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15. Mai 2008, 13:20 Uhr

"Beben kann Regime nicht erschüttern"

Zu Kaisers Zeiten galten Naturkatastrophen in China als "Zeichen des Himmels", als Vorboten eines Umsturzes. Auch heute ist diese Vorstellung im Reich der Mitte noch weit verbreitet. Im stern.de-Interview warnt China-Experte Hans Kühner dennoch davor, die politischen Folgen des Erdbebens zu überschätzen.

Prof. Dr. Hans Kühner unterrichtet am Seminar für Sinologie der Berliner Humboldt-Universität. Der 58-Jährige hat sich auf Kultur und Literatur des modernen China spezialisiert.© OH

Das letzte verheerende Erdbeben in China vor 32 Jahren beendete die Kulturrevolution und führte zum Wechsel an der Staatsspitze. Wird das jüngste Beben der chinesischen Führung auch gefährlich?

Politisch ist das Erdbeben keine Gefahr, in China droht kein Umsturz. Die Führung ist erst vor kurzem neu installiert worden. Die Regierenden sind für chinesische Verhältnisse relativ jung und haben noch einige Jahre im Amt vor sich. Der Machtkampf in der Partei, der 1976 auch militärisch ausgetragen wurde, läuft heute nur in sehr zivilisierten Umgangsformen ab. Darüber hinaus gibt es zwar unzählige kleine Unruhen, große Probleme in Tibet und Bauernproteste auf dem Land. Diese "Aufstände" sind aber alle nicht miteinander verbunden und nicht zentral organisiert. Weder sie noch das Erdbeben können das Regime erschüttern.

Derzeit wird in Berichten angedeutet, die abergläubischen Chinesen könnten in der Naturkatastrophe einen Fingerzeig des Himmels sehen, der das göttliche Mandat der Regierenden beendet. Existiert diese Sichtweise wirklich?

In der Kaiserzeit sahen Chinesen Naturphänomene jeglicher Art - das konnten Erdbeben sein oder die Tatsache, dass irgendwo in diesem riesigen Reich ein Kalb mit fünf Beinen geboren wurde - als Vorzeichen für ein Unglück auf politischer Ebene. Diese sogenannten Omina kündigten an, dass der Himmel nicht damit einverstanden war, wie die Herrschenden regierten. Sie dienten dann als Signal für einen Aufstand, weil in der chinesischen Philosophie die menschliche Gesellschaft, das politische System und der ganze Kosmos unmittelbar miteinander kommunizieren.

Sind diese Vorstellungen heute noch von Bedeutung?

Nein, sie spielen nur noch im Unterbewusstsein der Chinesen eine Rolle. Das ist wie mit der Zahl 13 bei uns, die mit Unglück verbunden ist: Die Menschen beschleicht so ein Gefühl, dass sich irgendetwas zum Schlechten verändert. Aber niemand wird offen zugeben, dass er diesen abergläubischen Vorstellungen noch anhängt.

Wenn schon niemand mehr an "göttliche Mandate" glaubt: Worauf stützt Chinas Regime seinen Führungsanspruch?

Die entscheidende Rolle spielen hier 60 Jahre kommunistische Herrschaft, Unterdrückung und Indoktrination. Die Bevölkerung ist gegenüber diesem Regime schlicht machtlos. Es gibt keine legale Opposition und keine unabhängige Presse. Auch die Dissidentenszene in China ist sehr schwach und auf kleine Kreise von Intellektuellen beschränkt. Das alles ist tief ins Bewusstsein der Chinesen eingedrungen.

Während der Schneekatastrophe im Januar wirkte Chinas Führung hilflos und überfordert, diesmal scheint sie gut organisiert. Hat die Regierung dazugelernt?

Die Chinesen haben viel Erfahrung damit, wie man die Folgen von Naturkatastrophen lindert, sodass der Regierungsapparat in den ersten Tagen eigentlich immer relativ kompetent reagiert. Die Überforderung im Januar kam wahrscheinlich daher, dass China mit Schneestürmen sehr wenig Erfahrung hatte und die Katastrophe sie völlig unvorbereitet traf. Das eigentliche Problem bei Katastrophen ist in China eher, dass viele Spendengelder und Hilfsgüter nicht bei den Betroffenen ankommen, weil sie von den Verantwortlichen unterschlagen werden.

Kurz nach der Katastrophe hat China angekündigt, alle Beamten hinzurichten, die Spendengelder abzweigen. Reicht das nicht als Abschreckung?

Diese Drohungen kenne ich schon, seit ich mich mit China beschäftige. In den chinesischen Zeitungen steht seit Jahren, dass die Führung das Korruptions-Problem erkannt habe und seine Lösung unmittelbar bevorstehe. Ich kann das leider nicht mehr glauben.

Interview: Christoph Schäfer
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
utospatz (16.05.2008, 21:04 Uhr)
Wenn ich so schwachsinnig wäre wie
duncansill denkt, wäre er niemals auf diese Welt gekommen, denn sein eigener Papa hätte damals ihn schon von der Bühne ihn genommen!
Wenn er Nazis schon bei Geburt hätte erlebt, wüsste er wann die Erde bebt! Wenn ich nach deiner Meinung Alkoholiker bin, kommt eine Lebensweisheit mir in den Sinn, hast du schon jemals hingerochen, wo meine Excremente kochen?
lotharine (16.05.2008, 10:15 Uhr)
@DuncanSilk
Sie haben vollkommen recht.
So labern Menschen, die stets unter Alkohokonsum stehen. So auch diese beiden Herren.
DuncanSilk (16.05.2008, 08:46 Uhr)
Schwachsinn !!
Was war jetzt denn schon wieder an dem Artikel auszusetzen?
@Ufospatz & @HP: Habt ihr überhaupt den Artikel gelesen oder ist euch dieser geistige Schwachsinn einfach so aus dem Kopf gepurzelt?
H.P. (16.05.2008, 08:38 Uhr)
Prof. Dr. Hans Kühner
++++@........weil in der chinesischen Philosophie die menschliche Gesellschaft, das politische System und der ganze Kosmos unmittelbar miteinander kommunizieren.++++
Prof. Dr. Hans Kühner sollte sich mal mehr mit dem beschäftigen was wirklich ist, leider gibt es sehr viele fach bezogene Wissenschaftler die nicht das Ganze sehen. Das Ganze sollte wieder in den Fokus wieder rücken, denn alles ist mit allem verbunden, Mensch und Kosmos. Jede Störung bringt das Ganze in Bewegung. Mensch und Natur!!
Das Leben auf diesem Planeten ist jeden Tag ein Geschenk, es könnte auch anders sein, die Natur wäre in der Lage uns alle zu vernichten, darüber sollten wir uns einmal Gedanken machen!
Über die gefährliche Illusion, dass wir Menschen das Raumschiff Erde selbst steuern, alles im Griff hätten, dazu einige Gedanken.
Könnten wir mit vereinten Kräften unsere eigene Natur ändern und gute Verwalter, freundliche Gärtner werden, die Sorge tragen für alle Lebewesen dieses Planeten? Ich glaube, dass bereits diese Frage viel Hybris verrät. Selbst beim Management unserer selbst und unserer Institutionen haben wir kläglich versagt.
Wollen wir überhaupt die Verwalter der Erde werden? Wollen wir volle Verantwortung für ihre Gesundheit und Stabilität übernehmen? Es gäbe wohl kein schlimmeres Schicksal für Menschen, als diese hoffnungslose Aufgabe als Manager erfüllen zu müssen - verantwortlich zu sein für das Funktionieren des Klimas, die Zusammensetzung der Ozeane, der Luft und des Bodens. Bevor wir die Schöpfung demontierten, war dies alles ein Geschenk Gaias gewesen.
James Lovelock
utospatz (15.05.2008, 15:32 Uhr)
Und so erkenn ich hohle
Melonen, die auf politischen Köpfen thronen! So trägt nun jeder Gott erhalts, damit deren Konto ohne Schmalz in der Caribic, Gott erhalts, sich steigert mit Zins und Zinsen, mein Volk geht sowieso in die Binsen!
Jedoch das Universum schlägt zurück,
bei 1,3milliarden Menschen haben hohle Quadratköpfe auch kein Glück, denn irgendwann zieht auch dort, wie Jungfrau den Arsch dann zurück!
Was nützt es mir in heutigen Zeiten,
wenn Idioten forwärts schreiten?
Überblicke mal die vergangenen 2000 Jahre, du wirst feststellen, von der Wiege bis zur Bahre, wiederholt sich immer wieder das Wunderbare, bist du auüerhalb des Kreises, dann hast du Glück, und das Mensch zieht den Arsch nicht zurück!
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