. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
23. August 2011, 06:30 Uhr

Gaddafi-Sohn tritt in Tripolis auf

Gaddafi-Sohn Saif al Islam taucht überraschend in Tripolis auf. Die Rebellen hatten seine Gefangennahme gemeldet. Alles Lüge, behauptet er. Auch sein Vater sei noch in der Stadt.

Auch mehr als 24 Stunden nach der weitgehenden Einnahme der libyschen Hauptstadt durch die Gegner von Muammar al-Gaddafi ist der Verbleib des bedrängten Machthabers weiter unklar. Dagegen erschien sein Sohn Saif al Islam Gaddafi in der Nacht zum Dienstag völlig überraschend vor einem vor allem von Journalisten bewohnten Hotel in Tripolis. Die Aufständischen hatten angegeben, den 39-Jährigen, der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht wird, am Sonntagabend gefangen genommen zu haben.

Saif al Islam Gaddafi sei auf freiem Fuß und in einem gepanzerten Fahrzeug vor dem Hotel Rixos vorgefahren, das in einem von Regierungstruppen kontrollierten Gebiet liegt, berichtete ein Korrespondent der britischen BBC aus Tripolis. Er habe bestritten, dass die Aufständischen den größten Teil der Hauptstadt unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Es habe sich um eine Falle gehandelt. "Wir haben den Rebellen das Rückgrat gebrochen", habe er während der kurzen Unterhaltung mit den Journalisten gesagt. Auf die Frage, ob sein Vater sich noch in Tripolis befinde und in Sicherheit sei, habe er achselzuckend "selbstverständlich" erwidert.

"Tripolis ist unter unserer Kontrolle", sagte der Gaddafi-Sohn laut CNN. Er habe angekündigt, eine Tour durch die Stadt unternehmen zu wollen, um zu zeigen, dass dies sicher sei.

Saif al Islam bestreitet Gefangennahme

Dem BBC-Bericht zufolge blieb bei dem kurzen Auftritt am Hotel unklar, ob Saif al Islam Gaddafi aus der Hand der Rebellen freigekommen sei oder sich überhaupt nicht in ihrer Gewalt befunden habe. Wie es weiter hieß, strahlte der regierungstreue Sender al Urubah in der Nacht jedoch eine kurze Erklärung des Gaddafi-Sohns aus, in der dieser bestritt, gefangen genommen worden zu sein.

Saif al Islam Gaddafi wird ebenso wie sein Vater und dessen Schwager, Geheimdienstchef Abdulah Senussi, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht. Chefankläger Luis Moreno-Ocampo hatte am Montag bereits mit Vertretern des libyschen Übergangsrates über eine mögliche Überstellung des 39-Jährigen nach Den Haag gesprochen.

Obama: "Es ist noch nicht vorbei"

Unterdessen gingen die Kämpfe rund um die Residenz Gaddafis in Tripolis auch in der Nacht weiter. Wie der arabische Nachrichtensender al Arabija unter Berufung auf Angaben der Rebellen berichtete, griff auch die Nato das Anwesen im Stadtteil Bab al Asisija an. Es seien schwere Explosionen zu hören gewesen.

"Es ist noch nicht vorbei", sagte US-Präsident Barack Obama am Montag in einer von den großen amerikanischen TV-Sendern ausgestrahlten Audio-Botschaft zur Lage in Libyen. Noch hätten die Rebellen den Machtkampf in Tripolis nicht endgültig gewonnen. "Doch so viel ist klar: Das Gaddafi-Regime ist am Ende und die Zukunft Libyens liegt in der Hand des Volkes", sagte er.

Zugleich warnte der US-Präsident vor Vergeltung und Gewalt: "Wahre Gerechtigkeit kommt nicht durch Vergeltungsmaßnahmen und Gewalt. Sie kommt durch Versöhnung und durch ein Libyen, das seinen Bürgern erlaubt, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen."

Rätselhafte Leichenfunde

Die Rebellen kontrollieren nach ihrem Einmarsch in der Nacht zum Montag nach eigenen Angaben nun bis zu 95 Prozent der libyschen Hauptstadt. Die Residenz des Diktators auf einem schwer gesicherten Militärgelände in Bab al Asisija ist aber weiter in der Hand der Regierungstruppen. Ein Bunkersystem unter der Anlage gilt als ein möglicher Aufenthaltsort Gaddafis. Anderen Spekulationen zufolge könnte sich der Diktator in Richtung algerische Grenze oder in seinen Heimatort Sirte abgesetzt haben, der ebenfalls noch von Regierungstruppen kontrolliert wird.

Wie der arabische Nachrichtensender al Dschasira in der Nacht zum Dienstag berichtete, fanden Rebellen zwei Leichen, bei denen es sich um die von Senussis und die von Chamis al Gaddafi, eines weiteren Sohnes des Diktators, handeln könnte. Eine Bestätigung dafür gab es aber nicht. Chamis al Gaddafi, der eine Eliteeinheit der Truppen seines Vaters im Kampf gegen die Rebellen kommandierte, wurde bereits mehrfach von den Aufständischen für tot erklärt. Das Regime hatte die Angaben jedes Mal zurückgewiesen.

Am Montag war Gaddafis ältestem Sohn Mohamed nach Berichten der Rebellen die Flucht gelungen. Er hatte sich den Angaben zufolge beim Einmarsch der Aufständischen am Sonntagabend ergeben und war unter Hausarrest gestellt worden. Später sei er mit Hilfe von Regierungstruppen entkommen, hieß es.

kng/DPA/Reuters
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Libyen vor dem Sturz von Gaddafi Die Ära eines Diktators geht zu Ende

Die Zeit Gaddafis läuft ab, die Rebellen bereiten sich auf die Machtübernahme vor. Doch noch gibt es Gefechte, noch ist der exzentrische Despot nicht gefasst. Die Aufständischen wollen ihn lebend. mehr...

+++ Liveticker zu Libyen +++ Rebellen erwarten Nato-Angriff auf Gaddafis Residenz

Wo versteckt sich Gaddafi? Das Pentagon glaubt, der Diktator hält sich im Land auf. Die Nato könnte in der Nacht Angriffe auf eine Gaddafi-Residenz fliegen. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. mehr...

Nach Gaddafi-Sturz Deutschland diskutiert Libyen-Einsatz

Noch ist Gaddafi nicht weg. Aber schon wird in Berlin über einen möglichen Libyen-Einsatz der Bundeswehr gestritten. Verteidigungsminister Thomas de Maizière verspricht eine "konstruktive Prüfung", falls es eine entsprechende UN-Anfrage gibt. Die Opposition hält das für überflüssig. Und auch Angela Merkel bremst. mehr...

Libyen nach Muammar al Gaddafi Alle Macht für alle?

Der Sieg der libyschen Rebellen ist kaum noch aufzuhalten. Auch aus Deutschland kommen die Glückwünsche. Doch wie wird Libyen ohne den Diktator aussehen? mehr...

Chronik - Aufstand in Libyen Der Kampf gegen Gaddafi

Rebellen und Regierungsanhänger kämpfen seit Mitte Februar in Libyen gegeneinander. Lange sieht es nach einem Patt aus - nun ist Gaddafi am Ende. Ein Rückblick. mehr...

Menschenrechtsverletzungen Human Rights Watch kritisiert libysche Rebellen

Sie kämpfen gegen das Unrechtsregime von Muammar al Gaddafi und überschreiten dabei offenbar selbst die Grenzen des Erlaubten: Libysche Rebellen sollen Plünderungen, Brandstiftungen und Gewalttaten gegen Zivilisten begangen haben. Die Aufständischen weisen die Vorwürfe zurück. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe