Die Vereinigten Staaten fühlen sich von linken Regierungen in Lateinamerika bedroht. Alle Versuche, Fidel Castro zu beseitigen, scheitern. In anderen Ländern installieren sie Diktatoren, denen sie das Foltern beigebracht haben.

Greift die Fidelistas an, wo ihr sie trefft! - Der Diktator hat bislang alle Umsturzversuche überlebt© Claudia Daut/Reuters
Am 17. April 1961, kurz vor Sonnenaufgang, rief der CIA-Sender auf der winzigen Karibikinsel Swan die Kubaner zum Anbruch einer neuen Ära auf: "Eine Befreiungsarmee befindet sich auf der Insel, um gemeinsam mit euch gegen die kommunistische Tyrannei des haltlosen Fidel Castro zu kämpfen. Greift die Fidelistas an, wo ihr sie trefft! Zum Sieg, Kubaner!"
Vier Stunden später ging die Sonne für die gelandeten Exilkubaner wieder unter.
Das wichtigste Schiff der Invasionsflotte war schon gegen neun Uhr in Brand geschossen und musste vom Kapitän auf Grund gesetzt werden. Anders, als ihre CIA-Ausbilder behauptet hatten, waren die Kampfflugzeuge Castros durch einen Bombenangriff der "Befreier" am Vortag keineswegs ausgeschaltet. Sie flogen Attacke auf Attacke gegen die 1443 Mann starken Invasionskräfte. Nur mit Mühe konnten die einen schmalen Küstenstreifen um die Landestelle Schweinebucht halten. Einen zweiten Start der Bomber hatte der US-Präsident Kennedy untersagt. Das direkte Eingreifen der US-Luftwaffe, den Exilkubanern immer wieder in Aussicht gestellt, blieb ein Wunschtraum.
Vor allem aber waren sieben Millionen Kubaner nicht bereit, gegen die "kommunistische Tyrannei" Castros die Waffen zu erheben. Vielmehr richteten sie ihre Waffen in bemerkenswert großer Zahl gegen die Befreier. Da halfen auch keine feurigen Appelle von Radio Swan, Fidels Untertanen sollten Flugzeuge unbrauchbar machen durch Anbohren der Treibstofftanks. Die Bürger von Havanna weigerten sich auch, auf ein Radio-Kommando hin gleichzeitig alle Lichter anzuschalten, um das Elektrizitätsnetz und damit die Regierungsstreitkräfte lahm zu legen.
Nach knapp drei Tagen war der Widerstand in der Schweinebucht zusammengebrochen. 114 Eindringlinge waren gefallen, unter ihnen vier US-Piloten. 1189 Kämpfer gerieten in Gefangenschaft. Sie wurden Weihnachten 1962 gegen ein als medizinische Hilfslieferung getarntes Lösegeld von mehr als 60 Millionen Dollar in die USA zurückgeschickt.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hatte wie stets bei CIA-Aktionen auch mit diesem größten Desaster ihres Geheimdienstes offiziell nichts zu tun. Der eben erst ins Amt eingeführte Präsident John F. Kennedy erklärte noch vier Tage vor Invasionsbeginn: "Unter keinen Umständen wird eine Intervention amerikanischer Truppen in Kuba erfolgen." Um den Schein zu wahren, hielt man sich daran - auch als sich die Katastrophe der Exilkubaner abzeichnete.
Der bärtige Rechtsanwalt und Revolutionär Castro verkörperte genau den Typ von Staatschef, den die Kalten Krieger um CIA-Chef Allen Dulles nirgendwo auf der Welt und erst recht nicht im lateinamerikanischen Hinterhof an der Regierung sehen wollten: nationalistisch, radikal, sozialistisch. Kurz nach Castros Machtübernahme Anfang 1959 bewunderte Dulles ihn zwar noch als Mann "mit großem Mut", der keine erkennbaren "kommunistischen Neigungen" habe. Doch als Castro anfing, die Wirtschaft zu verstaatlichen und mit dem Ostblock zu kungeln, nannte der CIA-Chef Kuba bald einen "sowjetischen Satelliten". Das hieß: untragbar.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 52/2005