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10. Juni 2010, 08:16 Uhr

Tornados gegen Taliban

Tornado-Kampfjets sollen nach Vorstellungen des deutschen Isaf-Kommandeurs in Nord-Afghanistan auch gegen Taliban eingesetzt werden. Brigadegeneral Frank Leidenberger fordert, der Bundestag solle sein Einsatzmandat erweitern.

Afghanistan, Taliban, Tornado-Kampfjet, Bundeswehr, Krieg, Mandat

Ein Bundeswehr-Tornado während eines Aufklärungsfluges nahe Mazar-i-Sharif in Afghanistan© Andre Spangenberg/DDP

Der deutsche Kommandeur der internationalen Truppen im Norden Afghanistans plädiert dafür, Bundeswehr-Kampfjets gegen die radikal-islamischen Taliban einzusetzen. "Warum sollen deutsche Soldaten am Boden nicht von deutschen Flugzeugen aus der Luft unterstützt werden können?", sagte General Frank Leidenberger der "Rheinischen Post". In der Vergangenheit habe Deutschland bereits Tornado-Jets zu Aufklärungszwecken nach Afghanistan verlegt, als die Entwicklung der Lage dies erfordert habe.

"So wie sich inzwischen der Charakter dieses Einsatzes verändert hat, so sollten wir auch die hierfür notwendigen Fähigkeiten bereitstellen, um erfolgreich zu sein", betonte Leidenberger. Unter dem Mandat der Nato-Truppe Isaf wäre dies gestattet. Bisher ist die Bundeswehr zur Luftunterstützung auf die Nato-Partner angewiesen. Vor allem die USA eilen den deutschen Truppen immer wieder mit Kampfflugzeugen und Hubschraubern zur Hilfe. Auch der umstrittene Beschuss zweier Tanklaster nahe Kundus im September, bei dem viele Zivilisten umkamen, wurde im Auftrag der Bundeswehr durch US-Kampfjets geflogen.

Baldiger Rückzug aus Feisabad?

Die Bundeswehr selbst hat seit 2007 sechs Tornado-Jets in ihrem Hauptquartier im nordafghanischen Masar-i-Scharif stationiert. Die sogenannten Recce-Tornados liefern der Isaf Aufklärungsbilder aus ganz Afghanistan und sind lediglich mit zwei Bordkanonen zum Eigenschutz bewaffnet. Die Entsendung der Jets war in Deutschland zunächst umstritten.

Außerdem deutete Leidenberger die Möglichkeit eines baldigen Abzugs der deutschen Truppen aus dem Lager in Feisabad im Norden des Landes an. "Wenn im nächsten Jahr die afghanischen Sicherheitskräfte aufgewachsen sind, können wir in der Tat prüfen, ob unsere militärische Präsenz dort abgebaut werden kann", sagte der Kommandeur. Feisabad ist neben Masar-i-Scharif und Kundus eines der drei Lager, in denen deutsche Soldaten im Norden Afghanistans stationiert sind.

40 Tote bei Anschlag auf Hochzeitsfeier

Unterdessen sind bei einem Anschlag auf einer Hochzeitsfeier in Provinz Kandahar nach amtlichen Angaben 40 Menschen getötet und 74 verletzt worden. Ersten Informationen zufolge sprengte sich ein Selbstmordattentäter inmitten der Festgäste in dem Dorf Nagan in die Luft, teilte das Innenministerium in Kabul mit. Die Nato-Truppe Isaf machte die radikalislamischen Taliban verantwortlich, die dies allerdings zurückwiesen.

Wie die Nato erklärten auch die US-Streitkräfte umgehend, die vielen Toten seien nicht das Resultat eines Luftangriffs. Wer das behaupte, betreibe "Taliban-Falschinformationen", sagte ein Militärsprecher. Die Nato bezeichnete die "unbarmherzige Gewalt" während eines derartigen Festes als "widerliche Taktik", um die Bevölkerung einzuschüchtern. Sie zeige, dass die Taliban "keinen Respekt vor Menschenleben haben", erklärte das Militärbündnis.

Blutiger Juni

Ein Überlebender sagte, die Hochzeitsgesellschaft habe sich gerade zum Essen hingesetzt, als sich eine gewaltige Explosion ereignet habe. Das Ausmaß der Zerstörung sei viel größer als bei einem Selbstmordanschlag üblich. "Wir haben Kriegserfahrung und das sieht nicht wie ein Selbstmordanschlag aus", sagte er.

Die Provinz Kandahar und vor allem ihre gleichnamige Hauptstadt sind Hochburgen der Taliban, es kommt immer wieder zu blutigen Anschlägen. Diese richten sich allerdings zumeist gegen die internationalen Truppen oder afghanische Sicherheitskräfte. Gewalt und Kämpfe haben in diesem Monat in Afghanistan erheblich zugenommen. In den vergangenen vier Tagen wurde mindestens 17 US-Soldaten getötet, insgesamt beklagte die Isaf im Juni bereits 29 Tote.

Reuters/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
Aurum (10.06.2010, 19:08 Uhr)
Nur nicht!
Für die Kolateralschäden im September, bei denen 113 Terroristen vor den Schöpfer treten durften, fordert nun ein "Anwalt" aus Bremen, mit dem schönen Namen Karim Popal 3,1 Mio. Euro. Das ist doch wohl der Gipfel der Frechheit! Warum wurde dieser Mann nicht sofort des Landes verwiesen?
Die Bundeswehr sollte sofort dort abrücken. Was geht uns diese Wüste dort an? Sollen sie sich doch gegenseitig umbringen, daß erspart vieles.
eisvogel (10.06.2010, 16:31 Uhr)
Der Herr General plädiert
Diesen deutschen General sollte man von seinem Posten ablösen und nach Deutschland in die Etappe zurückschicken. Hier sollte gegen den Mann umgehend ein Disziplinarverfahren o.ä. eingeleitet werden. Solche grundlegenden Aussagen stehen nicht einem Soldaten zu, sondern höchstens dem Verteidigungsminister. Der Herr General hat nur Befehle zu befolgen - sonst nichts. Militärpolitische Kommentare stehen ihm nicht zu! Vorschläge kann er auf dem Dienstweg seinen Vorgesetzten vorlegen.
Dieser Rundumschlag beweist wieder, dass man von Militärs nicht anderes erwarten kann als eine Perfektionierung ihrer Methoden. Leider vergisst der Herr, dass es in Afghanistan nicht auf eine Steigerung der Kampf-Effektivität ankommt, sondern auf die Einhaltung politischer Vorgaben und Zielsetzungen.
Bekanntlich haben schon die Sowjets mit ähnlich modernen Fluggeräten keine Erfolge erzielt. Solche Maßnahme führt nur zu einer weiteren Eskalation und sicherlich früher oder später wieder zu größeren ?Kollateralschäden?. Denn sicherlich senkt die eigene Verfügbarkeit dieser Flugzeuge auch die Einsatzschwelle für Bombardements.
Mein Fazit: In Afghanistan ist schon genug Blut (schuldiges und unschuldiges) geflossen. Es wird höchste Zeit endlich nach Hause zu gehen.

Lombroso (10.06.2010, 14:00 Uhr)
Kosten sparen
In Zeiten wie diesen heisst es Kosten sparen und das geht durch weniger Militär und nicht durch mehr Militär in Afghanistan.

Am besten natürlich durch den kompletten Abzug...

Oder soll der soziale Kahlschlag jetzt auch noch die Tornados finanzieren.
mantrid (10.06.2010, 12:38 Uhr)
Mehr Intelligenz, weniger Waffen
Katastrophal ist die falsche Strategie. Die Grenze zu Pakistan müsste wie damals die DDR-Grenze vollständig abgeriegelt werden, um das Einsickern von Waffen und Kämpfern zu erschweren. Die Mohnernte müsste komplett aufgekauft und dann entweder zu Medikamenten verarbeitet werden oder im Biomasssekraftwerk verheizt werden.

Als Ergebnis würde die finanziellen Quellen der Taliban trockengelegt und das Gefährdungspotential kräftig gesenkt werden. Als nächster Schritt müssten in Aufbauprogrammen Stück für Stück der Wohlsstand der Afghanen gesteigert werden. Damit würde man die Rekrutierung neuer Kämpfer erschweren.

Die aktuelle Taktik ist eine törrichte Besatzertaktik, die in Afghanistan noch nie erfolgreich war. Auch kann man die Situation der Frauen und Mädchen nur allmählich verbessern. Hier soll ein Land aus dem frühen Mittelalter in die Neuzeit katapultiert werden. Das kann nicht gutgehen.

Die Probleme in Afghanistan lasen sich nicht allein mit Waffen lösen, wenn man das Land voranbringen will. Hier muss ein ganzen Volk gebildet und erzogen werden, ein Prozeß, der in Europa mehr als tausend Jahre gedauert hat!
horst.pachulke (10.06.2010, 11:20 Uhr)
@ Panvis:
http://www.youtube.com/watch?v=FprnQnz8WOA&NR=1
Parvis (10.06.2010, 11:09 Uhr)
@rockyciano
'dann müßte die Nato wegen der schlechten Bildungspoliik, auch bei uns einmarschieren??!!'

Sie wissen, wie hanebüchen ihr Argument ist.
rockyciano (10.06.2010, 11:02 Uhr)
@Parvis
Alle, die von Ihnen aufgeführten Punkte legitimieren keinen Krieg.Nur mal um aufzuzeigen,wie paradox Ihre Argumentation ist - dann müßte die Nato wegen der schlechten Bildungspoliik, auch bei uns einmarschieren??!!
kabelmann (10.06.2010, 10:56 Uhr)
@Parvis
Geben sie sich keine Mühe, mit irgendwelchen menschenrechtlichen Sachen anzufangen. Dazu war Gelegenheit, als die Russen aus Afghanistan abgezogen sind. Eine Milliarde zum Aufrüsten der Mudschaheddin im Kampf gegen die Sowietunion haben die Amis locker machen können. Aber Schulen bauen als der Krieg vorbei war... nee, dafür war kein Geld da.

Und das Drogenargument können sie sich sparen. Der Hauptexportartikel Afghanistans ist erst zu diesem geworden, als sich die NATO damit Schutz in den besetzten Gebieten erkauft hat.
Administrator (10.06.2010, 10:56 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich. Bei dem derzeitigen Verlauf der Debatte müssen wir überlegen, ob wir sie abstellen müssen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
louless (10.06.2010, 10:56 Uhr)
Bundesarmee nicht Bundeswehr...
@quarkenderFrosch, Du machst Deinem Namen alle Ehre...super...

Das afghanische Volk ist eine Kriegervolk. Sogar die Sowjets haben sich dort auf die Schnauze gelegt... und jedes andere Land wird das gleiche Schicksal dort haben- ob früher oder später- das ist sicher!

Das Gleiche wird auch im Irak passieren... aber bis dahin wird noch viel unschuldiges Blut vergossen werden...

Das beste wäre:
ZIEHT EUCH EINFACH AUS AFGHANISTAN RAUS UND VERSCHONT EURE SOLDATEN, DENN KEIN LAND IST DIESEM KRIEG GEWACHSEN...

Wir reden hier nicht von satellitenesteuerten Raketen und neuste Kriegstechonologien, sondern von Männern, die die größte Ehre in dem Tod für ihr Land sehen...
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