroch beim ewigen Al Sharpton zu Kreuze, aber der schäumende Reverend senkte den Daumen: "Du gehörst gefeuert". So geschah es. Die Imus-Affäre verdrängte sogar die chronisch skandalträchtige US-Regierung für ein paar Tage aus dem Nachrichten-Zentrum. "Who can say what?", "Wer kann was sagen?", fragte das Nachrichtenmagazin "Time" auf dem Titel.

Reiche wohnen in der Bronx

Das Bundeswehr-Video indes gehört definitiv nicht in die Don-Imus-Kategorie. Es ist keine Satire, es ist böse, dumm und bitterer Ernst. Das schmerzt. Denn nichts schmerzt mehr als das Vorurteil. Bronx gleich schwarz, gleich Gewalt, gleich Motherfucker. Die Bronx ist in der Wahrnehmung vieler, auch vieler Touristen, ein Ort der Gewalt, des Hasses und der Gefahr. Wer New York sagt, meint in der Regel Manhattan und vernachlässigt all zu oft die vier anderen Boroughs - insbesondere die Bronx mit seinen knapp 1,4 Millionen Einwohnern, davon im übrigen gerade mal ein gutes Drittel schwarz. Wer weiß schon, dass Riverdale in der Nähe des Hudson, zu den reichsten Wohngegenden New Yorks gehört? Wer weiß, dass das Little Italy in Manhattan nur noch eine Touristenfalle ist und nichts hat vom Charme und Flair des richtigen Little Italy, jenes Klein Italiens an der Arthur Avenue in der Bronx. Wer weiß, dass die Bronx der grünste Stadtteil der City ist? Und wer weiß schon, dass die Kriminalitätsrate in New York seit Jahren sinkt und die Zahl der Verbrechen in der Bronx seit 1990 um 71 Prozent zurück ging?

Das Klischee ist der natürliche Feind des Wandels.

Gipfeltreffen in der Bronx

Die Bronx hat in den vergangenen Jahren einen veritablen Boom erlebt. Und erlebt ihn noch. Der Stadtteil-Präsident Adolfo Carrion hat dazu massiv beigetragen. Er, Sohn eines protestantischen Pfarrers, ist seit 2001 im Amt, und seitdem flossen 2,1 Milliarden Dollar in neue Immobilien. Vor ein paar Wochen war Carrion in Berlin auf der Internationalen Tourismus Börse. Er wandelte mit seiner Frau durch die Hauptstadt und ließ sich inspirieren von der frischen Architektur Berlins, "denn ich bin von Haus aus Stadtplaner". Carrion war begeistert. Er traf auf viele interessierte Menschen, und um so überraschter war er über das Video. Er spricht mit ruhiger, klarer Stimme, kein Zorn darin. Am Montag Nachmittag meldete sich der deutsche Generalkonsul Hans-Jürgen Heimsoeth bei ihm und sprach sein Bedauern aus. Die beiden Herren waren sich schnell einig. "Vielleicht," sagte Carrion zu stern.de, "ist dies auch eine Gelegenheit, die Menschen über die wahre Bronx zu informieren." Vielleicht sei dies auch ein Anfang, und das habe er auch dem Generalkonsul gesagt. Der deutsche Diplomat mochte diese Worte. Heimsoeth kennt die Bronx. Er ging dort zur Schule.

Ihre Meinung

Waren Sie schon mal in der Bronx? Was haben Sie erlebt?

Diskutieren Sie mit! Bisherige Beiträge (19)
Von Michael Streck, New York
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
toemmel (18.04.2008, 17:37 Uhr)
tolle neue Methoden!
...scheinbar scheinen sich die Ausbildungsanforderungen beim Bund ohnehin in den letzten 2 Jahrzehnten spürbar geändert zu haben:
1.man stellt sich mit dem Schiessprügel mal so ins Gelände als wär's ne Aussichtsplattform
2.man ballert ohne von der - vorausschauend durch den Hersteller angebrachten -Zielvorrichtung Kenntnis zu nehmen kreuzdumm ins Gelände...
3. um auch noch dem letzten "Gegner", der die vorausgegangenen wirkungslosen Mündungsfeuer übersehen haben könnte, einen Hinweis zu geben wo er seinerseits mal einen Treffer landen könnte, ruft man noch laut!
...sicher, "hallo hier sind wir!" wär schon schöner gewesen ...
..aber naja ist ja noch in Ausbildung...
..wenn man schon soviele Rambotechniken anwendet fragt man sich wo der Rest des Verhaltens herkommt.. vielleicht auch aus dem Kino...
042020 (20.04.2007, 03:55 Uhr)
Rosenengel
nun bin mir 100% sicher das muss bei der US Armee vorgekommen sein.
kann mir nicht vorstellen das beim
USMC ein vorgesetzter das erlauben
wurde.
es wurde bei uns immer gesagt.
"wir sind alle grun" gemeint war kein platz fur "individuals" die nicht reinpassen ?
Rosenengel (19.04.2007, 22:17 Uhr)
Das sagen und schreiben
Bundeswehrangehörige, die bei solchen Schießübungen dabeiwaren und danebenstanden, als dies gesagt wurde.
042020 (19.04.2007, 12:47 Uhr)
Krauts/Nazi's
kann mir nicht vorstellen wo ihr alle diese sachen erleben.war bei der grundausbildung (USMC)in 1957, habe da nie so etwas gehort und auch nicht die nachsten 23 jahre wo ich beim USMC war. erinnere mich auch noch an meinen ausbilder (drill instructor) der sagte zu mir mal,"wir (USMC)sind besser als die waffen SS> der einzige der ab und zu mir den Adolf gruss zeigt ist mein nachbar zwei hauser weiter.
nun er hat mir viele sachen gezeigt
das er vor 3 generationen von deutschen abstammt.(die waren sogar
"von's) nun er ist ein richtiger was bei euch viele sagen "Red Neck"
es stort mich nicht weil ich ja weis mit was ich es zu tun habe.
nun das ist meine 52 jahre erfahrung in der US of A.
Rosenengel (18.04.2007, 14:51 Uhr)
An Ninichan
Was hat das mit an die eigene Nase fassen zu tun?
Wenn sich jemand über etwas aufregt, dann muß er ersteinmal zeigen, daß er besser ist. Und wenn man jemanden in einer Streitkraft wegen angeblicher rassistischer Ausdrücke angreift und darüber hinaus gleich die gesamte Streitkraft und das gesamte Volk als Nazis und Rassisten bezeichnet, dann muß man sich nicht wundern, das "zurückgeschossen" wird.
Warum ist der Begriff "Krauts" harmlos? Die US - Amerikaner verbinden mit diesem Begriff uns Deutsche. Das heißt, mit diesem Begriff sind 84 Millionen Deutsche gemeint und wenn die US - Soldaten auf ihre Zielscheiben, auf die "Krauts" schießen, dann schießen sie gedanklich auf Deutsche. Die ihnen sowieso von ihren heldischen Hollywood - Filmen als das ewig Böse vorgestellt werden. Der Begriff "Krauts" ist mindestens so rassistisch wie der Begriff "Nigger".
Was hat der Bundeswehrausbilder also nun getan, was in anderen Armeen nicht Gang und Gäbe ist? Sein Fehler oder Pech ist es, dies als Deutscher, in einer deutschen Armee gesagt zu haben. Denn, wenn zweie das Gleiche tun, so ist es doch nicht das selbe.
Hätte er das als Sergeant zu einem Privat gesagt, niemals wäre auch nur ein Wörtchen Protest zu hören gewesen. Es hat ja wohl auch noch nie Proteste gegeben, weil in der US - Armee auf "Krauts", auf Deutsche, geschossen wird.
Malt (18.04.2007, 09:49 Uhr)
@Ninichan
Eben nicht. Der Rassismusvorwurf und die damit verbundene Aufregung erfolgt nur in der Richtung
Weiße -> Beleidigung -> Schwarze
Mir ist noch nie zu Ohren gekommen, dass sich z.B. Weiße darüber beschwert hätten, das Sie von Schwarzen als Weiße bezeichnet werden (weil das eine Ausgrenzung suggeriert). Im Gegenzug dazu werden ständig neue, politisch korrekte Bezeichungen für schwarze/farbige/afro-amerikanische/afro-deutsche erstellt und verwendet. "Neger", z.B. ist von Grund auf keine Beleidigung oder Herabwürdigung, sondern bedeutet lediglich "schwarz".
Und zum Thema "Krauts": Krauts steht für die Deutschen in Nazi-Deutschland, und ist daher keineswegs "harmlos".... Wenn mich jemand als "Kraut" bezeichnet ist das für mich gleichbedeutend, als würde mich jemand einen Nazi nennen. Nun ist das so, dass in den Staaten (wo ich ca. 1x pro Jahr bin) die Allgemeinbildung (was den Teil der Welt auserhalb der USA betrifft) im Durchschnitt gegen null tendiert. Deshalb passiert es mir dort immer wieder, dass Deutsch und Nazi dort gleichgesetzt werden. Nun ist mir bewußt, dass es von den Leuten dort aufgrund von Unwissenheit nicht böse gemeint ist. Nur: Das war es von dem Soldaten sicher auch nicht!
Und ehrlich gesagt kotzt es mich an, dass ich mich ständig für Sachen verantwortlich zeigen soll, die vor 70 Jahren von einem Haufen Verrückter angezettelt wurde, und dass deshalb hier ständig ein anderer Maßstab gelten soll als anderswo. Irgendwann ist mal wieder gut.
Ninichan (18.04.2007, 08:57 Uhr)
Immer dieses "Aber du..."
"ihre Zielscheiben als "Krauts" bezeichnen, so lange braucht sich die Bundeswehr nicht dort zu entschuldigen. Sind doch mit "Krauts" 84 Millionen Deutsche gemeint."
municheastside (17.4.2007, 14:50 Uhr)
"Warum nur die Deutschen!
Abschlachten von Iraqi Zivilisten ist fuer die Helden der US Army ein heldenhafter Akt.
Sorry, mir wird schlecht!!!"
Da wird MIR eher schlecht. Denkt doch mal nach. Ihr habt alle Vorurteile. Die Amis denken nun, wir deutsche sind rassisten und ihr deutschen denkt, alle Amis lieben Busch und den Krieg..
Und "Krauts" ist ja nunmal völlig harmlos. Wenn ein schwarzer Ausbilder sowas gesagt hätte:"Stellt euch vor, vor euch steigen weiße aus dem Auto und beleidigen ihre Mutter aufs übelste" Dann wär das Geschrei genauso groß gewesen!
Fast euch mal an die eigene Nase!
Rosenengel (17.04.2007, 15:19 Uhr)
So lange die US - Soldaten
ihre Zielscheiben als "Krauts" bezeichnen, so lange braucht sich die Bundeswehr nicht dort zu entschuldigen. Sind doch mit "Krauts" 84 Millionen Deutsche gemeint.
municheastside (17.04.2007, 14:50 Uhr)
ich weiß wirklich nichts....
über die Bronx in NY. Warum sollte ich das auch? Kennt irgendein in der Bronx lebender Ami einen Stadtteil oder Vorort von München?
Ich kann mich nur an "Full Metal Jacket" erinnern...Gunnery Sgt. Hartmann...solange solche Filme über den großen Teich kommen wird es immer solche Entgleisungen geben...
gmathol (17.04.2007, 11:40 Uhr)
Warum nur die Deutschen!
Abschlachten von Iraqi Zivilisten ist fuer die Helden der US Army ein heldenhafter Akt.
Sorry, mir wird schlecht!!!
MEHR ZUM ARTIKEL
Bundeswehr-Video "Wie kann ein Ausbilder so etwas tun?"

Er solle beim Feuern an Afroamerikaner denken und "Motherfucker" rufen. Die Befehle eines Ausbilders der Bundeswehr an einen Wehr-Soldaten haben auch Reinhold Robbe schockiert. Im stern.de-Interview fordert der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags eine schnelle Aufklärung. mehr...

Bundeswehr-Video "Es hat eine außenpolitische Dimension erreicht"

Bundeskanzlerin Merkel und Verteidigungsminister Jung sollen zu dem rassistischen Bundeswehr-Video Stellung nehmen, forderte Ulrich Kirsch vom Bundeswehrverband gegenüber stern.de. Auch das Verteidigungsministerium verurteilte den Vorfall, sprach aber gleichzeitig von einem "isolierten Einzelfall". mehr...

Bundeswehr Feuern und "Motherfucker" brüllen

Er solle beim Feuern an Afroamerikaner denken und "Motherfucker" rufen. Das sind die Befehle eines Ausbilders der Bundeswehr an einen Soldaten. stern.de hat das Beweis-Video im Internet entdeckt. Der Ausbilder wurde wegen des Vorfalls versetzt. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe