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"Trump ist körpersprachlich nicht besonders talentiert"

Donald Trump fällt durch eine ungewöhnliche Körpersprache auf. Zuletzt wurde das beim skurrilen Handschlag mit Japans Premierminister deutlich. Körpersprache-Experte Stefan Verra verrät uns, was hinter dem Handshake-Phänomen steckt.

Shinzo Abe und Donald Trump

Ein Händedruck, über den sich die Welt amüsiert: der japanische Premierminister Shinzo Abe und US-Präsident Donald Trump

Donald Trump beherrscht die Schlagzeilen: mit seinem Dauerfeuer auf Twitter, mit seinem Regierungsstil per Dekret und seinen umstrittenen Entscheidungen. Aber er sorgt durch seine ungelenken Auftritte auch unfreiwillig für komische Momente und erntet weltweit Spott und Häme. Aktuell steht die außergewöhnliche Art des US-Präsidenten im Focus, Hände zu schütteln. Im Internet kursieren zahlreiche Memes, die sich darüber lustig machen.

Donald Trump hat eine ganz eigene Art, jemandem die Hand geben. Besonders auffallend war das zuletzt beim Treffen mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe. Was hat dieser skurrile Handschlag zu bedeuten?

Als Trump dem Premierminister die Hand reicht, macht er das zunächst mit einer offenen Handfläche. Das ist erst einmal ein schönes, einladendes Signal. Es bedeutet: "Ich überlasse Dir die Oberhand". Allerdings schnellt er mit seiner Hand auf sein Gegenüber zu, und macht die freundliche Geste damit gleich wieder zunichte.

Und wieso tätschelt er oft wie ein Großvater die Hand seines Gegenübers?

Der Opa oder die Oma machen so, weil wir im Alter oft nicht mehr genug Rezeptoren haben, um die Berührung zu spüren, also nehmen sie die zweite Hand hinzu. Bei Trump scheint es die Suche nach Körperkontakt zu sein. Er klopft ja auch häufig auf Schultern. Das sind Signale der Unsicherheit, die er mit Körperkontakt zu kompensieren versucht. Das bringt Trump in Schwierigkeiten. Einerseits drängt er sein Gegenüber mit seinen manchmal schnellen, unberechenbare Bewegungen weg von sich. Andererseits sucht er aber körperliche Nähe.

Shinzo Abe und Donald Trump

Ein Händedruck, über den sich die Welt amüsiert: der japanische Premierminister Shinzo Abe und US-Präsident Donald Trump

Die Reaktion des japanischen Ministerpräsidenten war ebenfalls sehr auffällig.

Das war das eigentlich Lustige an der ganzen Szene. Trump ist überfordert mit der Situation. Während er sich noch im Blitzlichtgewitter sonnt, muss Abe ihn offensichtlich erst darauf hinweisen, dass es diplomatische Gepflogenheit ist, sich die Hände zu schütteln. Dann zieht Trump Abe zu sich herüber, tätschelt ihm die Hand, rückt ihm näher. Kaum lockert Trump den Griff, dreht sich Abe weg und vergrößert sofort den Abstand. Dann schaut er zur Seite und sucht Blickkontakt mit jemand anderem. Das machen wir immer, wenn wir uns unsicher fühlen.

Auch den Kandidaten für den Supreme Court, Richter Neil Gorsuch, hat Trump bei der öffentlichen Vorstellung intensiv die Hand geschüttelt. Hier war das Zerren und Ziehen noch heftiger.

Das blitzartige Heranziehen der Hand und das Händetätscheln sind wieder die typischen Dominanzsignale. Das ist sehr archaisch. Hinzu kommt, dass Trump eben über wenig natürliche Dominanz verfügt. Gorsuch hält Abstand und kommt nicht auf Trump zu. Also bewegt sich wiederum Trump auf Gorsuch zu. Politiker wie Gerhard Schröder oder Barack Obama hatten das nicht nötig, weil sie über eine natürliche Dominanz verfügen.

Ganz anders lief der Handschlag mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau bei der Begrüßung im Weißen Haus. Was ist da passiert?

Trump ist körpersprachlich nicht besonders talentiert. Das erkennt man an seinen recht groben Bewegungsabläufen. Trudeau hingegen ist auf diesem Gebiet ziemlich begabt. Das ist der Unterschied zwischen den beiden. Menschen mit eleganten Bewegungen halten wir für intelligenter, wir schätzen sie als höher stehend ein. Das ist evolutionär bedingt. Trudeau geht auf Trump zu, legt seine linke Hand auf Trumps Oberarm und schüttelt ihm fest die Hand. Kein Getätschel, kein Gezerre - mit einem Augenzwinkern sagt Trudeau: "Ich bin Dir überlegen".


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