. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
12. April 2008, 13:10 Uhr

Brandherd Tibet

Trotz strenger Zensur erreichten den stern neue Fotos vom Aufstand gegen China. Durch die Gewalt in seiner Heimat ist der Dalai Lama zwischen die Fronten geraten. Er muss Peking die Stirn bieten und gleichzeitig seine zornigen Anhänger im Zaum halten. Von Teja Fiedler

Auf einer Prachtstraße im Zentrum von Lhasa hastet eine Frau an einem brennenden Lieferwagen vorbei. Die Flammen schlagen so hoch aus dem Auto, als würde gerade der Tank explodieren© Rune Backs/ AFP

Es war seine Entscheidung, als religiöses Oberhaupt vor seine Anhänger zu treten und nicht als politischer Führer. In Indiens Hauptstadt Neu-Delhi spricht der Dalai Lama diese Woche zu den Menschen, um sie in Buddhas Lehre zu unterweisen. Doch auch vor der Schar ausgewählter Wahrheitssucher im Hotel "Ashok" konnte er dem zermürbenden Zweifrontenkrieg nicht entrinnen, den er seit dem Ausbruch der blutigen Unruhen in Tibet zu führen hat. "Ich fühle mich so hilflos und hoffnungslos wie vor 50 Jahren, als ich fliehen musste", sagte er müde vor dem Auditorium.

Einerseits muss sich der Friedensnobelpreisträger gegen die anhaltenden Beschuldigungen der Chinesen wehren, er und seine "Clique", die tibetische Exilregierung im indischen Dharamsala am Fuß des Himalaya, seien die Drahtzieher des Aufruhrs in Tibet. Andererseits kann er nicht zusehen, wie ihm die tibetische Jugend dies- und jenseits der Grenze entgleitet, deren Überschwang die bitteren Realitäten von Macht und Ohnmacht nicht anerkennen will. So wie viele der etwa 300 meist jungen Exiltibeter, die seit Tagen im Norden Indiens symbolisch auf dem Weg in ihre Heimat sind, um der Welt und den Chinesen zu zeigen: Das ist unser Land. Ihr Protestmarsch wird spätestens an der Grenze enden. Die Chinesen dulden keine "aufwieglerischen Elemente" in der "autonomen chinesischen Region Tibet".

Dem Dalai Lama sind diese Protestler im wahrsten Sinn des Wortes enteilt. "Er hat seine eigene Sicht der Dinge, und die respektieren wir", sagt die Studentin Dolma, "doch es ist Zeit, den Chinesen mit gleicher Münze zurückzuzahlen." Die junge Generation steht dem behutsamen Kurs des Dalai Lama skeptisch gegenüber, auch wenn sie ihn noch immer als ihren spirituellen Führer und als Symbolfigur des Widerstands verehrt.

Dalai Lama gegen Olympia-Boykott

Als illusionsloser Realpolitiker hat der Dalai Lama seit der Flucht aus Tibet im Jahr 1959 Schritt für Schritt seine Ziele zurückgesteckt, hat 1988 die Oberhoheit Chinas über die ehemalige Theokratie Tibet anerkannt und fordert heute nur noch eine nicht genau definierte "wirkliche Autonomie" für sein Land. Erst seit es bei Protestaktionen in Tibets Hauptstadt Lhasa Dutzende von Toten gab, schwenkte er auf einen härteren Kurs ein. Er bezeichnete die chinesische Politik in Tibet als "Terrorregime" und "kulturellen Völkermord" und forderte eine UN-Untersuchung der Zustände in seinem Land. Doch mit Gewalt verbundene Aktionen lehnt er weiterhin ab. "Hass und Aggression lösen keine Probleme."

Während die Marschierer in Richtung Grenze Transparente mit der Aufschrift "Boykott der Olympischen Spiele in Peking" tragen, sprach der Dalai Lama sich auch am vergangenen Sonntag, zwei Wochen nach Beginn des Protestes, erneut für Spiele in Peking aus. Ein weltweiter Boykott würde die Haltung Chinas gegenüber Tibet nur verhärten. Die Regierung in Peking, einmal um ihr Prestige-Objekt Olympia gebracht, könnte dann ohne Rücksicht auf Verluste vorgehen.

Für Peking ist es ein Kampf "auf Leben und Tod"

Chinesische Sicherheitskräfte haben die Situation in Lhasa inzwischen im Griff. Auch die Unruhen und lokalen Aufstände, die außerhalb der tibetischen Hauptstadt und in den angrenzenden, von Tibetern bewohnten Provinzen aufflackerten, sind abgeflaut. Nach dem Ultimatum der chinesischen Behörden, die "kriminellen Elemente" müssten sich ergeben, um auf Milde hoffen zu können, führte das Regierungsfernsehen "reumütige" Tibeter vor. Einige hätten sich an den Gewalttaten beteiligt, ohne zu wissen, worum es gehe.

Demonstranten haben eine Geschäftsstraße in Lhasa mit ungestürzten Polizei-Absperrungen blockiert. Sie schlugen Scheiben ein, zerrten Schaufensterpuppen, Mobiliar und Ware aus den Läden und zündeten sie an© Rune Backs/ AFP

Nach einigen Tagen friedlicher, meist von Mönchen geführter Demonstrationen waren am 14. März in Lhasa Streifenwagen, chinesische Geschäfte und Banken in Flammen aufgegangen. "Ich kann Panzerfahrzeuge auf der Straße sehen. Feuer an vielen Stellen überall in der Stadt", schilderte ein Restaurantbesitzer am Handy die Situation in der vergangenen Woche, "mörderische Banden durchstreifen die Stadt und attackieren uns Chinesen und unser Eigentum. Wir warten dringend, dass die Regierung etwas unternimmt."

Ein dänischer Tourist berichtete, Tibeter würden an ihre Haustüren die traditionellen weißen Gebetsschals hängen, um vor Übergriffen ihrer Landsleute sicher zu sein.

Chinesen haben die Wirtschaft in der Hand

Die Behörden schlugen zurück - mit großer Brutalität. 130 Menschen kamen nach Angaben der tibetischen Exilregierung bei den Einsätzen der Sicherheitskräfte ums Leben. Doch da China seinen selbst deklarierten Kampf "auf Leben und Tod" für die "Einheit des Vaterlands" unter Ausschluss unabhängiger Augenzeugen führt, sind diese Zahlen schwer zu erhärten. Ausländische Journalisten und Touristen wurden nach Beginn der Unruhen ausgewiesen.

Nach offiziellen Angaben kamen 19 "unschuldige Bürger", wie die Chinesen in Tibet genannt werden, ums Leben, darunter ein Polizist. Im offiziellen Sprachgebrauch vermeidet Peking, zwischen den zugezogenen und den angestammten Bewohnern zu unterscheiden. Die "autonome Region" gilt als Teil des "unteilbaren Vaterlands".

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 14/2008

Die große China-Serie im stern

Die große China-Serie im stern Lesen Sie in Teil 2:
In einer der glanzvollsten Epochen des Landes entsteht die erste Millionenstadt, und mit finsteren Intrigen macht sich eine Konkubine zur Kaiserin

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (10 von 69)
 
paulmaz (15.04.2008, 18:09 Uhr)
Robbespierre
Das, was sie da aufführen würde ich
bedenkenlos unterschreiben, wenn, ja
wenn sich ALLE daran halten würden.
Sagen sie mir ein Land auf demGlobus,
in dem die Menschenrechte nicht auf
die eine der andere Weise verletzt
werden. Zudem gibt es für unzählige
Menschen, das ist ja gerade hochaktu-
ell,die andere Sorgen als das, was wir hier gerade diskutieren, haben. Das gab es aber schon immer. Wie sag-
te Brecht: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Ich glaube,das trifft
punktgenau auf die chinesische Bevöl-
kerung zu. Und zu ihrem Namen: Da kann ich nur hoffen, dass sie nicht
das Schicksal ihres "Patrons" erlei-
den, denn dann ist es mit den schönen
Diskusionen mit ihnen vorbei
Robbespierre (15.04.2008, 16:10 Uhr)
@Paulmaz: Argumente
Argumente? Derer gibt es so viele, ich bin mir nur nicht sicher, ob sie diese hören oder nachvollziehen wollen. Zunächst einmal wäre die universale Bedeutung und Gültigkeit der Menschenrechte zu nennen. Diese definieren in meinen Augen sehr gut, was mit "Freiheit" gemeint sein kann. Vermutlich gehen Sie dagegen vom marxistischen Freiheitsbegriff aus, der "Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit", wonach alle gegen das Individuum gerichteten Schweinereien erlaubt sind, wenn es dem Volk als ganzes gut gehen soll. Diese Maxime wird wohl gerade in China angewendet und ist zumindest in meinen Augen äusserst problematisch. Gelegentlich macht aber auch das Sinn. Wie sie an meinem Nicknamen erkennen, bin ich sogar sehr für Revolutionen, wenn sie ein Unrechtssystem stürzen. Im revolutionären Prozess gibt es auch unschöne Phasen, Robespierre mußte z.B. die Hinrichtung des Königs einfädeln, um Frankreichs neue Freiheit zu retten. China mußte sich im Kampf von den japansichen Aggressoren trennen. Aber dies sind in meinen Augen - leider notwendige - Phasen, die abgelöst werden müssen von einem Rechtssystem, welches alle Bürger vor dem Gesetz gleichstellt, auf der Grundlage der universalen Menschenrechte und mit einer diesen Werten verpflichteten Judikative. Dass es universale Bedürfnisse gibt, die alle Menschen teilen, egal in welchem Kulturkreis sie aufgewachsen sind erkennen sie z.B. daran, daß asiatische Länder wie Korea oder Japan mit der Industrialisierung sozialdemokratische Parteien hervorbrachten, die die Partikularinteressen der Entwurzelten Teile der Bevölkerung wahrnahmen und zwar ohne den Westen als Vorbild zu nehmen. Es gäbe sehr viele Beispiele für die universal gültigen Bedürfnisse eines Menschen, aus denen der Begriff seiner Würde und eben auch die freiheitlichen Menschenrechte abgeleitet sind. Weder ein Eskimo möchte in einem Unrechtssystem leben, noch ein Beduine. Beide würden es als Unrecht definieren, wenn sie eine unfaire Gerichtsverhandlung erdulden müßten, die mit der Beschneidung ihrer Rechte und/oder ihres Lebens enden würde. Es gäbe viele Argumente für die universale Gültigkeit der Freiheit/der Menschenrechte. In den Universitäten werden sie ganze Sammlungen von untersuchten Beispielen finden und wenn sie die Nachrichten verfolgen, werden sie erkennen, daß alle Menschen den Drang nach Gerechtigkeit besitzen, wenn diese an ihnen verletzt wurde. Freiheit im Sinne der universal gültigen Menschenrechte ist ebenfalls universal und setzt notwendiger Weise einen demokratischen Rechtsstaat voraus.
paulmaz (15.04.2008, 15:23 Uhr)
Robbespierre
Warum sind sie denn so nervös gewor-
den? Keine Argumente mehr? Ich habe
sie lediglich gefragt, wessen "Frei-
heit" sie meinen. Bevor man so gross-
klotzig mit diesem Begriff argumen-
tiert, sollte man sich im Klaren sein
dass das ein Gummibegriff ist den je-
der Mensch und jedes Land nach sei-
nen Bedürfnissen und zu seinem Vor-
teil für sich in Anspruch nimmt. Be-
rücksichtigt man noch die kulturel-
len und geographischen Gegebenheiten,
wird es ganz kompliziert. Die Frei-
heit eines Eskimos ist nicht die Frei
heit der Beduinen. Die Freiheit eines
Chinesen ist nicht die Freiheit eines
Deutschen. Ihre Freiheit ist nicht
meine Freiheit
StarSun (15.04.2008, 14:41 Uhr)
@Robbespierre
und verleicht koennten Sie auch mehr Verstaendnis ueber die Ein-Kind-Politik
haben. (nicht fuer die Minderheiten in China)

StarSun (15.04.2008, 14:30 Uhr)
@Robbespierre
Hallo,
http://www.stern.de/politik/ausland/:Weltweite-Armut-Die-R%FCckkehr-Hungers/617343.html
Ein Vergleich zwischen China und India.
So koennten Sie verleicht ein Bisschen mehr Verstaendnisse haben. warum trotz der "beschraenkten Freiheit" unterstuetzten die Mehrheit die KP in China.
Fuer die meisten Leute der Entwicklungslaender ist das Essen die wichtigste Sache.
Robbespierre (15.04.2008, 14:07 Uhr)
Freiheit für China, Freizeit für Paulmaz
wär das nicht was für Sie? http://www.stern.de/politik/panorama/
:Gro%DFbritannien-Maulwurf-Mann-Haus-Garten/617320.html
Robbespierre (15.04.2008, 14:00 Uhr)
@paulmaz
Ach, Paulmaz, Sie Diktaturversteher könnten mein Opa sein. Und wie 1968 die Opis gegen die jungen Idealisten motzten, wird von Ihnen jetzt gegen Demokraten gewettert. Haben sie keine Tauben zu füttern?
paulmaz (15.04.2008, 12:59 Uhr)
Robbespierre
Aha , jetzt wissen wir es genau, die
"schöne Frau China" wird an der Frei-
heit genesen. Fragt sich nur welche
Freiheit sie meinen. Die ihre? Haben
sie sich nicht falsch ausgedrückt und
sie meinten: Am Deutschen Wesen soll
die "schöne Frau" genesen? Wenn man
ihre Kommentare so liest, kommt einem
doch glatt der Gedanke, dass sie das
meinen.
Nobilitatis (15.04.2008, 12:48 Uhr)
Propaganda-Links
Das: http://www.german-foreign-policy.com/en/fulltext/56145
hab ich jetzt schon so oft gesehen. Hat null Glaubwürdigkeit, das hat jemand extra als Ausrede produziert. Das soll ein Totschlagargument sein, mit dem jeder Protestierende zum Schweigen gebracht wird, a la "Du arbeitest auch für die CIA".
wang (15.04.2008, 00:18 Uhr)
nur empfehlen
http://www.german-foreign-policy.com/en/fulltext/56145
http://www.german-foreign-policy.com/en/fulltext/56143
vielleicht ist es nicht tatsächlich.
MEHR ZUM ARTIKEL
Tibets Tragödie Angst vorm Vergessen

Nur spärlich sickern Informationen aus Tibet nach draußen, und wenn, sind sie für die Tibeter im Exil Angst einflößend. In Hamburg forderten rund 400 Tibeter und Menschenrechtsaktivisten die chinesische Regierung erneut auf, die Gewalt zu beenden und die politischen Gefangenen freizulassen. mehr...

Das Reich der Mitte Wie gut kennen Sie China?

Das Reich der Mitte faszinierte die Europäer schon immer. Doch was wissen wir wirklich über das Land? Wen meinen Chinesen, wenn sie sich mit Genosse anreden? Wo wird eher Getreide als Reis gegessen? Und: Ist die Große Mauer wirklich aus dem All zu sehen? mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe