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Muslima im Weißem Haus: Nach acht Tagen Trump hatte sie genug

Sechs Jahre lang war Rumana Ahmed die einzige Frau mit Kopftuch im West Wing des Weißen Hauses. Unter Barack Obama erfüllte ihr Job sie mit Stolz. Unter Donald Trump hielt sie es gerade mal acht Tage aus. 

Rumana Ahmed hat es unter Donald Trump nur acht tage lang im Weißen haus ausgehalten

Rumana Ahmed hat es unter Donald Trump nur acht tage lang im Weißen haus ausgehalten

Seit 2011 arbeitete Rumana Ahmed im Weißen Haus. Im Westflügel des Regierungssitzes, dem Teil des Weißen Hauses, in dem die Präsidentenbüros sind, war sie die einzige Mitarbeiterin im Kopftuch. Zunächst arbeitete sie für das Office of Public Engagement, später dann für den stellvertretenden Berater für nationale Sicherheit und strategische Kommunikation, Ben Rhodes. Ein Job, der sie mit Stolz erfüllte. Doch am 20. Januar 2017 änderte sich für Ahmed alles. An diesem Tag zog Donald Trump ins Weiße Haus ein.

In einem Beitrag für das Magazin "The Atlantic" berichtet sie nun über ihre Erfahrungen unter dem neuen US-Präsidenten. An ihrem ersten Arbeitstag nach seiner Amtseinführung habe sie das Weiße Haus nicht mehr wiedererkannt. Die neuen Mitarbeiter seien ihr kalt und überrascht begegnet. Die einstige Vielfalt der Belegschaft sei einer männlichen Eintönigkeit gewichen, schreibt sie.  

Frustration und Misstrauen im Weißen Haus

"Die Tage, die ich in Trumps Weißem Haus verbracht habe, waren seltsam, entsetzlich und verstörend", so Ahmed. Selbst ein Kollege, der seit der Reagan-Regierung im Weißen Haus arbeitet, berichtete ihr, dass er sowas noch nie erlebt hätte. Es sei das reinste Chaos gewesen: rechtlich fragwürdige Dekrete, Fake-Anschuldigungen an die Presse, unzählige Lügen und 'alternative Fakten'. 

"Die Entscheidungen wurden nun von einigen wenigen Personen im West Wing getroffen", berichtet sie weiter. Unter den Mitarbeitern hätten sich Frustration und Misstrauen verbreitet. Die Zusammenarbeit mit anderen Behörden sei unterwandert worden. "Es gab keine Struktur oder klare Führung. Die Flure waren gespenstisch ruhig, während Schlüsselpositionen und verantwortliche Posten für Nationale Sicherheit oder Kommunikation unbesetzt blieben."

Trumps Einreiseverbot gibt den Ausschlag

Trotzdem habe sie zunächst bleiben wollen, um Trump und seiner Regierung einen "nuancierteren Blick auf den Islam" zu geben. Doch das Dekret vom 30. Januar, das Menschen aus sieben muslimischen Ländern die Einreise in die USA verbieten sollte, sei für sie zu viel gewesen. Ahmed entschied sich zu gehen. "Wenn man die nationale Sicherheit in die Hände von Leuten legt, die denken, dass Amerikas Vielfalt eine 'Schwäche' ist, ist das gefährlich. Es ist falsch", so die junge Frau.

"Da wusste ich, dass ich nicht mehr für eine Regierung arbeiten konnte, die mich und meinesgleichen nicht als Mitbürger betrachtete, sondern als Bedrohung." Das Gegenteil sei der Fall: "Amerikanische Vielfalt ist eine Stärke, so wie die Hingabe für Gerechtigkeit und Gleichheit", so Ahmed, deren Eltern einst als Migranten aus Bangladesch in die USA kamen.


ivi
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