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5. November 2008, 10:56 Uhr

Russland stationiert Raketen an Nato-Grenze

Am Morgen nach der US-Wahl fährt Russland die Krallen aus: In seiner ersten Rede an die Nation hat Präsident Dmitri Medwedew angekündigt, russische Kurzstreckenraketen in der Exklave Kaliningrad aufzustellen. Das Gebiet liegt zwischen Litauen und Polen, die dortigen Iskander-Raketen sollen den geplanten US-Raketenschild "neutralisieren".

Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat die Stationierung von Kurzstreckenraketen in Kaliningrad befohlen© Dmitry Astakhov/EPA/DPA

Russland will wegen des von den USA in Osteuropa geplanten Raketenschutzschirms modernste Kurzstreckenraketen direkt an der polnischen Grenze und damit in direkter Nachbarschaft zur Nato stationieren. Raketensysteme des Typs "Iskander" würden in die an der Ostsee gelegene Region Kaliningrad (Königsberg) verlegt, sagte der russische Präsident Dmitri Medwedew am Mittwoch in seiner ersten Rede zur Lage der Nation.

Medwedew machte keine Angaben darüber, wieviele Raketen in der Exklave aufgestellt werden sollen und ob diese mit Atomsprengköpfen bestückt werden. Allerdings kündigte Medwedew an, dass Russland das US-System elektronisch stören werde. Zusätzlich nahm der Präsident Abstand von zuvor geplanten Abrüstungsmaßnahmen. Der Abbau von drei Raketen-Regimentern sei auf Eis gelegt, sagte Medwedew weiter.

Russland sieht durch den amerikanischen SicherheitsSchild seine Sicherheit gefährdet. Teile des Abwehrsystems sollen in Polen sowie der Tschechischen Republik und damit nahe an Russland gebaut werden.

"Hochnäsige" Politik der USA

In seiner Rede griff der russische Staatschef die USA hart an. Ihre "hochnäsige" Politik habe zum Georgien-Konflikt und zur Finanzkrise geführt. Der Kaukasuskonflikt sei als Vorwand genutzt worden, um Nato-Schiffe ins Schwarze Meer zu schicken und den US-Raketenschild einzurichten. Im Kaukasus werde Russland aber nicht zurückweichen, kündigte Medwedew an. Anfang August waren russische Truppen in Georgien einmarschiert, nachdem Georgien vergeblich versucht hatte, die Kontrolle über das abtrünnige Südossetien mit militärischer Macht wiederzuerlangen.

Mit keinem Wort erwähnte Medwedew den Namen des wenige Stunden zuvor gewählten künftige US-Präsidenten Barack Obama. Auch gratulierte er diesem nicht zu seinem Erfolg. Der Präsident sprach aber die Hoffnung aus, dass Obamas Regierung "sich für vollwertige Beziehungen mit Russland entscheidet". Zudem hatte das Außenministerium in Moskau die Wahl Obamas zuvor ausdrücklich begrüßt. Erst ließ Medwedew Obama per Telegramm Glückwünsche zukommen. "Ich hoffe auf einen konstruktiven Dialog mit Ihnen auf Grundlage von Vertrauen und Rücksicht auf die gegenseitigen Interessen", schrieb Medwedew, nicht ohne zu betonen, dass das Verhältnis zwischen Russland und den USA stets ein wichtiger Faktor für die Stabilität in der Welt sei.

Einige Beobachter hatten sich zuvor überrascht gezeigt, dass Medwedew angesichts der Wahl eines neuen Präsidenten einen derart harschen Tonfall anschnitt. Die Demokraten hatten sich zuletzt uneins über das von der Bush-Regierung forcierte Verteidigungssystem gezeigt, es wird nicht ausgeschlossen, dass der Raketen-Schild noch gekippt wird, sobald Obama ins Weiße Haus eingezogen ist.

Auswärtiges Amt kritisiert Rede

Die Bundesregierung hat die Ankündigung Russlands zur Stationierung von Kurzstreckenraketen in seiner Ostsee-Enklave kritisiert. "Ich halte diese Ankündigung gerade am heutigen Tag für ein falsches Signal zum falschen Zeitpunkt", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Jens Plötner, am Mittwoch in Berlin - gerade in Anspielung auf das zeitliche Zusammentreffen mit der US-Präsidentenwahl. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) werde dieses Thema bei nächster Gelegenheit mit der russischen Seite besprechen.

Plötner bekräftigte die Position der Bundesregierung, dass im Streit zwischen Russland und der Nato über den geplanten US-Raketenschirm in Polen und Tschechien der Dialog gesucht werden sollte. Gegen eine gemeinsame Bedrohung - gemeint ist der internationale Terrorismus - sollte man sich "gemeinsam schützen".

Medwedew forderte zudem eine Verlängerung der Amtszeit des Präsidenten um zwei Jahre. Er begründete dies mit den "gewaltigen Herausforderungen, die vor Russland liegen". Gleichzeitig sprach sich der frühere Anwalt und Vertraute von Ex-Präsident Wladimir Putin für eine Verlängerung der Legislaturperiode der Duma um ein Jahr auf fünf Jahre auszuweiten. Russlands Präsident und Parlament benötigten eine starke Autorität, um die kommenden Aufgaben zu bewältigen, argumentierte Medwedew.

AFP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 27)
 
Chipmank (05.11.2008, 23:25 Uhr)
Selber nachschauen
Leute, nehmt euch am besten mal eine Weltkarte zur Hand.
So dann sucht mal Polen, hoffentlich findet ihr es auf der Karte.
So, danach sucht ihr nach den Schurken-Staaten ( laut definition der USA -> also Iran, Iraq Syrien ), denn vor den Schurkenstaaten sollten diese US Racketen ja den Westen schützen...so, wie gesagt schaut mal auf die Weltkarte ob die US Raketen in Polen was bringen...
Wer jetzt immernoch glaubt, die US will irgendwas schützen, dem ist nicht mehr zu helfen.
chaos1234 (05.11.2008, 18:04 Uhr)
Kaliningrad
oder, wie es wirklich heißt Koenigsberg. Da wollen die Russen also ein paar Raketen stationieren? Auf deutschem Boden, von dem nie wieder ein Krieg ausgehen soll? Die Russen sollten aufhören zu zündeln und die altehrwürdigen Stalinisten der ehemaligen SED sollten einfachs Maul halten sonst gibts was auf das selbige. Endlich mal wieder ein vernünftiges Feindbild - jawohl. Die russen finanzieren schließlich den Terrorismus und sind verantwortlich dafür das die welt am abgrund steht, sie haben die Finanzkrise heraufbeschworen und sie paktieren mit aliens. (verschwörungstheorien kann man auch andersrum anwenden).
rued (05.11.2008, 15:29 Uhr)
@Gisella
Na, das ist auch nicht ganz richtig.
Das Abwehrsystem soll ja dazu dienen Raketen z.B. aus dem Iran abzuwehren, allerdings kann man damit auch die Raketen der Russen abwehren und vermutlich auch die jeder anderen Nation.
@Bender.B.Rodriguez
Teilweise haben Sie da vielleicht recht, die Politik hat über Jahre Misstände einfach verschwiegen und auf die späteren Generationen abgeschoben. Dennoch hat die Politik die Grundsteine dafür gelegt das die deutsche Wirtschaft und Forschung in einigen Fällen sogar den Weltmarkt führt.
Vielleicht hätte man noch mehr aus diesem Geld machen können, aber ich finde wir haben hier bessere Verhältnisse als z.B. Frankreich und wenn ich sogar so weit gehe zu fragen was zahlreiche Länder in Afrika und Asien mit den Geldern gemacht haben die man ihnen gab, stosse ich bei näherer Betrachtung auf Millionen von Toten und einer ganzen Menge AK 47 Sturmgewehre. Das sind für mich Fälle von Versagerpolitik.
Gisella (05.11.2008, 15:27 Uhr)
@s.calvisius
ich denke auch, dass man auf keinen fall vom versagen deutschlands reden kann oder sollte. unsere generation hat ganz fleissig gearbeitet und versucht, unsere kinder auf den richtigen weg zu bringen-ob es geklappt hat-wer weiss es.ich denke, unsere politiker sind ein problem-und wir sollten dagegen was tun.
SethusCalvisius (05.11.2008, 15:23 Uhr)
Ist es eigentlich so schwer
muss die Überschrift natürlich heißen. Sorry.
SethusCalvisius (05.11.2008, 15:21 Uhr)
Ist es einfach so schwer
zu verstehen, dass sich da zwei Großmächte gegenüberstehen, von denen jede ihre eigenen Interessen verfolgt? Statt das mal ganz nüchtern zu sehen, wird hier immer mit Moral argumentiert. Dann ist entweder das, was die USA machen, im Interesse der Sicherheit notwendig, dagegen alles, was Russland macht, nur eine Agression gegenüber dem Westen oder eben umgekehrt. Dass die Russen, nachdem sie den "Kalten Krieg" quasi verloren haben und ein großer Teil ihrer ehemaligen Verbündeten heute der NATO angehört, nervös werden, wenn die USA ihnen einen Raketenschild vor die Nase setzen, ist ja wohl nachvollziehbar.
Übrigens: Die ganze Diskussion hier über Versager-Deutschland ist ja wohl hirnrissig.
Gisella (05.11.2008, 15:15 Uhr)
@rued
-So, war dann das Angebot der USA an Polen -ein Abwehrsystem gegen die Russen-zu installieren???? Verstehe ich das richtig??? Dann hätten sie ja wieder gelogen. Es war doch gegen die sogen. Schurkenstaaten gedacht. Der Iran könnte ja mal ne Rakete schicken.Ich bekomme richtig Mitleid mit den Polen und Tschechen.
Bender.B.Rodriguez (05.11.2008, 14:50 Uhr)
@rued
vollkommen richtig..
meine ausschweifungen zum versager-staat zielen hauptsächlich auf die wirtschaft und damit verflochtene politik... dass der einfache bürger sich schon immer selbst helfen musste und dies auch tat, das ist unbestritten..
die wirtschaft der heutigen republik baut jedoch zu 90% auf den überresten der nachkriegsalmosen auf..
Bender.B.Rodriguez (05.11.2008, 14:48 Uhr)
@ernst
lol.. das ist ja wohl der schlechteste scherz der letzten 1000 jahre..
"im gegensatz zur USA braucht Rusland kein anderes Land zu überfallen"
hahaha.. sehr witzig.. sag das mal den menschen in der mongolei, ukraine, finnland, lettland, estonia und und und .. (vielleicht nich afghanistan ??)
wer so dumm ist, sollte sich lieber zum eigenen schutz still verhalten
Gisella (05.11.2008, 14:16 Uhr)
@davehaasters
-und genau ist das das Problem, die Amis haben immer wieder in den Nachrichten betont, dass man keine "Angst" vor der EU haben müsste, da diese sich nicht einig sind. Stimmt doch-oder??? Die EU spricht nicht mit einer Stimme und einer Sprache,sondern alle Länder kochen ihr eigenes Süppchen.Und die "Neuaufnahmen" arbeiten dann auch noch gegen die EU.Super.
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