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30. Dezember 2002, 14:52 Uhr

«Doktor Schröder» hebt ab

Einen Tag vor der Transrapid-Einweihung betonte Kanzler Gerhard Schröder die guten Beziehungen zu China. «Frei von Problemen», attestierte er in Gegenwart von Ministerpräsident Zhu Rongji.

Bundeskanzler Schröder im Gespräch mit dem neuen Parteichef Hu Jintao© AP/Frederic Brown

«Wann kommt denn der Herr Doktor?», witzelte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, als er auf den Kanzler wartete. So richtig wohl schien sich Gerhard Schröder aber in dem glänzend schwarz-roten Gewand nicht zu fühlen. Ständig baumelte die rote Quaste des Doktorhuts vor seinem Gesicht hin und her. Ziemlich lange hatte sich der Bundeskanzler geziert, eine solche akademische Auszeichnung anzunehmen. Doch bei der Tongji-Universität in Schanghai machte Schröder am Montag erstmals eine Ausnahme.

Der frisch gebackene Doktor musste sofort erfahren, dass damit auch Verpflichtungen verbunden sind. Eine Studentin fragte, ob er denn jetzt auch Vorlesungen halten würde. Spontan sicherte der Kanzler zu, zumindest jedes Mal, wenn er künftig in die Hafenmetropole komme, eine kleine Vorlesung abzuhalten. Aber nur 45 Minuten wohlgemerkt: «Denn Akademiker sind so, dass sie zwar eine Stunde bezahlt bekommen, aber nur 45 Minuten arbeiten.» Den Hut wolle er aber nicht wieder mitbringen. «Das kann ich auch ohne.»

Wegen seiner Wiederwahl als Bundeskanzler wollte eine Studentin sein «Erfolgsrezept» wissen. Doch wollte ein gut gelaunter Schröder seine Tricks nicht an die Opposition verraten. Er unterstrich, es sei wichtig, eine Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg und sozialer Sensibilität zu finden. Allein gutes Wirtschaftswachstum schaffe Ungerechtigkeiten, sagte Schröder, wobei Beobachtern die kapitalistische Ausbeutung in China in den Sinn kam. Doch fügte er hinzu, allein ein soziales Netz zu schaffen, sei auch «unbezahlbar», wobei er vielleicht wieder mehr an Deutschland gedacht hatte.

Ein bisschen Vorlesungscharakter hatte die ganze Vorstellung schon. In seiner Rede kam Schröder über die europäische Integration zur angespannten Weltlage um den drohenden Krieg mit dem Irak bis hin zur Notwendigkeit einer freien Gesellschaft mit einem freien Informationsfluss - auch im Internet, auch in China.

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