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Kölner Schriftsteller im Auftrag der Türkei festgenommen - Gabriel schaltet sich ein

Verhaftung während des Spanien-Urlaubs: Der Kölner Schriftsteller Dogan Akhanli ist auf Betreiben Ankaras in Spanien festgenommen worden. Die Bundesregierung ersucht Madrid, den deutschen Staatsbürger nicht in die Türkei auszuliefern.

Der türkischstämmige Kölner Schriftsteller ist auf Betreiben der Türkei in Spanien festgenommen worden. Aus dem Auswärtigen Amt verlautete, man habe die spanische Regierung ersucht, Akhanli nicht an die Türkei auszuliefern und am Auslieferungsverfahren beteiligt zu werden. Danach hat sich die deutsche Botschaft in Madrid auf Bitten von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) an die Regierung in Madrid gewandt. Akhanli lebt seit seiner Flucht aus der Türkei 1991 in Deutschland und hat ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. 

Was ihm vorgeworfen wird, war zunächst unklar. Sein Anwalt Ilias Uyar, der Festnahmeantrag sei aus der gekommen. Dies bestätigte auch die spanische Polizei. Der Schriftsteller werde in Kürze den Justizbehörden überstellt, sagte ein Sprecher spanischen Medien.

Anwalt Uyar sagte dem Kölner "Stadt-Anzeiger", bei der spanischen Polizei habe ein Dringlichkeitsvermerk der internationalen Polizeibehörde Interpol vorgelegen. Akhanli wurde demnach am Samstagmorgen im Urlaub in Granada in seinem dortigen Domizil festgenommen. In seinen Werken befasst sich der 1957 geborene Schriftsteller auch mit der Verfolgung der Armenier in der Türkei. Dem "Spiegel" zufolge werteten Sicherheitskreise die Festnahme als erneuten Affront der Türkei gegen

"Eindeutig politisch motiviert"

Der Grünen-Abgeordnete Volker Beck teilte mit, das türkische Vorgehen sei "eindeutig rechtsmissbräuchlich". SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat die Festnahme Akhanlis als "ungeheuerlichen Vorgang" verurteilt. "Das Verhalten von Präsident (Recep Tayyip) Erdogan trägt inzwischen paranoide Züge", sagte der SPD-Chef der "Bild am Sonntag". "Es muss mit aller Vehemenz darauf gedrungen werden, dass Herr Akhanli nicht in die Türkei ausgeliefert wird und stattdessen schnellstmöglich freigelassen wird."

"Wie weit wollen wir Erdogan in Europa noch kommen lassen?", fragte Linke-Chefin Katja Kipping auf Twitter. 

Die Schriftstellervereinigung PEN teilte mit, das Verfahren gegen Akhanli sei "eindeutig politisch motiviert". Vizepräsident Sascha Feuchert forderte die spanischen Behörden auf, den Autoren keinesfalls an die Türkei auszuliefern. 

Kein internationaler Haftbefehl

Akhanli war im Oktober 2011 in Abwesenheit von einem Gericht in der Türkei vom Vorwurf des Raubes und Totschlags freigesprochen worden, der Freispruch wurde aber wieder aufgehoben. Ihm wurde vorgeworfen, 1989 an einem Raubmord auf eine Wechselstube in Istanbul beteiligt gewesen zu sein. Er lebt seit seiner Flucht aus der Türkei im Jahr 1991 in Deutschland und ist deutscher Staatsbürger. 

2010 war er auf einem Flughafen in Istanbul festgenommen worden, als er in die Türkei einreisen wollte, um seinen todkranken Vater zu besuchen. Er wurde verhaftet und blieb in Untersuchungshaft, bis der Richter am ersten Verhandlungstag entschied, dass Akhanli das Gefängnis verlassen dürfe. Wenige Tage später kehrte er nach Deutschland zurück. 

Akhanli Anwalt zufolge lag bei eine sogenannte Red Notice gegen den Schriftsteller vor. Damit kann ein Land dazu auffordern, eine gesuchte Person ausfindig zu machen und vorläufig festzunehmen. Es handelt sich nicht um einen Suchauftrag im Namen von Interpol selbst und nicht um einen internationalen Haftbefehl. Laut Interpol entscheiden die Länder selbst, wie sie mit einer Red Notice umgehen. 

tib/DPA/AFP

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