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Weiblich, schwarz, Journalistin - im Fadenkreuz der Trump-Jünger

Der Hass, den Donald Trump sät, beginnt Früchte zu tragen: Eine schwarze US-Journalistin hat den Präsidentschaftskandidaten kritisiert und bekommt es mit seinen Anhängern zu tun: Selbst vor KZ-Vergleichen scheuen die nicht mehr zurück.

Von Niels Kruse

Donald Trump Gewehr

Zumindest verbal immer die Hand am Abzug: Donald Trump bei einer Wahlkampfrede

Wer hat Angst vor Donald Trump? Zunächst waren da nur zwei Handvoll konservativer Elitepolitiker. Gar nicht immer inhaltlich, sondern weil der aufschneiderische Emporkömmling dabei war, ihnen die einzige Hoffnung zu nehmen, einmal US-Präsident zu werden - Luxusprobleme einiger Washingtoner Altvorderen. Der große Rest des Volkes aber betrachtete die Kandidatur eher belustigt. Trump - ein schlechter Scherz, der von der eigenen heißen Luft hinfort geweht werden würde. Doch je mehr Vorwahlen der Milliardär gewinnt, desto häufiger malen sich auch bislang gelassene Amerikaner aus, wie der dünnhäutige Geschäftsmann demnächst von Weißen Haus aus gegen Schwarze, Frauen und Ausländer hetzen könnte.


Wehe, Du wagst es, Donald Trump zu kritisieren

Die Politik-Journalistin Julia Craven von der Trump-kritischen "Huffington Post" hat nach der Abstimmung in Nevada ihr schweres Herz auf Twitter ausgeschüttet - und bekam die volle Wucht des amerikanischen Wutbürgers zu spüren. "'Geh zurück nach Afrika' war noch die höflichste Bemerkung", schreibt sie in ihrer Geschichte über die Reaktionen auf ihre Trump-Tweets. Dabei äußert sie sich nicht einmal besonders harsch gegenüber der Trump-Anhängerschaft, sondern eher nachdenklich. Was ihr sicher nicht hilft: Craven ist weiblich, schwarz und Journalistin - eine Mischung, die in der Welt des Donald Trump gleich ein dreifaches Übel ist.


"Es macht mir Angst. Besonders wenn ich an die Hassmails denke, die darauf hinweisen, wie Trump mit schwarzen Menschen umgehen wird." Oder: "Weiße haben Angst um ihre Privilegien, und Trump spricht ihnen aus der Seele. Das ist kein Witz, das ist kein Spaß." Und, etwas verärgerter: "Trumps Unterstützer sind Fans der Sklaverei, wollen Mexikaner rauswerfen und Muslime verfolgen. Das sollte uns alle ängstigen." Was folgte, ist mit Empörung noch milde umschrieben. Hunderte von Antwort-Tweets strömten in nicht einmal einen Tag auf der Timeline der Reporterin ein. Die harmloseren wiesen darauf hin, dass Donald Trump durchaus Anhänger bei Frauen und Schwarzen habe. Die etwas aufgebrachtere Fraktion wollte von den rassistischen Ausfällen ihres Idols nichts wissen, sondern fürchtet einen "Linksruck" in den USA, der die Menschen um ihren wohlverdienten (Lebens-)Lohn bringen wolle. Und dann waren da noch Rechten und Nazis

  • "Du mit deinen falschen Tränen. Verpiss Dich fetter weißenhassender Orang-Utan"
  • "Bleiben wir fair: Trump wird dir die Wahl lassen zwischen Sklaverei und Deportation"
  • "Afrika ist ein schönes Land. Immobilien sind günstig und die Sonne scheint den ganzen Tag"
  • "Wir haben dir und Deinesgleichen schon einen Platz gesichert"
  • "Ich glaube, Du passt gar nicht in den Ofen"




Den Hass nehmen sie billigend in Kauf

Die Reaktionen auf vergleichsweise harmlose Kritik an der Person Donald Trump sind auch das Ergebnis des verwahrlosten Sounds, mit dem der Immobilienmogul diesen Wahlkampf überzieht. Da bezeichnet Trump Mexikaner als Vergewaltiger, möchte keinen einzigen Muslim mehr ins Land lassen und unterstellt missliebigen Kritikerinnen Menstruationsprobleme. Vielen seiner republikanischen Parteigenossen gehen die Ausfälle zu weit, lange scheuten sie sich, dem Schmuddelkind ihre Aufwartung zu machen. Doch sein Erfolg weicht die Gegnerfront langsam auf: Mit Chris Collins hat sich der erste Kongressabgeordnete offen zu dem Kandidaten bekannt. Auch er hat offenbar nichts gegen den "Hässlichkeit", die Trumps Wahlkampf in den Menschen weckt, wie Julia Craven resigniert bemerkt.  

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