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6. Mai 2008, 11:36 Uhr

Kritischer Journalist entlassen

Drei Monate vor den Olympischen Spielen verschärft die chinesische Regierung die Pressezensur. Wie stern.de von chinesischen Journalisten erfahren hat, wurde Chang Ping, stellvertretender Chefredakteur des Wochenblatts "Südliche Metropole", seines Amtes enthoben. Von Ellen Deng und Adrian Geiges, Peking

Wagte es, die chinesischen Medien zu kritisieren: der Journalist Chang Ping© privat

Die Nachricht machte zunächst über SMS die Runde und wurde nun von informierten Kreisen gegenüber stern.de bestätigt: Der populäre Journalist Chang Ping ist "auf Druck von höheren Instanzen" abgesetzt. Grund: Vor wenigen Wochen hatte er in seinem Blog angesichts des wachsenden Nationalismus in China zur Besonnenheit aufgerufen.

Ausgewogen kritisierte er die westliche Berichterstattung über Tibet ("schlimme Fehler, bewusst irreführend"), schrieb aber dann über die chinesischen Medien: "Wenn alle Nachrichten aus einer Quelle kommen, kann ich nicht sagen, sie sind gefälscht, aber ich kann sie auch nicht als wahr akzeptieren ... Wenn der Staat die Medien kontrolliert, ist der Welt nicht mehr zu helfen."

Auch rief er zu besserem gegenseitigen Verständnis zwischen den verschiedenen Nationalitäten in China auf: "Viele Chinesen haben herausgefunden dass die Vorurteile von westlichen Menschen gegen China auf deren Gefühl kultureller Überlegenheit beruhen. Doch wir sollten das als eine Warnung sehen: Wenn Han-Chinesen den ethnischen Minderheiten gegenüberstehen, haben sie dann nicht auch das Gefühl kultureller Überlegenheit, das zu Vorurteilen führt?" Sein Blog endete mit dem Satz: "Wird es unseren Medien erlaubt sein, die Angelegenheit frei zu diskutieren und die Wahrheit aufzudecken?"

Die Antwort ist leider Nein, wie Changs Entlassung zeigt. Es heißt, er werde auf eine andere, weniger einflussreiche Stelle abgeschoben. Offenbar soll ein Signal an andere Journalisten ausgesandt werden: Wer abweichende Meinungen äußert, gefährdet seine Position oder im schlimmsten Fall auch die Existenz seiner Familie.

Kollegen geschockt

Chinesische Journalisten reagierten mit Schock auf die Nachricht. Es gibt aber auch Anzeichen, dass solche Entscheidungen den Unmut über die Regierung verstärken. "Ich drücke meinen Respekt für Chang Ping aus", schreibt eine Bloggerin. "Ich denke, die Leute, die seinen Mund stopfen wollen, werden eines Tages bessere Wege finden, um die Probleme zu lösen. Sie hoffe sie werden sich daran erinnern: Es ist ganz und gar nicht Chang Ping und seine rationale Stimme, die die Sicherheit unseres Landes gefährdet. Alle Nationalitätenkonflikte sollten mit Liebe und Vernunft gelöst werden."

"Ich möchte ihn umarmen", schreibt ein anderer. Darunter hat jemand ein Smiley-Männchen mit überklebtem Mund gesetzt als Zeichen dafür, dass Kritiker mundtot gemacht werden sollen.

Chang Ping selbst wollte bislang keine Stellungnahme abgeben. Doch bereits vor drei Wochen schrieb er in seinem Blog: "Ich kämpfe immer, aber ich bin kein Soldat. Der Ärger wird nicht umsonst sein. Ich danke allen, die mich unterstützen. Ohne euch wäre das Leben schwer."

Von Ellen Deng und Adrian Geiges, Peking
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
blackview (08.05.2008, 05:17 Uhr)
wenn
Ich hier lese, Mosaiksteinchen und so.
Pffff was ist denn bei uns?? Vegefranz hat vollkommen Recht, was nicht 100 % political correct ist, wird hier auch geloescht.Wer in Glashaus sitzt....
Aber mit Fingern auf andere zeigen und Kameraueberwachung, sowie Internetdurchsuchung beschliessen, ist natuerlich einfacher und hat rein gar nichts mit einer Zensur zu tun.Armes Deutschland, die Medien und Politiker lullen die Buerger ein und wie man an manchen Kommentaren hier sieht, funktioniert die Gehirnwaesche sehr gut.
ramteid (07.05.2008, 01:31 Uhr)
Höchste Zeit
Das sollte auch sofort in Deutschland eingeführt werden. Kritische Journalisten! Wo leben wir denn.
LaoLu (07.05.2008, 00:22 Uhr)
Sehr problematisches Terrain...
Vor diesem Bericht hatte ich von Chang Ping noch nichts gehört.
Es steht wohl außer Frage, daß China die Blogger argwöhnisch beobachtet und bei allem, was als subversives Verhalten ausgelegt wird, zuschlägt.
Ich hatte das schon im Zusammenhang mit den Forderungen nach Religionsfreiheit erwähnt: Sie dürfen in der PRC zu Ihrem Gott beten, wie immer der auch heißen mag. Da kümmert sich kein Schwein drum.
Wenn Sie oder Ihre Religionsgemeinschaft aber anfangen, andere hinter sich zu scharen (man nennt das Missionierung, nicht?), gibt's Streß.
-
Und abschließend: es ist wohl so, daß jeder, der sich in China per Blog oder wie auch immer systemkritisch äußert, von unserer Presse zum Dissidenten hochgejubelt wird.
Maria1000 (06.05.2008, 20:54 Uhr)
tja, das WAHRE Gesicht der chinesischen Machthaber
kommt halt doch immer wieder durch - trotz aller Heiapopeia-Promotion, vor allem von deren westlichen Geschäftspartnern, die uns weismachen wollen, dass sich in China etwas "bessert" an den Missständen und der diktatorischen Regierung.
wang (06.05.2008, 18:44 Uhr)
Chinese
Jetzt kann ich noch nicht bestätigen,ob Changping enthoben ist.Aber ich glaube,Changping hat Recht,und sein Artikel ist nicht so aggressiv gegen die Regierung,vielleicht kann Regierung seinen Artikel tolerieren.
sein Blog,
http://blog.ifeng.com/article/1371855.html
guzziman (06.05.2008, 15:28 Uhr)
@vegefranz
Ich muss Ihnen uneingeschränkt Recht geben. Aber auch andere zensieren knüppehart, so z.B. der Focus, da wurden bis jetzt sicherlich die Hälfte aller Postings abgelehnt. Diese veröffentliche ich allerdings unter: xxx://kommentarabgelehnt.blog.de/.
Kann übrigens jeder seine abgelehnten Kommentare reinsetzen (vorher mit Word und dem Link abspeichern)...
Gruß, guzziman
mister-mister (06.05.2008, 14:11 Uhr)
Passt doch.........!
Und wieder ein Mosaiksteinchen mehr, wie das Pekinger Regime mit Andersdenkenden umgeht.
Mehr muss man dazu eigentlich kaum noch sagen - man kennt das ja schon von vorher, vom Platz des Himmlichen Friedens bis zur Fackel-Farce.
Und es wird so weiter gehen - die Killer in Peking lassen sich "Ihre" Spiele nicht von denkenden Menschen kaputtreden.
.
Allerhöchsten Respekt vor dem chinesischen Journalisten!!
vegefranz (06.05.2008, 13:58 Uhr)
Zensur nicht nur in China
Wir brauchen nicht überheblich auf die Chinesen zeigen. Auch bei uns gibt es den Zensor: Schreiben Sie mal ein posting, in welchem sie das auftreten bestimmter Ausländergruppen in Berlin moderat kritisieren, an den Berliner TAGESSPIEGEL, kommt der Zensor und löscht das posting
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