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30. Januar 2009, 06:49 Uhr

Türken feiern Erdogan nach Eklat

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos ist es wegen des Kriegs im Gaza-Streifen zu einem Eklat gekommen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan verließ nach einem Streit mit dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres das Podium. In Istanbul wurde er dafür gefeiert.

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Verlässt wütend das Podium in Davos: der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan© Reuters

Nach seiner wütenden Abreise wegen eines Streits mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres beim Weltwirtschaftsforum in Davos ist der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei seiner Rückkehr in Istanbul begeistert gefeiert worden. Tausende Demonstranten empfingen Erdogan am frühen Freitagmorgen auf dem Flughafen von Istanbul. Dabei schwenkten sie türkische und palästinensische Flaggen sowie Spruchbänder mit Texten wie "Willkommen zurück, Eroberer von Davos" oder "Welt, schau auf unseren Ministerpräsidenten". Auch anti-israelische Slogans wurden gerufen. Peres hatte in Davos ein flammendes Plädoyer für den israelischen Krieg im Gazastreifen gehalten.

Nach seiner Landung in Istanbul sagte Erdogan, dass Peres ihn angerufen habe, um sich für die Art und Weise, in der er in Davos gesprochen habe, zu entschuldigen. Peres hatte den israelischen Militäreinsatz im Gaza-Streifen bei der Podiumsdiskussion teils lautstark verteidigt und den neben ihm sitzenden Erdogan dabei auch direkt angesprochen. Als dieser antworten wollte, brach der Moderator das Gespräch aus Zeitgründen ab. Daraufhin verließ Erdogan das Podium mit den Worten "Ich komme nicht mehr nach Davos".

Peres hatte den Militäreinsatz im Gazastreifen mit mehr als 1300 Toten auf palästinensischer Seite als unumgänglich gerechtfertigt. Israel habe sich komplett aus dem Gaza-Streifen zurückgezogen, die Siedlungen aufgelöst, Wasser, Nahrungsmittel und Geld geliefert. "Dafür haben wir Raketen aus dem Iran bekommen", sagte Peres in Bezug auf den Raketenbeschuss des israelischen Grenzgebiets durch die in Gaza herrschende radikal-islamische Hamas. "Warum kämpfen die gegen uns?", fragte er.

Das Problem seien die Ambitionen des Irans im Mittleren Osten. Teheran beliefere die Hamas und Hisbollah im Libanon mit Waffen und Raketen. Israel habe sich lange zurückgehalten, sagte Peres: "Was hätten Sie denn getan, wenn jeden Abend Raketen auf Istanbul niedergegangen wären?", fragte der israelische Präsident Erdogan.

Diese direkte und laute Ansprache warf der türkische Regierungschef seinem israelischen Gesprächspartner später auf der Pressekonferenz vor. "Ich respektiere Peres, deswegen habe ich meine Stimme auch nicht erhoben. Was er sagte war nicht wahr, auch wir haben die Fakten", sagte Erdogan. Zuvor hatte er Peres ein schlechtes Gewissen unterstellt.

Erdogan zeigte sich enttäuscht, dass die Vermittlungsversuche seiner Regierung zwischen Israel und Syrien auch bezüglich der Hamas gescheitert seien. Es hätte nur noch wenig gefehlt und man hätte eine Einigung erzielt, sagte Erdogan. Doch anstatt auf die Vermittlungen zu antworten sei Israel am 26. Dezember in den Gaza-Streifen einmarschiert. "Hier wurde Gewalt unverhältnismäßig eingesetzt", sagte Erdogan. Der militärischen Macht Israels hätten die Palästinenser nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen gehabt.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 43)
 
troller (30.01.2009, 10:23 Uhr)
Schade,
daß immer vergessen wird, warum dieser Zirkus stattfindet. Solange ein Volk die Bibel als "Grundbuch" ansieht, Völker vertreibt, Eroberungskriege führt, sich als Besatzer aufspielt, braucht sich keiner Wundern, daß es Gewalt provoziert. Und ehe jetzt einige auf diesen Kommentar losgehen: Ja, gerade WEIL ich Deutscher bin, und mich mit der Geschichte unseres Landes auseinandergesetzt habe, DARF ich solche Sätze äußern!
Clibanarius (30.01.2009, 10:22 Uhr)
Nicht zu fassen...
"Es waren mit Sicherheit keine Christen, die in der Geschichte die Juden umgebracht haben. Es waren Katholiken."
.
....diese Spitzfindigkeit! Nun gut, wir leben, Gott sei Dank, noch in einer Demokratie - da dürfen auch Leute ihre seltsame Sicht der Welt verlautbaren, die sichtlich nicht gerade Intelligenz und Sachkenntnis beschlagen sind.
sportartmakler (30.01.2009, 10:20 Uhr)
@anemone
es waren keine christen. es waren katholiken? bitte um erklärung.
Administrator (30.01.2009, 10:19 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Debatte. Diese geht aber in weiten Teilen am Thema des Artikels vorbei - trotz unserer Bitte, beim Thema zu bleiben.
Daher schließen wir die Diskussion an dieser Stelle.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
stern-user (30.01.2009, 10:15 Uhr)
@Taifun
Jetzt bitte ich Sie aber! Türkenphobie, Türkenantipathie oder was auch immer: ein Staat, der die Kurden regelrecht dezimieren möchte; ein Staat, der bis zum heutigen Tage, den Genozid an den Armeniern als "unglückliche Verkettung von Umständen" betrachtet; ein Staat, wo bis vor kurzem die Ermordung der Ehefrau der Ehre wegen, ein milderner Umstand vor Gericht war, hat kein Recht den moralischen Zeigefinger zu erheben.
Baris79 (30.01.2009, 10:13 Uhr)
????
Als Saddam im Irak tausende von Kurden mit Giftgas vergiftet hat war das einzigste Land welches den Kurden geholfen hat und seine Grenzen zur Flucht geöffnet hat die Türkei.....Nebenbei mal...Die Türkei hat bereits mit Barzani und Talabani beide PKK sympatisanten schon verhandelt...Öcalan wurde auch nicht getötet nach seiner Festnahme...Öcalan wurde wenigstens Anwälte zur Verfügung gestellt..(als bsp Guantanamo) sind wir immer noch so schlecht...ich verstehe eueren Türken Hass nicht...
Taifun (30.01.2009, 10:08 Uhr)
Da fällt einem nichts mehr zu ein
"babylon (30.1.2009, 10:00 Uhr)
@zappuser
Leider haben sie Recht. So ein Staat hat in der EU nichts zu suchen!
Wer so ein Verhalten gut heißt hat mit Demokratie nicht viel am Hut!"
Was genau war denn das "undemokratische" Verhalten von Erdogan? Das er seine Redezeit eingefordert hat? Das er aus Protest die Veranstaltung verlassen hat? Darf man das nicht in einer Demokratie? Ist es nicht auch im Bundestag vorgefallen, das Abgeordnete aus Protest den Plenarsaal verlassen haben?
Bitte um Erklärung!
Halima11 (30.01.2009, 10:08 Uhr)
@Admins
Sie haben Recht und es war wohl doch besser, dass Sie keine Kommentarfunktion während des Gaza-Krieges freigeschaltet haben. Die durchschnittliche Stern-Leserschaft ist einfach nicht auf dem Niveau, hie sachlich zu diskutieren.
Clibanarius (30.01.2009, 10:05 Uhr)
Der Vollständigkeit halber..
...ist hier das komplette (1:09 Std.) Video:
http://rurl.org/1c4e
jeanclaude (30.01.2009, 10:02 Uhr)
traurig das kein anderes land so reagiert hat.
schade das den staatsterroristen kein anderes land ihre greueltaten vorgehalten hat.
hier geht es um himmelschreiende ungerechtigkeit,israel gelingt es wie keinem staat auf diesem planeten,immernoch die opferrolle in der westlichen welt zu spielen.
dieser staat,darf ungestraft völkerechtswidrig staaten angreifen.
und warum darf keine nation dagegen aufbegehren?
weil andere staaten auch dreck am stecken haben oder hatten?
ich kann den hass der moslems gegen die westliche welt vollauf verstehen.
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