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5. November 2008, 03:40 Uhr

Obama vor Erdrutschsieg

In Barack Obamas Heimatstadt Chicago wird schon gefeiert, der Demokrat kann offenbar mit einem erdrutschartigen Sieg rechnen. Karl Rove, einst gefürchteter Berater von George W. Bush, hatte schon am Vorabend der Wahl düstere Emails verschickt.

Feiern in Obamas Heimatstaat Illinois: 70.000 Menschen haben sich im Zentrum Chicagos versammelt, um die Wahl ihres Kandidaten zu bejubeln© Scott Olson/Getty Images

Etwas mehr als zwei Stunden nachdem die ersten Wahllokale geschlossen hatten, riefen mehr als 70.000 Menschen mitten im Grant Park im Herzen Chicagos lautstark den Namen ihres Favoriten für das Weiße Haus: "Obama, Obama", hallte es über den Platz. Gerade eben hatten die TV-Stationen ihre Hochrechnung für den Bundesstaat Illinois bekannt gegeben, in dem Chicago liegt: Danach gewinnt der demokratische Präsidentschaftskandidat seinen Heimatstaat deutlich. Bis zu eine Million werden bei seinem Auftritt erwartet.

Noch lauter wurde es eine halbe Stunde später, als das Ergebnis aus dem hart umkämpften Pennsylvania kam. Der Ostküstenstaat gilt als Schlüssel zum Sieg - und auch hier gewann der Hoffnungsträger der Demokraten. Um halb vier deutscher Zeit wurde zudem bekannt, dass Obama auch den Staat Ohio für sich entschieden hatte. Für McCain war das ein herber Rückschlag. Noch nie wurde ein republikanischer Kandidat zum Präsidenten gewählt, ohne Ohio gewonnen zu haben. McCain siegte zwar in einer Reihe südlicher Staaten und in mehreren Staaten des Mittleren Westens, unterlag jedoch in allen umkämpften Staaten. Obama darf deshalb auf einen Erdrutschsieg hoffen. Ein Kandidat braucht 270 Wahlmännerstimmen, um ins Weiße Haus einzuziehen.

Karl Rove schreibt vom "Ende"

Karl Rove, einst Stabschef und enger Berater von George W. Bush, hatte den zu erwarteten Erdrutschsieg Obamas kommen sehen. Am Abend vor der Wahl verschickte er eine E-Mail mit seiner Analyse des Wahlausgangs und sah Obama mit 338 Wahlmännerstimmen klar vorn. Der Titel der Mail: "Das Ende". Noch ist es natürlich viel zu früh für das exakte Ergebnis. Aber fest steht: Die Wahlbeteiligung ist riesig. Vermutlich haben noch nie so viele Amerikaner an einer Präsidentschaftswahl teilgenommen wie diesmal. Allein in Virginia schätzten die Behörden die Wahlbeteiligung auf 75 Prozent. Von den 213 Millionen Wahlberechtigten haben sich 187 Millionen für die Wahl registrieren lassen. Von ihnen machten rund 40 Millionen von der Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe Gebrauch. Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2004 betrug die Beteiligung 60,7 Prozent - das war der höchste Wert seit 1968.

Laut Umfragen, die kurz vor der Wahl erhoben worden waren, war die Wirtschaft für den Großteil der Wähler das entscheidende Thema: Sechs von zehn Befragten nannten die Sorge um die Volkswirtschaft als wichtigsten Faktor für ihre Wahlentscheidung. Das ermittelte die Nachrichtenagentur AP. Vier von zehn Wählern gaben zudem an, die finanzielle Situation ihrer Familie habe sich in den vergangenen vier Jahren verschlechtert. Etwa die Hälfte der Befragten zeigte sich sehr besorgt, dass die gegenwärtige Wirtschaftskrise die eigene finanzielle Lage belasten werde. Kein anderes Thema, darunter die Energiepolitik, der Irak-Krieg, der Terrorismus und die Gesundheitsversorgung, hatte bei den Wählern einen höheren Anteil als zehn Prozent.

Obama gehörte in seinem Stimmbezirk in Chicago mit zu den ersten Wählern. Zusammen mit seiner Ehefrau Michelle und den zehn- und siebenjährigen Töchtern Malia und Sasha erschien er bereits frühmorgens um 7.30 Uhr Ortszeit im Wahllokal in einer Grundschule. "Die Reise ist zu Ende", sagte er mit Blick auf den langen und mit harten Bandagen geführten Wahlkampf. McCain gab seine Stimme in einer Kirche in Phoenix in seinem Heimatstaat Arizona ab. Begleitet wurde der 72-Jährige von seiner Ehefrau Cindy. Trotz seines teilweise großen Rückstands bei den Umfragen machte McCain in Optimismus und hoffte auf einen Meinungsumschwung in letzter Minute. "Ich bin glücklich damit, wo wir jetzt stehen", sagte er zuvor dem Fernsehsender ABC. Er fühle sich in der Rolle des Außenseiters am wohlsten.

Es wurden aber nicht nur der Präsident, sondern auch 35 der 100 Senatoren sowie das komplette Repräsentantenhaus gewählt. Die Demokraten konnten ihre Mehrheit im Senat verteidigen, sie zeigten sich zudem optimistisch, auch ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus halten zu können. Ein rein demokratischer Kongress würde einem Präsident Obama das Regieren erheblich erleichtern.

Besorgte Republikaner warnten schon, dass unter diesen Umständen die Kontrolle fehle. Die Demokraten würden dann nur viele Steuergelder ausgeben und die Sozialprogramme ausweiten. Sie warnten, es werde dann kein Gegengewicht zum Präsidenten mehr geben.

Und Noch-Präsident George W. Bush? Der trat am Wahltag nicht öffentlich auf, hatte seine Stimme bereits vor einigen Tagen per Briefwahl abgegeben, sodass Videoaufnahmen und Stellungnahmen vor Journalisten ausblieben. Bush wollte den Wahlabend im Weißen Haus verbringen und dort mit seiner Frau Laura ein kleines Abendessen geben. Dabei dürfte zumindest etwas festliche Stimmung aufgekommen sein: Am Dienstag feierte Laura Bush Geburtstag. Die Ruhe hatte sicherlich etwas Ungewohntes für George W. Bush. Zum ersten Mal seit 14 Jahren stand sein Name nicht auf dem Wahlzettel. In dieser Zeit wurde er zwei Mal zum Gouverneur von Texas und zwei Mal zum Präsidenten gewählt.

Verpassen Sie nichts: Weitere aktuelle Berichte, eine umfassende Grafik zum Stand der Auszählung, Reportagen, Analysen, Kommentare, Videos und Fotostrecken, finden Sie hier in unserem Extra zu den Wahlen in den USA.

nik mit DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
rkwichmann (06.11.2008, 08:55 Uhr)
Was koennen maennliche Fuehrungskraefte von Obama lernen?
Habe dazu einen Blogartikel geschrieben: "Was männliche Fuehrungskräfte von Obama lernen können." http://tinyurl.com/6x9sbd
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