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"Ein historisches und kriminelles Vergehen gegen den Planeten"

Einer gegen fast 200 Länder: US-Präsident Donald Trump hat den Ausstieg aus dem historischen Pariser Klimaschutzabkommen angekündigt. Von der deutschen und internationalen Presse erntet er massive Kritik - aber auch Verständnis.

Mit dem angekündigten Ausstieg der Vereinigten Saaten aus dem historischen Pariser Abkommen hat US-Präsident der internationalen Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel einen schweren Schlag versetzt. Seine Absage an die Vereinbarung von 195 Staaten zur Reduzierung der Treibhausgase ist ein zentrales Kommentarthema der deutschen und internationalen Medien:

DEUTSCHLAND

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"Donald Trump erzählt puren Schwachsinn. Die Chinesen haben den Klimawandel nicht erfunden, um der amerikanischen Wirtschaft zu schaden. Die Erde erwärmt sich, größtenteils menschengemacht. Trotzdem muss es nicht verkehrt sein, über die Reaktion einmal nachzudenken. Erstens hat der insofern recht, als die Belastung seiner Wirtschaft durch das Pariser Klimaabkommen größer ist als für andere Länder, denen Ausnahmen gewährt werden. Dies nachverhandeln zu wollen, ist in Teilen verständlich. Auch die riesigen Beträge, die in den Klimaschutz gesteckt werden, dürfen hinterfragt werden. (...) Was ist Wissenschaft, was auch Glaube? Klimaschutz ist kein Fehler. In eine von Endzeitängsten getriebene Ersatzreligion sollte er aber auch nicht ausarten."

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"Der von Präsident Donald Trump am Donnerstagabend bekannt gegebene Rückzug der aus dem Pariser Klimaabkommen hat keine unmittelbaren Auswirkungen. Weder steigt dadurch das Volumen der Treibhausgase, das Amerika als zweitgrößter Emittent der Welt in die Luft bläst. Noch ist damit eine Kehrtwende in der Klimagesetzgebung verbunden. Besser wird es allerdings auch nicht."

"Schwäbische Zeitung"

Die USA treten aus dem Pariser Klimaabkommen aus. US-Präsident Donald Trump erfüllt ein Wahlversprechen, das für die gesamte Welt ein falsches Signal aussendet. Der menschgemachte Klimawandel ist nämlich keineswegs eine Erfindung der Chinesen, wie Trump im Wahlkampf behauptet hatte. Er ist real. Und er ist gefährlich. Trump ist das egal. Mit seiner jetzigen Entscheidung betreibt Donald Trump kurzfristige Machtpolitik, er ignoriert wissenschaftliche Erkenntnisse. Es geht ihm alleine darum, seinen Anhänger neues Futter zu liefern - wenn es zu Hause schon nicht so toll läuft. "America First, World Second", könnte sein Slogan sein. Doch damit könnte er sich vergaloppieren. Wer sich bei Zukunftsthemen mutwillig ins Abseits stellt, schadet seinem Land. Wichtig wird sein, dass Europa gemeinsam mit den großen asiatischen Staaten weitermacht und dass der technologische Fortschritt bei sauberen Energien genutzt wird.

"Frankfurter Rundschau"

"Anders als Trump haben die Chinesen akzeptiert, dass der Klimawandel eine Tatsache ist. Und anders als er haben sie erkannt, dass Klimaschutz auch riesige ökonomische Chancen bietet. China ist heute nicht nur der weltgrößte Markt für Ökostromanlagen und Elektroautos, sondern spielt auch bei der Produktion ganz vorn mit. Der US-Präsident glaubt, dass sein Land wieder groß werde, wenn es nur genügend Kohle und Öl verfeuere. Das Gegenteil ist der Fall: Trump leitet US-Wirtschaftskrisen von morgen ein. Die Geschäfte werden die Europäer und Asiaten machen."

"Süddeutsche Zeitung"

"Die beiden verbliebenen Stützen der Klima-Allianz (Europa und China, die Red.) lauern schon auf die zusätzlichen Milliarden, die sich ohne amerikanische Konkurrenz mit erneuerbaren Energien oder Technologien zur Energieeffizienz verdienen lassen werden. Eines sollte nur nicht vergessen werden: China ist und bleibt ein schwieriger Partner, aus vielerlei Gründen. Die Europäer wären deshalb gut beraten, Distanz zu wahren - und an den Tag zu denken, an dem die USA hoffentlich ins Reich der Vernunft zurückkehren."

INTERNATIONAL

"Washington Post" (USA)

"Mit seiner rückwärts gewandten Politik und seinen ermüdenden Eskapaden scheint Präsident Trump sein Bestes geben zu wollen, um zu schaffen, was unmöglich sein sollte: die US-Präsidentschaft unbedeutend für den Fortschritt der Welt zu machen. Der Klimawandel ist ein Beispiel."

"Le Parisien" (Frankreich)

"Trump leidet an nationalistischen Reizen, das weiß man. Er zeigt alle Symptome: diplomatische Brutalität, Aggressivität beim Handel, Verachtung der internationalen Meinung (und unterschriebener Vereinbarungen), und vor allem diese Vermessenheit zu glauben, dass die Vereinigten Staaten allein auf der Welt sind. Oder dass sie niemanden brauchen, um ihre Herrschaft zu sichern. 

Der Planet krepiert langsam an Erstickung, aber Trump zieht sich aus dem Pariser Klimaabkommen zurück, das von 147 Ländern ratifiziert wurde, darunter die Vereinigten Staaten selbst. Er bestätigt damit erneut, dass er komplett auf das Konzert pfeift, das die Nationen versuchen, zusammen zu spielen. Er bekräftigt seinen Willen zum Isolationismus: America first! Die Entscheidung Trumps ist viel mehr als eine enorme Enttäuschung, viel mehr als eine schlechte Neuigkeit (auch für die Amerikaner). Es ist ein historisches und kriminelles Vergehen gegen den Planeten."

Das Pariser Klima-Abkommen
Ziel

Die Erderwärmung soll auf klar unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden. Die Vertragsstaaten sollten sich aber anstrengen, sie bei 1,5 Grad zu stoppen.

Wege zum Ziel

Die Staaten wollen den Netto-Ausstoß ihrer Treibhausgase in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf Null bringen. Sie dürfen dann nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen, wie etwa mit Waldanpflanzungen aus der Atmosphäre gezogen wird. Dafür müsste die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas von 2050 bis 2070 enden.

Geld

Von 2020 bis 2025 sollen die Industriestaaten jährlich 100 Milliarden Dollar (ca. 90 Milliarden Euro) für Entwicklungsländer bereitstellen. Für die Jahre danach soll es ein neues, höheres Ziel geben. 

Verluste und Schäden

Die Vertragsstaaten erkennen die Notwendigkeit an, ärmeren Staaten bei Verlusten und Schäden durch den Klimawandel zu helfen. Es soll ein Versicherungssystem aufgebaut werden.

Verbindlichkeit

Entscheidende Teile der Vereinbarung sind völkerrechtlich verbindlich. Es gibt jedoch keine Strafen bei Nichterfüllung der Zusagen.

USA

Nach China sind die USA der zweitgrößte Klimasünder. Trump wendet sich von der Klimapolitik seines Vorgängers ab. Bereits im März hob er Vorschriften zum Klimaschutz auf. Er will den "Clean Power Plan" zum Abbau der Treibhausgase bis 2030 um 32 Prozent gegenüber 2005 überarbeiten lassen.

"The Times" (England)

"Donald Trump hatte mit der Behauptung Wahlkampf betrieben, der Klimawandel sei eine Falschmeldung, die China fabriziert habe, um den USA einen Wettbewerbsnachteil aufzudrängen, indem Umweltgruppen ermutigt werden, unhaltbare Subventionen für saubere Energien zu fordern. (...) Man mag über das Ausmaß debattieren, in dem die globalen Durchschnittstemperaturen in unserem Zeitalter als Folge der von Menschen verursachten Schadstoffemissionen ansteigen. Doch die langfristigen Vorteile eines Wandels von fossilen Brennstoffen zu sauberer Energie für alle Volkswirtschaften sind eindeutig."

"Tages-Anzeiger" (Schweiz)

"Vermutlich wird die klimafeindliche Politik Trumps durch die nachhaltige Strategie vieler (US-)Bundesstaaten aufgewogen. Das heißt: In den USA werden in den nächsten Jahren die Emissionen nicht sinken, sondern stabil bleiben. (...) Bedeutsamer ist aber, dass vor allem China und Indien, die neben den USA zu den größten CO2-Produzenten der Welt gehören, den eingeschlagenen Weg ins postfossile Zeitalter weiterhin beibehalten."

"Der Standard" (Österreich)

"Die EU-Partner müssen sich, wie Kommissionschef Jean-Claude Juncker das am Beispiel des Pariser Abkommens verdeutlichte, der Komplexität der Themen angemessen verhalten. Das bedeutet konkret: sich zur Umsetzung etwa der Klimaziele an Washington vorbei Partner suchen, in China (das sich schon angeboten hat), aber auch in US-Bundesstaaten wie Kalifornien oder New York. Das gilt auch in Handelsfragen, bei der Energiepolitik. So könnten die Europäer vom Konflikt am Ende sogar profitieren. Es eröffnet sich ihnen auf der Weltbühne eine neue Chance, je lauter der US-Präsident 'America first!' brüllt und sein Land zum Protektionismus antreibt. "

"La Vanguardia" (Spanien)

"Trump hat den Weg gewählt, der am wenigsten abrupt ist, um den internationalen Kampf gegen den Klimawandel zu verlassen. Tatsächlich sieht das Pariser Abkommen von 2015 vor, dass die Länder den unterschriebenen Pakt erst drei Jahre nach dem Inkrafttreten kündigen können. (...) Es ist Teil von Obamas Erbe, was jetzt diese Situation provoziert hat (...). Trump hat die Tür zugeschlagen, aber sie lässt sich nicht ganz schließen. Für den Moment...."

"Jyllands-Posten" (Dänemark)

"Präsident Trump glaubt, dass er in der Lage sein wird, ein Klimaabkommen neu zu verhandeln, hinter dem 190 Länder stehen, was man im besten Fall als einen naiven Zugang zur globalen Diplomatie verstehen kann, im schlimmsten Fall aber als Ausdruck eines grundlegenden Mangels an Respekt für die Hunderttausenden, wenn nicht Millionen von Arbeitsstunden, die Politiker, Diplomaten, Wissenschaftler und andere in das Klimaschutzabkommen gesteckt haben, das in Paris erzielt wurde. (...) Niemand sollte Präsident Trump anklagen, dass er "Amerika zuerst" setzt, aber ebenso legitim ist es, dass Amerikas engste Freunde, zu denen Dänemark gehört, alles tun, um zu verhindern, dass die Trump-Ära in ein "Amerika zuletzt" ausartet."

mad/DPA/AFP

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