. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
14. Juli 2008, 13:43 Uhr

Sudans Präsident soll für Völkermord büßen

Der Chefankläger beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, Luis Moreno-Ocampo, hat einen Haftbefehl gegen Sudans Präsidenten Omar Hassan al Baschir beantragt. Erstmals wird damit ein amtierendes Staatsoberhaupt beschuldigt. Al Baschir soll wegen Völkermord vor Gericht kommen.

Grausamer Herrscher: Sudans Präsident Hassan al-Baschir© Ali Haider/EPA

Wegen Völkermordes in Darfur hat der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar al Baschir beantragt. Der Völkermord in der Krisenprovinz gehe weiter und müsse gestoppt werden, erklärte Luis Moreno-Ocampo in Den Haag. Es ist das erste Mal, dass ein amtierendes Staatsoberhaupt von dem Gericht offiziell beschuldigt wird.

Zehn Anklagepunkte

Moreno-Ocampo führte insgesamt zehn Anklagepunkte gegen Al Baschir an, darunter Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen. Auch systematische Vergewaltigungen seien in Darfur an der Tagesordnung. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen hat der Darfur-Konflikt in den vergangenen Jahren 300.000 Menschen das Leben gekostet. 2,5 Millionen wurden vertrieben.

Der Chefankläger forderte ein dreiköpfiges Richtergremium am IStGH auf, einen Haftbefehl gegen Al Baschir auszustellen, um den langsamen Tod der Vertriebenen zu verhindern. Sie sind weiterhin Angriffen der von der Regierung unterstützten arabischen Reitermiliz der Dschandschawid ausgesetzt. Es wird erwartet, dass die Richter die vorgelegten Beweismittel mehrere Monate lang prüfen, bevor sie über einen Haftbefehl entscheiden.

Keine Auslieferung erwartet

Mit einer Auslieferung Al Baschirs an Den Haag wird ohnehin fürs erste nicht gerechnet, da der Sudan die Zuständigkeit des Gerichts nicht anerkennt. "Die internationale Gemeinschaft hat in der Vergangenheit versagt, hat den Völkermord in Ruanda nicht gestoppt, hat die Verbrechen auf dem Balkan nicht gestoppt", sagte Moreno-Ocampo. "Das Neue dieses Mal ist, dass es ein Gericht gibt, ein unabhängiges Gericht, das sagt ’Dies ist ein Völkermord’." Er könne nicht wegsehen, er habe Beweise.

Bei den Anklagepunkten handelt es sich im einzelnen um drei Fälle von Völkermord für die Tötung von Mitgliedern der ethnischen Gruppen der Fur, Masalit und Zaghawa, fünf Fälle von Verbrechen gegen die Menschlichkeit wegen Mordes, Vernichtung, zwangsweiser Umsiedlung, Folter und Vergewaltigung sowie zwei Fälle von Kriegsverbrechen wegen Angriffen auf die Zivilbevölkerung in Darfur und die Plünderung von Städten und Dörfern.

Mehr Blutvergießen befürchtet

Ein ranghohes Mitglied der sudanesischen Regierungspartei bezeichnete den Schritt Moreno-Ocampos als unfair und politisch motiviert. Die Sudanesische Befreiungsbewegung-Einigkeit, die in Darfur gegen die Regierung kämpft, begrüßte den Vorstoß dagegen und bot ihre Hilfe für eine Ergreifung Al Baschirs an. Die sudanische Regierung hatte am Wochenende vor einer Anklage des Staatschefs gewarnt. Ein solcher Schritt werde zu noch mehr Blutvergießen in Darfur führen, hieß es in einer Erklärung von Al Baschirs Nationaler Kongresspartei.

Al Baschirs Sprecher erklärte, eine Anklage des Präsidenten hätte "verheerende" Folgen für die Region. Beobachter befürchten auch Auswirkungen auf die 9000 Mann starke Friedenstruppe von UN und Afrikanischer Union in Darfur. Der UN-Sicherheitsrat hatte Moreno-Ocampo 2005 damit beauftragt, Verbrechen in Darfur zu untersuchen.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, wertete die Entscheidung des Chefanklägers laut einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" als "ganz wichtigen Schritt". Nach den vielen erfolglosen Resolutionen im UN-Sicherheitsrat zeige dies, dass schwere Menschenrechtsverletzungen auch für Staatschefs und amtierende Politiker nicht ohne Konsequenzen bleiben müssten, zitierte das Blatt Nooke.

Human Rights Watch äußerte sich ebenfalls zustimmend. Dies zeige, dass niemand über dem Gesetz stehe, sagte Richard Dicker, Direktor des Internationalen Justizprogramms der Menschenrechtsorganisation mit Sitz in New York.

Von Mike Corder, AP
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Garnet (15.07.2008, 05:50 Uhr)
Der Konflikt in Darfur
ist mehr ein Religionskrieg. Die christlichen Staemme werden ausgerottet, ganz im Sinne des Koranes. Das ist Fakt.
BerndHH hat noch nicht gesehen zu was die Chinesen in Afrika faehig sind. Wenn dies begriffen wurde, dann ist es zu spaet. Die Chinesen werden den Kontinent in eine Todeszone verwandeln und den Europaerern ueberlassen wenn alles ausgepluendert und zerstoert ist.
BerndHH (15.07.2008, 02:33 Uhr)
Warum wird Olmert nicht angeklagt ??
Geht es bei dieser Anklage wirklich um Humanität? Hätte man da nicht längst den israelischen "Präsidenten" Olmert anklagen müssen, der für über 1.200 zivile Todesopfer im Libanon verantwortlich ist? Mit einer solchen politischen Anklage gegen Baschir schafft man nur künstliche Schlagzeilen und hetzt die Massen auf. Natürlich müssen Zivilisten im Sudan geschützt und versorgt werden. Das macht man aber nicht in dem man sie von Europa aus gegen ihre eigene Regierung aufbringt. Der Verdacht, dass es den "humanen" Europäern lediglich um Verhinderung der chinesischen Konkurrenz geht, ist wirklich schwer auszuräumen.
ecomoc4u (14.07.2008, 21:46 Uhr)
un gericht ist schon berechtigt,
wenn da nicht der üble nachgeschmack wäre. bleibt nach dem urteil nur zu sagen.
.
tja, ...hätte er nicht die chinesen reingelassen, mit zig milliarden öl investment. und hätten die chinesen nicht dem sudan erklärt, dass man das öl der saudis anzapfen kann, da der sudan geo. tiefer liegt am roten meer. da lacht der sudan heute noch drüber, und die saudis sind technisch machtlos.
.
aber das dafur problem mit seinen ölquellen wäre auch ohne chinesen vorhanden. leider konnte hier eine vernünftige umsiedlung durch den staat nicht stattfinden, da terror aus dem chad und anderswo, dieses schwer machten (west sponsoring). da haben die chinesen schon einiges hautnah miterlebt. also wurden die killerkommandos aus khartoum losgeschickt...
Known (14.07.2008, 18:52 Uhr)
@SirExekutive
wirtschaftsgenozid?
undjetztnochder (14.07.2008, 16:14 Uhr)
Recht so!
Auch wenn man dieser Verbrecher zur Zeit nicht habhaft werden kann: die Zeit wird kommen! Auch in diesem Jahr wurden noch Kriegsverbrecher aus dem Jugoslavienkrieg gefasst und vor Gericht gestellt - Mord und erst recht Völkermord verjährt eben nicht. Und es sollte jedem Diktator eine Warnung sein, dass man in seinem Land tun und lassen kann was man möchte: das hat bei den Nazis schon nicht funktioniert. Oder z.B. bei Saddam.
Und dass man "das Gericht nicht anerkennt" kennen wir doch auch von den Nazis, Saddam Hussein oder Milosecitch: genutzt hat denen diese Haltung allerdings genauso wenig wie einem Kriminellen hierzulande, der unsere Gerichtsbarkeiten "nicht anerkennt" - aber trotzdem abgeurteilt wird um im Gefängnis landet. Recht so!
SirExekutive (14.07.2008, 16:06 Uhr)
mit zweierlei maß messen
wie viele milliarden menschen warten seit jahren darauf das kriegsverbrecher aus amerika (u.a. kissinger), israel, england usw. vor gericht gestellt werden
warum wurde damals vor dem ersten golfkrieg niemand für den wirtschaftsgenozid an der irakischen bevölkerung verantwortlich gemacht?
ja auf afrika lässt sich auf grund der plakativen verbrechen oberflächlich vorschnell urteilen
die wirklichen hintergründe kennt aber kaum einer bzw. werden immer wieder gerne verschwiegen bzw. unter dem teppich gekehrt (schließlich ist man dann über kurz oder lang selber betroffen bzw. der urheber)
letztendlich ist die verurteilung des präsidenten aus dem sudan nichts als eine farse um den einen oder anderen gutmenschen zu beruhigen bzw. um eine gewisse art von glaubwürdigkeit zu wahren
lügen.. nichts als lügen überall..
Schnaafpaaf (14.07.2008, 15:13 Uhr)
Und für diese afrikanischen Verbrecher
zahlen wir! Keine humanitäre oder etwa finanzielle Hilfe wird diese steizeitlichen und unmenschlichen Verhältnisse je ändern.
Entweder massiv militärisch eingreifen (Gutmenschenaufschrei!) oder sich gegenseitig umbringen lassen, die wollen es nicht anders, diese Kulturvölker.
MEHR ZUM ARTIKEL
UN-Bericht 300.000 Tote durch Bürgerkrieg in Darfur

Fünf Jahre Bürgerkrieg und kein Ende in Sicht: Die UN zeichnet in ihrem jüngsten Bericht zur Lage in Darfur ein düsteres Bild. Nach neuesten Schätzungen kamen in der westsudanesischen Krisenregion bislang 300.000 Menschen ums Leben - 100.000 mehr als bislang angenommen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe