Er ist einer der führenden Gangster Indiens und soll an den Terroranschlägen in Mumbai beteiligt gewesen sein. Er ist in Pakistan untergetaucht und wird mit Al-Kaida in Verbindung gebracht: Dawood Ibrahim. Das Portät eines Verbrechers, der zu einer politischen Zeitbombe geworden ist. Von Christian Parth

Dawood Ibrahim: Er soll laut Spekulationen in Indien einer der Drahtzieher der Terroranschläge in Mumbai gewesen sein© Credit:AP
Es ist das Glück der Inder, einen der Terroristen lebendig gefasst zu haben. Ajmal Anim sitzt seit dem Wochenende in Haft und soll detailliert darüber berichten, wer hinter den jüngsten Anschlägen von Mumbai steckt, bei denen fast 200 Menschen ums Leben gekommen sind, darunter auch vier Deutsche. Seine Schilderungen kaprizieren sich dabei auf einen Mann, den die Inder schon lange auf dem Radar haben: Dawood Ibrahim, genannt der Don.
Dawood Ibrahim ist einer der meistgesuchten Terroristen der Welt. Und für die Inder dürfte schon jetzt feststehen, dass ihr in Pakistan untergetauchter Landsmann für die blutigen Jagden auf westliche Touristen in den Nobelhotels von Mumbai verantwortlich zeichnet. Der soeben inhaftierte Anim ist laut Medienberichten Mitglied der Terrorgruppe Lashkar-e-Tayyiba, und die hat sich bereits im März dieses Jahres mit Ibrahims berüchtigter Gang "D-Company" zusammen geschlossen. Gemeinsam sollen sie die Terrororganisation Al-Kaida unterstützen.
So soll es auch dieses Mal gelaufen sein. Indischen Medienberichten zufolge hat Ajmal Amin ausgesagt, dass Dawoods Männer die Überfahrt der zwölf Attentäter in einem Boot vom Hafen des pakistanischen Karachi nach Mumbai organisiert haben sollen. Die Geheimdienste hatten davon offenbar sogar Wind bekommen, eine Warnung an die Küstenwache geschickt und gefordert, insbesondere nach einem pakistanischen Fischerboot Ausschau zu halten. Doch die Terroristen sind ihrer Enttarnung zuvor gekommen: Sie kaperten den indischen Trawler "MV Kuber", töteten die Besatzung und drangen so unerkannt in die Gewässer vor der Küste Mumbais ein. Die Ergreifung Dawood Ibrahims dürfte für die künftigen Beziehungen der beiden Atommächte, die sich seit Jahren in der Provinz Kashmir bekriegen, gerade jetzt von immenser Bedeutung sein. Die Inder bezichtigen ihren Nachbarn schon lange, Terrorakte gegen Indien vorzubereiten. Und sie vermuten ebenfalls seit geraumer Zeit, dass der pakistanische Geheimdienst ISI mit Ibrahim kollaboriert. Nicht umsonst hat die indische Regierung am Wochenende den Chef des ISI nach Neu Delhi zitiert.
Auch die Amerikaner machen schon lange Jagd auf Dawood Ibrahim. Und seit nach dem Rücktritt von Präsident Pervez Musharraf in Pakistan der politische Ausnahmezustand herrscht, versuchen nun die USA das Grenzgebiet zu Afghanistan militärisch aufzumischen, um führende Köpfe von Al-Kaida zu erwischen. Dawood gehört selbst zwar nicht unmittelbar der Terrororganisation an, aber laut Informationen aus Indien und den USA nutzt Osama bin Laden die Infrastruktur des muslimischen Mafiapaten, der von Pakistan aus seine Geschäfte delegiert.
In einem 2004 erschienenen Buch nennt Autor Gilbert King den Don gar den "gefährlichsten Mann der Welt". Nach den Anschlägen von Mumbai dürfte der Mann mit dem Leberfleck über dem linken Auge auch in Europa seinen Bekanntheitsgrad gesteigert haben. Vor allem US-amerikanische Behörden würde seine Verhaftung zu Freudentänzen animieren.