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Donald Trump vs. Nordkorea - ein Konflikt der schon sein vielen Jahren gärt

Der Konflikt mit Nordkorea spitzt sich immer weiter zu, verbal dürfte der Höhepunkt erreicht sein. Auch wenn das Problem in Pjöngjang sitzt, der Blick auf Donald Trumps Jahre alten Tweets verrät, wie es soweit konnte.

Donald Trump Presse Nordkorea

Donald Trump bei einem Sicherheitsbriefing in seinem Golf Club in New Jersey

Mit Donald Trump, dem Präsidenten "bar jeder Vernunft", sei kein "vernünftiger Dialog" möglich. Bei ihm helfe nur "absolute Stärke" - so heißt es aus Nordkorea. "Sicher, wir denken immer über Verhandlungen nach. Aber sie haben jetzt 25 Jahre lang verhandelt." Seine Botschaft sei "vielleicht nicht hart genug" gewesen - so hieß es noch am Donnerstag aus dem Weißen Haus. Und am Freitag legte der US-Präsident per Twitter nach: "Militärische Lösungen sind vorbereitet, geladen und entsichert, sollte Nordkorea unklug handeln." Die verbale Gewaltspirale im ewigen Atomstreit mit Pjöngjang hat wohl endgültig seinen Höhepunkt erreicht.

Am Valentinstag 2005 erschien der "Spiegel" mit dem legendären "Der Irre mit der Bombe"-Titel. Darauf zu sehen: der damalige nordkoreanische Diktator Kim Jong Il vor Atomraketen. Nur wenige Tage zuvor hatte das stalinistische Regime behauptet, einsatzfähige Kernwaffen zu besitzen. Der alte "Irre" ist zwar schon lange tot, doch der Nuklear-Streit zwischen dem isolierten Hungerreich und dem Rest der Welt lebt. Zuverlässig alle paar Jahre glimmt er wieder auf, auch dank Diktatoren-Sohn und Nachfolger Kim Jong Un, der noch lieber zündelt als sein Vater. Nicht zum ersten Mal drohte er mit der Bombe, aber diesmal nannte Kim sogar ein Ziel: Die Insel Guam, ein militärisch wichtiger Stützpunkt der Amerikaner im Pazifik.

2013 stieg Donald Trump in die große Politik ein

Nur ein Jahr nach seiner Machtübernahme im Jahr 2011 hatte der jüngste Kim sein Land per Verfassungsänderung zur Atommacht erklärt - es folgten zwei Kernwaffen- und diverse Raketentests. Es folgten Sanktionen, doch alle Bemühungen, die nuklearen Ambitionen einzudämmen, scheiterten. 2013, nachdem der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen unter anderen Reiseverbote und Kontosperren verhängt hatte, drohte die Führung in Pjöngjang erstmal mit einem Präventivschlag gegen die USA. Da war auch für den damaligen Superpromi Donald Trump die Zeit gekommen, sich in die große Politik einzuschalten.

Zehn Tweets setzte zwischen Anfang März und Mitte April zu dem Thema ab. Begonnen hatte er mit der unvermeidlichen Kosten-Nutzen-Rechnung: "Was bezahlt Südkorea für unseren Schutz vor dem Norden? Nichts!", schrieb Trump am 9. März. Drei Wochen später dann nahm sich der jetzige US-Präsident den seiner Ansicht nach wahren Schuldigen des Dilemmas vor: China. Das Land, engster und einziger Verbündeter Nordkoreas, könne das "Problem ganz einfach lösen, wenn es wollte." Aber China habe keinen Respekt vor unserer Führung, so Trump am 30. März. Am selben Tag wiederholte er in anderen Worten noch einmal seinen Tweet von Anfang, drei Tage später seine Einlassung vom Ende des Monats. Am 5. April verstieg er sich in die Behauptung, China könne das Problem Nordkorea mit nun einem Anruf lösen.


So einfach ist das natürlich nicht. Sicher stimmt es, dass mit seinen Rohstoff- und Lebensmittellieferungen nach Nordkorea den größten Einfluss auf die Diktatur hat. Doch die Regierung in Peking hat wenig bis gar kein Interesse daran, den Nachbarn zu destabilisieren. Zum einen möchte sie gerne Nordkorea als Art Puffer zwischen sich und dem US-beeinflussten Südkorea behalten. Zum anderen aber, und das dürfte schwerer wiegen: Sollte das System in Nordkorea aus den Fugen geraten, droht eine Flüchtlingskatastrophe nie gekannten Ausmaßes. Abermillionen von bettelarmen Nordkoreanern könnten dann nach China abwandern, schätzen Experten. Die Implosion des Nachbarn würde selbst einen Riesenstaat wie China überfordern.

China jedenfalls war auch nach Trumps Wahl zum Präsidenten Ziel seiner Attacken. Bis er den Präsidenten Xi Jinping persönlich traf. Danach hatte Trump nur noch wohlmeinende Worte für das Staatsoberhaupt aus dem fernen Osten übrig. "Nordkorea ignoriert die Wünsche Chinas und seines hochangesehenen Präsidenten, in dem es eine Rakete, obwohl erfolglos, getestet hat. Übel", so Trump Ende April. Und Ende Juni: "Ich schätze die Versuche des chinesischen Präsidenten Xi sehr, beim Thema Nordkorea zu helfen, auch wenn es nicht funktioniert hat. Aber zumindest hat es China probiert." Zwischendurch hatte der immer wieder klargestellt, dass er gewillt sei, das Problem Nordkoreas auch ohne die Unterstützung Chinas anzugehen. Das scheint nun tatsächlich der Fall zu sein. Die "Eskalation der Sprache", wie Kanzlerin Angela Merkel die sich zuspitzende Situation nennt, hat nicht erst vor wenigen Wochen begonnen.


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