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10. Dezember 2007, 13:03 Uhr

Der Kronprinz von Putins Gnaden

Sein Auftreten wirkt zwar oft unbeholfen, doch als Aufsichtsratschef von Gazprom erfüllt er seine Aufgaben souverän: Dmitri Medwedew soll zum nächsten russischen Präsident gekürt werden. Darin unterstützt ihn besonders Wladimir Putin - obwohl sich der 42-Jährige liberal gibt.

Wladimir Putin (r.) unterstützt Dmitri Medwedew. Er soll der nächste Präsident Russlands werden© Natalia Kolesnikova/EPA/DPA

Dmitri Medwedew konnte abwarten: Bis zuletzt hielt sich der russische Vizeregierungschef streng an die Vorgabe von Präsident Wladimir Putin, keine eigenen Ambitionen auf das Präsidentenamt zu äußern. Von seiner inneren Anspannung zeugten nur seine dunklen Augenringe, als seine Kandidatur öffentlich gemacht wurde. Nach seiner Nominierung durch vier Parteien dürfte der nur 42-Jährige mit der Unterstützung Putins der nächste Präsident Russlands werden.

In vielem erinnert der enge Verbündete des Präsidenten an einen gewissen Wladimir Putin vor acht Jahren. Eher klein von Wuchs verfügt Medwedew mit seinem jungenhaften Gesicht nur über eine begrenzte Ausstrahlung. Seine Gesten wirken mitunter etwas unbeholfen, wenn er aus Angewohnheit nach seinen Antworten oft die Mundwinkel nach unten zieht. Aber zugleich spürt man, wie hellwach und auf den Punkt konzentriert Medwedew arbeitet.

Im staatlichen Gazprom-Konzern hat der Chef des Aufsichtsrates den Ruf, genauestens im Bilde zu sein und seine Aufgaben souverän zu beherrschen. Der größte Konzern des Landes gilt als Machtbasis des Präsidentschaftskandidaten. Medwedew ist einer wenigen Politiker aus der Umgebung Putins, der seine Karriere nicht in den Geheimdiensten gemacht hat.

Das liberale Gesicht Russlands

Beim Weltwirtschaftsforum Anfang des Jahres in Davos präsentierte sich der Politiker als das liberale Gesicht des neuen Russlands. Anders als Vizeregierungschef Sergej Iwanow versuchte Medwedew nicht, sich mit antiwestlichen Parolen zu profilieren. Stattdessen bekannte der eher dröge wirkende Politiker in Interviews seine Begeisterung für Hardrock und Jugendsprache.

Seit 17 Jahren arbeiten Putin und Medwedew eng zusammen. Der gelernte Jurist wechselte im Windschatten Putins aus der St. Petersburger Stadtverwaltung in den Kreml nach Moskau. Dort organisierte er zunächst als Vizechef der Kremladministration im Jahr 2000 Putins Präsidentschaftswahlkampf. Danach half er dem Kremlchef, seinen Einfluss im Land auszubauen.

Kremlintern wird er "der Wesir" genannt

So arbeitete er an der Entmachtung des Föderationsrates mit. 2003 stieg Medwedew - nach Angaben des Radiosenders "Echo Moskwy" damals kremlintern als "der Wesir" bekannt - zum Leiter der Präsidialverwaltung auf. Als Putin ihn im Jahr 2005 zum Vizeregierungschef machte, kamen erstmals Gerüchte auf, der Politiker sei von Putin zu seinem Nachfolger auserkoren.

In diesem Jahr lieferte sich Medwedew als inoffizieller Kandidat um die Putin-Nachfolge einen medialen Zweikampf mit Sergej Iwanow um die Gunst der Bevölkerung und das Wohlwollen des Präsidenten. Dabei durfte Medwedew im Staatsfernsehen fast nur mit guten Nachrichten glänzen. Er war für die sogenannten "Nationalen Projekte" in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wohnungsbau und Landwirtschaft zuständig. Über eine Präsidentschaftskandidatur sprach er nie.

Als Putin Iwanow im Februar ebenfalls zum Ersten Vizeregierungschef beförderte, sahen viele jedoch die Chancen Medwedews schwinden. In den nächsten Tagen soll Medwedew, dessen Nachname vom russischen Wort "Bär" stammt, nun auf dem Kongress der Kremlpartei Geeintes Russland zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden. Ihr Maskottchen ist schon jetzt ein Bär.

Erik Albrecht und Stefan Voß/DPA
 
 
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