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4. Dezember 2007, 18:11 Uhr

Ein Rettungsboot aus Bio-Baumwolle

Burkina-Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt. Einziger Export-Schlager ist Baumwolle. Die Subventionspolitik der USA und Europas verhindern jedoch, dass die afrikanischen Bauern von ihrer Arbeit leben können. Der Hoffnungsschimmer heißt nun: Fair gehandelte Bio-Baumwolle Von Tim Farin und Christian Parth

Lallé Dramane Sory und seine Frau auf ihrem Baumwollfeld - die Biobaumwolle sichert den Sorys ihr Einkommen© www.stilsicherheit.com

In der Erntezeit braucht Lallé Dramane Sory, 57, seine ganze Familie. In diesen heißen und trockenen Wochen bis Anfang Dezember sind seine fünf Frauen und die meisten seiner 18 Kinder selbstverständlich schon frühmorgens auf dem Acker, um den dörren Sträuchern auf Sorys Feldern im Westen des bettelarmen afrikanischen Landes Burkina Faso das "weiße Gold" zu entnehmen.

Leben von der Baumwolle

Familie Sory lebt von der Baumwolle, vielleicht anderthalb Tonnen davon karren sie in den nächsten Tagen zum mehr als zehn Kilometer entfernten Marktplatz, ein paar Wochen später werden sie ihre Jahreseinnahmen erhalten, rund 630 Euro. Geld, mit dem Familie Sory so gut leben kann, dass sie sogar einen Sohn auf die Universität in der 450 Kilometer entfernten Hauptstadt Ouagadougou schicken. "Ich kann leider nicht sagen, was er studiert", erzählt Bauer Sory in seiner Lokalsprache Karabourou, "aber ich hoffe, dass die Ausbildung ihm hilft, ein besseres Leben zu führen."

Baumwolle ist das Rettungsboot für Burkina Faso, doch eines mit vielen Lecks. Familie Sory hat es noch verhältnismäßig gut, denn sie baut Bio-Baumwolle an, ohne Pestizide, mit Kompost als Dünger - und bekommt dafür feste Gelder und eine Abnahmegarantie. Doch die Bio-Bauern produzieren in dem Land weniger als ein Promille der gesamten Ernte, der Rest arbeitet konventionell und hängt von den seit Jahren niedrigen Weltmarktpreisen ab.

Ungerechter Weltmarkt

Die Baumwolle bringt mehr als 50 Prozent der Exporterlöse, jeder vierte Burkiner erntet weiße Fasern - entsprechend wird das Land getroffen von der Subventionspolitik in den USA und auch in Europa. Die Milliardenzuschüsse dort drücken Weltmarktpreise und die Chance für die Menschen in Westafrika, genug Geld zu verdienen, um mit der Ernte Gewinn zu erzielen.

Zwar hat der Weltmarktpreis sich wieder erholt, doch liegt er noch immer 40 Prozent unter dem Höchststand von 1995. Konventionelle Bauern leiden daher unter steigenden Kosten für Dünger und Pestizide sowie dem starken Euro, an den ihre Währung gebunden ist, während die Fasern in US-Dollar abgerechnet werden.

Der wortgewaltige Anwalt Afrikas

Es ist eine komplizierte Situation, die Francois Traore gegenüber Verhandlungspartnern in Amerika und Europa knapp zusammenfasst: "Sie töten uns." Traore, 55, ist Chef der Baumwollbauern-Union von Burkina Faso und oberster Repräsentant der afrikanischen Farmer. Seit seinem energischen Auftritt vor vier Jahren im mexikanischen Cancún nimmt man ihn ernst im Kreise der Welthandels-Diplomaten. Doch Traore, selbst ein Farmer, sieht noch immer keine Fortschritte: "In den Dörfern interessieren die WTO-Details niemanden. Die Leute wollen nicht nach Europa flüchten oder von Entwicklungshilfe, sondern von ihrer Hände Arbeit leben."

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KOMMENTARE (3 von 3)
 
J.Stahl (04.12.2007, 23:31 Uhr)
das problem ist nicht...
...dass die leute nicht wissen wie es geht sondern das die eu einheimische bauern in afrika mit ihren subventionen arbeitslos macht.hier wird es subventioniert das bauern milchpulver und ähnliches nach afrika schicken.ist doch klar das ein afrikanischer bauer dann mit seiner teureren milch nichts mehr verkauft.so ist das auch hier mit der baumwolle.die eu und die usa sollten endlich ihre scheinheilige politik aufhören und dafür sorgen das afrika sich selber helfen kann.
mojo.man (04.12.2007, 23:05 Uhr)
Schöne Idee
Ein nette Idee iovialis, aber aus Sicht der westlichen Welt! Sind Sie sich wirklich so sicher, dass die Afrikaner uns wirklich da haben wollen um ihnen zu "vermitteln, was dort zum Überleben notwendig ist"? Eine solche Einstellung trifft unter den Menschen dort selten auf Beifall.
iovialis (04.12.2007, 20:58 Uhr)
Wieviel Arbeitslose?
Wieviel Arbeitslose haben wir in Deutschland? Die könnte man locker schulen, damit sie in solchen Ländern das vermitteln, was dort zum Überleben notwendig ist. Aber: das bringt ja kein Geld - Arbeit gibt's genug!
Ich kenne ein Projekt in England (TFSR), das sich auch für Afrika engagiert. Das Megacities-Project in den USA arbeitet ähnlich. Es gibt hunderte, tausende, wenn nicht millionen Ansätze, was man auf dieser Welt "besser" machen könnte - aber behindert wird es dadurch, daß es monetären Gewinn (weniger) brigen soll, statt das Überleben aller zu sichern. Dabei wäre es gar nicht so schwer, wenn man es nur wollte!
Ich wünschte mir, einmal ein Sprachrohr zu bekommen, um das zu sagen, was ich wollte. Aber auch hier bestimmen marktwirtschaftliche Interessen das Bild.
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