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14. Juli 2009, 08:24 Uhr

Aufklärung, nicht Vergeltung

Bushs Erbe lastet schwer auf Barack Obama. Doch trotz der Enthüllung um ein ageheimes Anti-Terror-Programm der CIA wird der Präsident seinen Vorgänger und dessen Vize Cheney nicht zur Rechenschaft ziehen. Denn Obama hat ein großes Ziel, für das er die Republikaner braucht: ein neues Amerika. Von Giuseppe di Grazia, New York

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CIA-Hauptquartier in McLean, Virginia: Anti-Terror-Programm an den Parlamenten vorbei© Larry Downing/Reuters

Es wäre für einige Amerikaner und für viele Europäer ein Bild, das sie zu gerne sehen würden: George W. Bush und Dick Cheney sitzen endlich im Gefängnis. Dazu auch noch ein paar CIA-Männer. Sie haben ja schließlich im Geheimen Folter an Terrorverdächtigten angeordnet und ermöglicht. Sie haben mit all dem gebrochen, was Amerika im Kern ausmacht: die demokratische Kontrolle aller Macht, die Ehrfurcht vor dem Recht, der Respekt für Würde und Menschenrechte.

Es wird wohl nie so weit kommen. Der ehemalige Präsident Bush darf weiter unbehelligt in seiner neuen Villa in Dallas sitzen, und sein ehemaliger Vize Cheney wird weiter durch Fernsehstudios touren und ihre Methoden mit einem selbstgerechten Lächeln verteidigen. Selbst die jüngste Enthüllung, dass die CIA auf Grundlage einer Anweisung von Bush und Cheney an einem Plan zur gezielten Tötung von führenden Al-Kaida-Mitgliedern gearbeitet hatte und dies alles gegenüber dem Parlament verschwiegen wurde, wird daran nichts ändern. Auch, weil Präsident Barack Obama kein Interesse hat, mit seinem Vorgänger und dessen Gefolgsleuten vor Gericht abzurechnen. Obama will Aufklärung, aber keine Vergeltung. Er will sich mit der Vergangenheit befassen, aber dabei nicht die Zukunft des Landes gefährden. Ein Prozess gegen George Bush oder Dick Cheney würde Amerika spalten und Obamas Reformpolitik lähmen.

Obama arbeitet bisher die Taten der Bush-Leute auf seine Art auf: Er schließt das Gefangenenlager in Guantanámo, aber Militärtribunale will er aufrechterhalten. Er veröffentlicht die Denkschriften der Bush-Juristen, die Folter rechtfertigten, aber nicht weitere grausame Fotos aus den Gefängnissen. Er kritisiert Bushs und Cheneys CIA-Geheimprogramm, aber hütet sich, strafrechtliche Ermittlungen über möglicherweise illegale Vorgänge in der Bush-Ära einzuleiten.

Menschenrechtsorganisationen und den Linken im Lande geht diese Vergangenheitsbewältigung nicht weit genug. Doch Obama ist auch Verfassungsrechtler, und er ahnt, dass es eine langwierige, komplizierte und dazu auch noch unsichere Sache wäre, nachzuweisen, ob Bush, Cheney und ihre Helfer wirklich vorsätzlich das Recht gebrochen haben. Und Obama ist auch Realpolitiker. Er weiß, dass Ermittlungen gegen die Bush-Regierung seine ohnehin nur schleppend vorankommenden Reformpläne scheitern lassen könnten. Der Präsident braucht für den Kampf gegen die Wirtschaftskrise, für die Neuausrichtung des Gesundheitssystem, für die Maßnahmen gegen Klimawandel und für die Energiewende unbedingt auch die Stimmen moderater Republikaner. Doch die würden im Falle einer Verfolgung ihres ehemaligen Präsidenten und ihrer Parteikollegen vermutlich Obamas Gesetzesvorhaben blockieren.

Ein anderer wichtiger und notwendiger Verbündeter für Obama ist die CIA. Er kann es sich nicht leisten, die Geheimdienstleute zu demontieren und zu verunsichern. Obama hat bisher viel Wert darauf gelegt, ihr Vertrauen zu gewinnen. Er braucht die Dienste der CIA für seine Ziele in Afghanistan und im Irak. Deshalb hat Obama schon mehrmals deutlich gemacht, dass CIA-Agenten, die "in gutem Glauben" und nach damaligen Anweisungen gehandelt hatten, nicht juristisch verfolgt werden sollen.

Obama wird Druck standhalten

Das Vorgehen Obamas ist in seiner eigenen Regierung allerdings nicht unumstritten: Justizminister Eric Holder hat angekündigt, er würde die Berufung eines Sonderermittlers prüfen, der untersuchen soll, ob CIA-Agenten Terrorverdächtige gefoltert hätten.

In den kommenden Wochen werden weitere Enthüllungen über eines der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte erwartet. Der Druck auf Obama, endlich härter gegen die Entgleisungen seines Vorgängers vorzugehen, dürfte zunehmen. Bei der Aufarbeitung des schrecklichen Bush-Erbes hat sich Barack Obama bisher zahmer und kompromissbereiter gezeigt als einige seiner Anhänger erwartet haben. Diese Kritik nimmt der Präsident in Kauf, um sein großes Ziel zu erreichen: ein neues Amerika zu schaffen. Im Wahlkampf hat sich Barack Obama auch nicht als Rächer präsentiert, sondern als Versöhner und Erneuerer.

Von Giuseppe di Grazia, New York
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Tempelhofer (14.07.2009, 15:03 Uhr)
@ Viper 2024
Ich gebe Ihnen da recht. Stern.de ist sehr tolerant auch gegenüber zugespitzten und kontroversen Meinungen. Nur Pöbeleien, Gewaltaufrufe, Beleidigungen und Fäkaliensprache werden "zensiert", nicht aber der politische Inhalt.
Es ist doch ganz offensichtlich so, dass eine Gruppe immer der gleichen extremen Kommentatoren schon gezielt ein Einschreiten der Forumsleitung provoziert, um dann anschliessend "Zensur" rufen und sich als Opfer theatralisch aufspielen zu können. Durch solche Praktiken leidet dann die Mehrheit der sachlichen Kommentatoren.
Viper2024 (14.07.2009, 14:07 Uhr)
Focus.de und Spiegel Online
Nicht nur Focus.de zensiert auf Teufel komm raus. Auch Spiegel Online zensiert im SpOn Forum. Beide großen deutschen Medienhäuser halten von der Meinungsfreiheit in etwa gleich viel wie Nordkorea, China oder der Iran. Deswegen lob ich mir stern.de als letzte Bastion, wo man seine eigene Meinung in den Kommentaren kundtun kann.
RDUKE7777777 (14.07.2009, 13:58 Uhr)
Stimmungsmache
Was soll denn bitte dieser Artikel?? Ich zitiere: "Ein Prozess gegen George Bush oder Dick Cheney würde Amerika spalten und Obamas Reformpolitik lähmen." So?? Na DEN Zusammenhang hätte ich mal gerne erklärt. Dieser Logik folgend hätte es die Nürnberger Prozesse nicht geben sollen, damit sich Deutschland erneuern kann?? WTF?
markusgronotte (14.07.2009, 13:24 Uhr)
@ GordonBleu
@GordonBleu: Sei froh dass man hier überhaupt kurzfristig reinschreiben kann ohne zensiert zu werden. Beim Focus geht es andersrum. Erst durch die Zansur, danach erst freischalten oder in die Tonne. Hier kannste den Text wenigstens meist ne knappe Stunde lang online lesen.
GordonBleu (14.07.2009, 12:56 Uhr)
wo ist denn mein kommentar hin?
ich habe niemanden beschimpft und niemanden beleidigt. ich hab nur darauf hingewiesen, daß die sich um die aufklärung von verbrechen zu bemühen wohl nichts mit vergeltung zu tun hat. trotzdem wurde mein kommentar gelöscht????
seppmaier (14.07.2009, 12:46 Uhr)
moment mal bitte
seit wann entscheidet denn ein präsident welcher kriminalfall untersucht wird und welcher nicht?
ist das nicht die aufgabe einer unabhängigen justiz?
was geht hier eigentlich ab? merkt denn keiner mehr was?
sowas nannte man früher einmal faschismus!
bR4iNST0RM (14.07.2009, 12:20 Uhr)
So ist es halt in der Politik!
Verbrecher, die in einer starken Partei eingebettet waren, haben Narrenfreiheit, da eine Strafverfolgung der Befürchtung weicht, dass die betreffende Partei die Verbrecher der eigenen Reihen durch Blockade der amtierenden Partei „schützt“.
Gut finde ich: Obama hat das auch geschnallt. Schlecht finde ich, dass es so einfach gemacht wird.
Politiker haben meines Erachtens viel zu viel Narrenfreiheiten. Ähnlich wie Manager: bauen Scheiße, keiner Haftet.
Gleiches gilt für die Immunität, hinter der sich Politiker zu gerne verstecken. Wenn während der Legislaturperiode eine Immunität aufrecht erhalten wird, ist das durchaus verständlich. Wenn sich aber in der Zeit Verbrechen ereignen, ist es eine bodenlose Naivität, die Immunität nach wie vor zu wahren.
Verbrecher sind Verbrecher, egal in welcher Ebene! Und wenn, wie im aktuellen Fall, die Partei des Verbrechers / der Verbrecher nun geschlossen reagiert, bzw. es vermutet wird, dass sie so reagiert, muss ein entsprechender Rechtsweg möglich sein, solche Leute fassen zu können, ohne dass es sich negativ auswirkt.
Es ist nahezu Grotesk, wenn man mit anschauen muss, wie sich diese Politverbrecher vor der zu erwartenden Strafe winden.
dippegucker (14.07.2009, 11:24 Uhr)
@Stern Redaktion Vielleicht...
...sollten Sie Herrn Obama ein Exemplar von Hannah Arendts "Die Banalität des Bösen" überreichen.
Im Übrigen ist Aufklärung ohne Konsequenzen ein eher nutzloser Zeitvertreib. "Trivial Pursuit"
JohnnyCash (14.07.2009, 11:16 Uhr)
Verfassungsrechtler???
Witz komm raus, du bist umzingelt!
Viper2024 (14.07.2009, 11:00 Uhr)
Obama der Superpräsident?
Ich verstehe nicht warum Obama von der weltweiten Presse mit Samthandschuhen angefasst wird? Weil er schwarz ist?
.
Fakt ist, es wurden Kriegsverbrechen, Folter und andere Verbrechen gegen die Verfassung und Menschenrechte begangen und diese müssen vor Gericht aufgeklärt werden, dies ist ein Grundpfeiler jedweder Demokratie und wenn Obama daran kein Interesse hat ist er kein Realpolitiker sondern ein Feind der Demokratie!
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Abgesehen davon hat Obama auch der FED so viel Macht wie noch nie gegeben und diese private Organisation hat damit eine Machtfülle bekommen, die ebenfalls schädlich für die Demokratie ist.
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Das Obama, wie im Artikel erwähnt, ein Verfassungsrechtler sein soll, ist also mehr als fraglich.
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