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9. Juni 2008, 18:58 Uhr

Nach dem fünften Mal ist Schluss

George W. Bush ist mit Bill Clinton der US-Präsident, der am häufigsten Deutschland besucht hat. Nun kommt er zum fünften und letzten Mal als mächtigster Mann der Welt. Im Gegensatz zu seinen vorherigen Visiten allerdings erregt sein Abstecher keine Gemüter mehr.

Scherzen in Trinwillershagen: Merkel und Bush werden sich vermutlich nur noch zweimal auf der großen Politikbühne treffen© Markus Schreiber/AP

Deutschlandbesuche von US-Präsidenten hatten meistens etwas Spektakuläres. Als John F. Kennedy nach Berlin kam, säumten Hunderttausende die Straßen. Am Rande des Besuchs von Ronald Reagan 1988 gab es Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei. Und für George W. Bushs achteinhalbstündigen Besuch in Mainz wurde 2005 die komplette Innenstadt gesperrt und die ganze Rhein-Main-Region in einen Ausnahmezustand versetzt.

Vor dem Besuch Bushs auf Schloss Meseberg bei Berlin ist nun alles ganz anders. Es gibt keine Globalisierungsgegner, die Großdemonstrationen organisieren, und keine Oppositionspolitiker, die lange Forderungskataloge an den US-Präsidenten richten. Die öffentliche Aufmerksamkeit ist bisher nicht viel größer, als wenn sich ein Staatschef aus Mexiko oder Brasilien angekündigt hätte. Bush ist das, was als "lame duck", als eine lahme Ente bezeichnet wird. Vor den Präsidentschaftswahlen richtet sich das Interesse auf seine beiden potenziellen Nachfolger: John McCain von den Republikanern und vor allem Barack Obama von den Demokraten.

Deutschland ist die zweite Station auf einer einwöchigen Abschiedstour des US-Präsidenten durch Europa. Am Dienstag nimmt Bush zunächst am EU-USA-Gipfel in Slowenien teil. Am späten Nachmittag fliegt er zusammen mit seiner Frau Laura über Berlin nach Meseberg weiter, wo er am Abend von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Mann Joachim Sauer empfangen wird. Auf der Themenliste für die Gespräche stehen die Konflikte im Nahen Osten, im Iran und in Afghanistan sowie die Vorbereitung des G8-Gipfels in Japan. Beim letzten G8-Gipfel in Heiligendamm war es Merkel gelungen, Bush die Zustimmung zu einem ehrgeizigen Ziel für die Reduzierung der Treibhausgase abzuringen.

Die diesjährige Konferenz auf der Insel Hokkaido wird der letzte ganze große Auftritt Bushs auf der politischen Weltbühne sein. Dann wird er auch Merkel wahrscheinlich zum letzten Mal vor dem Ende seiner Amtszeit wiedersehen. Insgesamt haben sich Merkel und Bush in den vergangenen zweieinhalb Jahren elf Mal getroffen. Merkel war sechs Mal in den USA. Nach mehreren Besuchen in Washington und New York war sie im vergangenen November auch auf der Ranch von US-Präsident George W. Bush im texanischen Crawford zu Gast. Bush war in den acht Jahren seiner Amtszeit fünf in Deutschland, seit Merkels Amtsantritt zwei Mal. Nur Amtsvorgänger Bill Clinton hat Deutschland genauso häufig besucht.

21 Besuche amerikanischer Präsidenten hat es seit Ende des Zweiten Weltkriegs gegeben. Die aufsehenerregendsten waren die Visiten von John F. Kennedy, am 26. Juni 1963, bei dem er den berühmten Ausspruch "Ich bin ein Berliner" tat und der Besuch Ronald Reagans 1987, bei dem er vor der Berliner Mauer sagte: "Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!".

 
 
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