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12. Dezember 2007, 17:10 Uhr

Oettinger hat Probleme mit Mallorca

Landesregierung und CDU-Führung in Baden-Württemberg befürchten, dass Ministerpräsident Günther Oettinger mal wieder in einem Fettnapf steht: Es geht um die Frage, ob Oettinger einem Stuttgarter Promi-Wirt, der sich unter Hinterlassung erheblicher Schulden über Nacht nach Mallorca abgesetzt hat, dort die Ehre seines Besuchs erwiesen hat. Von Rainer Nübel und Hans Peter Schütz

In Erklärungsnot: Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger, CDU© DPA

Eben erst hat Günther Oettinger im konservativen Musterländle den Sarkozy gegeben und das Ende seiner Ehe angekündigt. Doch eine andere Geschichte macht baden-württembergische CDU-Größen noch erheblich nervöser. Sie fällt in die schon früher belastete Rubrik "Oettinger und seine Freundschaft zu italienischen Gastronomen".

Jahrelang betrieb Maurizio Olivieri in Stuttgart das Promi-Lokal "Come Prima". Zu den Stammgästen des Edelitalieners zählten Größen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Darunter eben auch der CDU-Politiker Günther Oettinger, der den gebürtigen Römer schon seit langem kennt. Als Olivieri vor zwei Jahren das 25. Gründungs-Jubiläum seines Restaurants beging, adelte Oettinger seinen Duz-Freund mit einem ganz eigenen Titel: Er sei der "baden-württembergische Weltmeister des Seitensprungs". Was wurde da im "Come Prima" noch mächtig gelacht und gefeiert.

Kurze Zeit später trübte sich freilich die helle Freude der Stuttgarter High Society am Edellokal und seinem stets gut gelaunten Wirt ein. Olivieri hatte sich finanziell übernommen. Die Schulden waren ihm über den Kopf gewachsen. Im Sommer 2006 verschwand der Wirt Knall auf Fall aus Stuttgart und zog auf die Ferieninsel Mallorca ab, um im Nobelort Port Andratx den Neustart zu versuchen. In Stuttgart blieben derweil Lieferanten auf unbeglichenen Rechnungen in einer Höhe bis zu 30.000 Euro sitzen. "Oettingers Stamm-Italiener dicht!", titelte die "Bild"-Zeitung im August 2006 und schrieb von "Flucht" und "Abtauchen."

Promiwirt berichtet von Mallorca-Visite

Jetzt dirigiert Olivieri in Andratx, wo sich im Sommer prominente Finca-Besitzer wie Sabine Christiansen oder Dieter Wedel tummeln, das "Moderno". Ein Restaurant mit Pianobar, dessen Besitzer ein Neffe von ihm sei, wie Olivieri sagt. Er räumt freimütig ein, dass er in Stuttgart Schulden hinterlassen hat: "Ich wollte nur noch weg", sagt er zu stern.de. Immer wieder und immer noch bekomme er Gläubigerpost. Besonders um die kleinen Lieferanten, "die genauso hart arbeiten wie ich", tue es ihm leid. Launig und mit erkennbarer Freude erzählte Olivieri derweil im vergangenen Monat diese Geschichte: Günther Oettinger habe im Sommer plötzlich das "Moderno" betreten, ihn umarmt und zu ihm "du Arschloch" gesagt. Was "der Günther" natürlich freundschaftlich gemeint habe.

"Der Günther" reagierte auf diese Geschichte allerdings alles andere als erfreut. Als stern.de jetzt beim CDU-Parteitag in Hannover den baden-württembergischen Ministerpräsidenten danach befragte, bestritt der vehement, Olivieri jemals auf Mallorca besucht zu haben - und verhedderte sich dabei heillos in Widersprüche.

Zunächst erklärte Oettinger, die Familie des schwäbischen Unternehmers G. "ein Freund der Familie", sei im vergangenen Jahr einmal im "Moderno" essen gewesen und habe dabei den achtjährigen Sohn Oettingers dabei gehabt. Wenig später am selben Tag korrigierte Oettinger: Das sei in diesem Jahr gewesen. Eine weitere Stunde später präsentierte Oettinger eine neue Variante gegenüber stern.de: Seine Frau Inken habe in diesem Sommer im neuen Olivieri-Lokal gespeist. Eine weitere Stunde später korrigierte Oettinger, jetzt in Begleitung seines Regierungssprechers Christoph Dahl, des baden-württembergischen CDU-Generalsekretärs Thomas Strobl und des Sprechers der baden-württembergischen CDU, Tobias Bringmann, erneut seine Aussage: "Ich bin noch nie auf Mallorca gewesen." Und als diesen Dienstag in den "Stuttgarter Nachrichten" eine Story über den Besuch bei Olivieri erschienen war, überraschte der CDU-Politiker nachfragende Journalisten der Landespressekonferenz schon wieder mit einer neuen Variante: Seine (Noch-)Gattin Inken sei "an Pfingsten letzten Jahres" im Olivieri-Lokal auf Mallorca gewesen, notierten sie in ihre Notizblöcke. Und wunderten sich nicht schlecht: Zu diesem Zeitpunkt betrieb der Promi-Wirt doch noch das "Come Prima" in Stuttgart.

Zwei Besuche auf der Insel

Fakt ist: Allein im Jahr 2005 weilte Günther Oettinger zwei Mal auf der Ferieninsel. Genauer: in Port Andratx. Einmal in den Pfingstferien, zusammen mit Frau und Sohn, begleitet von Parteifreund Matthias Wissmann. "Wir lieben Spanien, die Küche und die Menschen", schwärmte damals der frisch gebackene Ministerpräsident gegenüber dem "Mallorca-Magazin" und ließ sich lachend am Hafen von Port Andratx ablichten. Im Sommer 2005 war Oettinger schon wieder für einige Tage auf die Ferieninsel geflogen, mit der Familie und einigen Freunden. Und schwärmte über den "fantastischen Urlaub" auf Malle. "Oettinger hat Mallorca für sich entdeckt", hielt das "Mallorca-Magazin" erfreut fest.

Jetzt scheint Mallorca für Oettinger plötzlich zur Tabuzone geworden zu sein. Warum nur? Weil es eine ungut peinliche Optik ist, wenn ein Ministerpräsident einen Schuldenflüchtling besucht, ihn umarmt und die alten Zeiten hochleben lässt, anstatt die gebotene Distanz zu wahren? Schwäbische Wähler dürften dafür keinerlei Verständnis haben. Und peinliche Fehltritte hat sich Oettinger in seiner noch kurzen Amtszeit schon einige geleistet - es sei nur an die völlig verunglückte Würdigung von Hans Filbinger als Nazi-Gegner erinnert. Olivieri selbst scheint inzwischen zu ahnen, dass seine Geschichte für den Politiker-Freund genau diese Pikanterie besitzt. Sprach er am Montagabend gegenüber stern.de noch erneut vom "Privatbesuch" Oettingers in seinem mallorquinischen Lokal, kündigte er kurz darauf indigniert an: Jetzt werde es das nicht mehr bestätigen. Da war der Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" gerade erschienen.

Oettingers Pizza-Affäre

Vielleicht liegen Oettingers Erinnerungslücken darin begründet, dass ihn schon einmal seine Freundschaft zu einem italienischen Gastronomen in politische Schwierigkeiten gebracht hat. Als Anfang der 90iger Jahre gegen einen Stuttgarter Pizzeria-Wirt unter anderem wegen Geldwäsche-Verdachts ermittelt wurde, staunten mitlauschende Fahnder nicht schlecht, wer da im Lokal des Kalabresen telefonierte: Günther Oettinger. Der damalige CDU-Fraktionschef war damals von zwei Landesministern über die Abhöraktion informiert worden. Damit war die Pizza-Affäre gebacken. Bei Journalisten-Fragen, ob er denn schon einmal in der Heimat seines italienischen Freundes gewesen sei, verblüffte Oettinger schon damals mit einer gewissen geographischen Verwirrtheit: Er wisse nicht so genau, ob er jetzt in Kalabrien oder Apulien Urlaub gemacht habe.

Von Rainer Nübel und Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
FiberGlaser (14.12.2007, 18:25 Uhr)
Das Los der Erfolgreichen
Wer wie Herr Oettinger durch seine eigentliche Tätigkeit nur wenig Angriffsfläche für Konkurrenten, Opposition und Presse bietet,
der wird wie allgemein üblich über sein Privatleben zur Zielscheibe gemacht.
Für den "Schuldenwirt" gilt, bis zu einer eventuellen Verurteilung, die Unschuldsvermutung, wie bei allen die einer Gesetzesübertretung verdächtig sind. Wenn Herr Oettinger sich von allen Unternehmern fernhalten muss die schon einmal in ein Insolvenzverfahren verstrickt waren, dann hat er viel zu tun um dies zu erfüllen.
Dem entsprechend ist gegen einen Privatbesuch beim "Schuldenwirt" doch nichts einzuwenden.
Das Timing der Lancierung dieser Angelegenheit ist wesentlich anrüchiger!
Und, verdient der neue Gefährte von Frau Oettinger bei seinem Arbeitgeber nicht genug, oder warum muss er, anstatt familiäres für sich zu behalten, alles in der Bunten demütigend breittreten?
Solange Herr Oettinger B-W so regiert wie er es bislang getan hat kann er gerne "Schuldenwirte" besuchen, sich auf Begräbnissen missverständlich äussern, sich von seiner Frau trennen und eine Hamburgerin als Freundin haben.
whismerh2 (13.12.2007, 12:08 Uhr)
wie üblich
Ein Lügenbaron von der Firma
Veordnungs-und Steuer Erfindungs
company, hat sich verquasselt.
Wie schon von einem Vorredner bemerkt
das Ding wird ausgesessen und alles
ist wieder gut.
Schlimmstenfalls drohte ihm ja ein
Rücktritt, aber der fällt weich.
Ein Normalangestellter könnte nach so einer Nummer den Hut nehmen und wenn er Pech hat sich bald mit HartzIV begnügen.
Solange diese Schw.... ungestraft davon kommen wird sich nichts ändern.
Skarrin (13.12.2007, 10:58 Uhr)
Wie die Geschichte weitergeht
kennt man aus unzähligen ähnlichen Fällen im Wertloskonservativen-Milieu: konfrontiert mit seiner dreisten Lüge, er sei noch nie auf Malle gewesen, und den Bildern/Artikel aus dem Mallorca-Magazin, die ihn überführen, wird er behaupten, er sei "falsch zitiert" worden und es gäbe eine "Hetzkampagne linker Medien" gegen ihn. Seine Parteifreunde, die keine Probleme mit der kognitiven Dissonanz zwischen Oettingers Behauptungen und der Realität haben, werden sich "geschlossen hinter ihn stellen". Wetten, dass sogar die Lieferanten, die Oettingers Busenfreund auf ihren Schulden sitzen gelassen hat, brav weiter CDU wählen werden? In 2 Wochen ist diese Sache dann ausgesessen, auf zur nächsten Lüge...
iovialis (12.12.2007, 19:50 Uhr)
Eine Runde Mitleid
Herr Schütz, was decken Sie denn da wieder auf? Es kann doch nicht angehen, das edle Bild eines Politikers derart zu schädigen! Wurde nicht der gleiche Herr Oettinger vor kurzem mit einer Schwarzwälder-Kirschtorte beworfen, weil eine Studentin für gerechtere Arbeit Aufmerksamkeit brauchte?
Der arme Mann... erst die Torte... dann läuft ihm die Frau weg... und jetzt noch solche Erinnerungslücken...
Ihm gebührt eine Runde Mitleid - aber eben nur eine, denn als Person der Öffentlichkeit sollte man sich solche Geschichten wirklich nicht erlauben. Wahrscheinlich hat er die Torte wohl verdient und daß ihm die Frau weggelaufen ist, paßt wohl irgendwie mit ins Bild. Porsche hat zur Zeit einen guten Ruf... was man von Politikern nicht gerade sagen kann.
Das große Problem ist leider: es gibt keine Alternativen :-(
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