. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
15. Januar 2010, 12:15 Uhr

Hinter der Fassade der kalten Macht

China zeigt sich seit Wochen von der unerbittlichen Seite: Eiskalt in Kopenhagen, eisenhart gegenüber Dissidenten und einem Briten. Nun ist Außenminister Guido Westerwelle zu Besuch in Peking - und trifft auf Machthaber, die stärker tun als sie sind Von Jan-Philipp Sendker

China, Westerwelle, Google, Menschenrechte, Armut, Wirtschaft

Westerwelle und sein Kollege Jiechi: Peking setzt auf Machtdemonstrationen© Ng Han Guan-Pool/Getty Images

Zwei Tage lang ist Guido Westerwelle auf Staatsbesuch in China. Zu bereden gibt es einiges, das Thema Menschenrechte etwa. Außerordentlich deutlich hat der Außenminister in Peking nun deren Einhaltung gefordert. Auch die heiklen Themen Dalai Lama und die Zensur Googles wurden von Westerwelle angesprochen, sein Gesprächpartner, Außenminister Jang Jiechi, habe ihm freundlich aber bestimmt die chinesische Position dazu erläutert.

Machthaber, die vor Selbstbewusstsein strotzen

Wie so viele andere westliche Politiker und Geschäftsleute, trifft auch Guido Westerwelle auf Machthaber, die vor Selbstbewusstsein strotzen. Während in weiten Teilen der Welt die Volkswirtschaften trotz staatlicher Konjunkturprogramme schrumpfen, boomt es im Reich der Mitte wieder.

Über acht Prozent betrug das Wachstum im vergangenen Jahr. China hat 2009 Japan als Wirtschaftsmacht überflügelt und ist nach den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft. Es hat Deutschland den Titel des Exportweltmeisters abgenommen. Nirgendwo werden heute mehr Autos verkauft oder Computer produziert; die drei größten Banken der Welt, gemessen an ihrem Aktienwert, kommen aus der Volksrepublik.

China ist der Gewinner des Krisenjahres

Die Regierung hat Währungsreserven von mehr als zwei Billiarden US-Dollar angehäuft. China ist der Gewinner des Krisenjahres 2009 und es lässt im Moment kaum eine Gelegenheit aus, dem Westen seine wieder gewonnene Macht zu demonstrieren.

US-Präsident Barack Obama bekam das bei seinem Staatsbesuch im November deutlich zu spüren. Im Vorfeld hatte er alles getan, um seinen Gastgeber nicht zu verstimmen. Er hatte, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, den Dalai Lama bei dessen Besuch in Washington nicht empfangen. Er verzichtete darauf in Peking Dissidenten, Menschenrechtler und kritische Journalisten zu einem Gespräch zu treffen. Er beharrte nicht einmal darauf, sich im Rahmen einer Rede oder Diskussion direkt und unzensiert an die chinesische Öffentlichkeit wenden zu können, wie es Bill Clinton und George W. Bush bei ihren Reisen getan hatten.

Die chinesische Regierung dankte ihm die Zurückhaltung nicht. Sie kam Obama in keinem der ihm wichtigen Themen entgegen. Ob Klimaschutz, Sanktionen gegen den Iran, Nordkorea oder die geforderte Aufwertung des Yuan. Lange nicht war ein US-Präsident im Ausland so brüskiert worden.

China ließ den Klimagipfel scheitern

Wenige Wochen später scheiterte der Klimagipfel in Kopenhagen, nicht zuletzt an der harten und kompromisslosen Haltung Chinas. Kurz vor dem Jahreswechsel ließ die Pekinger Führung einen britischen Staatsbürger wegen angeblichen Drogenschmuggels hinrichten. Die internationalen Appelle für eine mildere Strafe für den geistig verwirrten Mann ignorierte sie. Selbst ein Gnadengesuch des britischen Premierminister Gordon Brown ließ sie kühl abblitzen.

Am Weihnachtstag verurteilte ein Gericht den namhaften Regimekritiker Liu Xiaobo wegen "Subversion" zu elf Jahren Haft, weil er in einem Internetmanifest demokratische Reformen gefordert hatte. Das härteste Urteil gegen einen Dissidenten seit Jahren. Die darauf folgenden internationalen Proteste, wies Peking empört als "Einmischung in die inneren Angelegenheiten" des Landes zurück.

"Eure Kritik interessiert uns nicht"

Ein Beweis der Stärke? Auf den ersten Blick war die Politik der vergangenen Monate eine deutliche Botschaft an den Westen: Eure Kritik interessiert uns nicht. Wir sind wieder wer und machen was wir wollen. Wir haben unsere eigenen Werte und Gesetze, ob sie euch passen oder nicht.

Seite 1: Hinter der Fassade der kalten Macht
Seite 2: Machtdemonstration ein Zeichen der Schwäche?
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Gespräche in China Westerwelle will Meinungsunterschiede nicht verschweigen

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat bei seinem Antrittsbesuch in China deutlich die Achtung der Menschenrechte angemahnt. Nach einem Gespräch mit dem chinesischen Außenminister Yang Jiechi sagte Westerwelle am Freitag in Peking, man wolle Meinungsunterschiede zwischen beiden Seiten nicht verschweigen. mehr...

Extremer Wintereinbruch China in Stromnot

Nach Rekordschneefällen und den niedrigsten Temperaturen seit Jahrzehnten ist in großen Teilen Chinas der Strom rationiert und teilweise sogar abgestellt worden. mehr...

Podcast-Serie China - das Land verstehen

Chinas Einfluss auf unsere Welt wächst - gleichzeitig bleibt uns das Land fremd. Der langjährige stern-Korrespondent Jan-Philipp Sendker berichtet in einer Podcast-Serie über den radikalen Wandel im Reich der Mitte - und wie der auch unser Leben verändern wird. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe