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Die Trump-Versteherin - 28-Jährige ist offiziell neue Kommunikationschefin des Präsidenten

Hope Hicks ist nun offiziell Donald Trumps Kommunikationschefin. Die 28-Jährige arbeitete bereits im Wahlkampf für den US-Präsidenten. Allerdings ist sie meist hinter den Kulissen tätig.

Von Niels Kruse

Bislang waren die Menschen, die sich im Stab von US-Präsident Donald Trump um Öffentlichkeitsarbeit kümmern, selbst recht medienwirksam. Das gilt für den bissigen Ex-Pressesprecher Sean Spicer ebenso wie für den schillernden Ex-Kommunikationschef Anthony Scaramucci, der nach nur zehn Tagen seinen Job wieder losgeworden war. Letzteren beerbt nun Trumps langjährige Vertraute Hope Hicks. Mit der Personalie schlägt Trump quasi einen neuen Weg ein, denn die 28-Jährige arbeitet eher hinter den Kulissen. Während Pressesprecherin Sarah Sanders Briefings und Pressekonferenzen gibt, soll Hicks als Kommunikationschefin eine einheitliche Botschaft aus dem Weißen Haus orchestrieren. Die 28-Jährige ist eine langjährige Vertraute des Präsidenten und war im Wahlkampf 2016 bereits als Sprecherin für ihn tätig.

Aus dieser Zeit stammt auch das unten stehende Porträt, das erstmals am 7. Juli 2016 veröffentlicht wurde: 

Hätte sich ein Hollywood-Autor diese Geschichte über eine junge Frau namens Hope ausgedacht, die hervorragend Lacrosse spielt, schwimmt, rudert, blendend aussieht und dazu noch klug und diensteifrig ist, sein Drehbuch wäre ihm als völlig unrealistisch um die Ohren gehauen worden. Und doch gibt es sie, diese Hope aus Connecticut, die hervorragend Lacrosse spielt, schwimmt, rudert, belendend aussieht und dazu noch klug und diensteifrig ist. Und vielleicht wird ihre Geschichte auch irgendwann einmal verfilmt: All-American-Girl ohne nennenswerte Kenntnisse wird über Nacht zum Anrufbeantworter, Türsteher und Seelenverwandten eines US-Präsidentschaftskandidaten mit Milliardärshintergrund. Happy End ungewiss.

Donald Trump fragte sie erst gar nicht groß

Der Mann, dem sich Hope Hicks angeschlossen hat, heißt , ist gerade eben 70 Jahre alt geworden und schmückt sich schon Zeit seines Lebens mit jungen und schönen Frauen. Hope Hicks ist beides: 27 Jahre und früher einmal Model gewesen. Ende 2014 geriet sie über Ivanka, Tochter des Republikaners, ins Trump-Universum. Nur wenige Monate später bat sie der damalige Noch-Nicht-Kandidat in sein Büro und bot ihr an, seine Pressechefin zu werden. Das heißt, so erzählt es ihre Mutter, er hat sie einfach dazu bestimmt. "Das ist dein neuer Job", soll er gesagt haben. Seitdem kümmert sich Hope Hicks offiziell um Journalisten, die irgendwie irgendwas zu oder über den Präsidentschaftskandidaten berichten wollen. Meistens allerdings kümmert sie sich nicht um Journalisten, die irgendwie irgendwas berichten wollen.

(Trump und Hicks beim Besuch von Trumps Golfplatz in )

Bis zu 250 Medienanfragen sollen täglich bei ihr eintrudeln, berichtet die US-Ausgabe der "GQ", und Hope Hicks entscheidet mehr oder weniger alleine darüber, wer zu Trump vorgelassen wird, wer Auskünfte bekommt und wer überhaupt von seinen öffentlichen Veranstaltungen berichten darf. Generell gilt die Losung: Dabei ist, wer nett zu ihm ist. Wer nicht nett zu ihm ist, landet auf der schwarzen Liste und wird von den ohnehin spärlich fließenden Informationen abgeklemmt. Zumindest eine Zeit lang. Donald Trump macht sich die Welt am liebsten wie sie ihm gefällt und Hope Hicks räumt ihm willig die Steine aus dem Weg. Beziehungsweise legt sie anderen in den Weg.

Eine Sprecherin, die nicht spricht

Schon fast berüchtigt ist ihre Angewohneheit, Reporteranfragen jedweder Art einfach links liegen zu lassen. Mittlerweile gibt es auf Trumps Lieblingskanal Twitter einen Scherzaccount mit den Namen "HicksNoComment" in dessen Profil es heißt: "Schreib mir an HopeHicksDidNotRespond@gmail.com und ich werde dich ignorieren".


Eine Pressesprecherin, die nicht mit der Presse spricht, passt irgendwie zu Donald Trump. Dessen Verhältnis zu den Medien ähnelt dem eines Crack-Junkies zu seinem Stoff: Ohne geht gar nicht, mit aber auch nicht. scheint das kalt zu lassen. Ungerührt spielt sie ihre Rolle als Zerberos: Beschimpft missliebige Publikationen ganz im trumpschen Duktus als "dishonest media" (also in etwa "Lügenpresse") oder macht die Ausputzerin, wenn sich ihr Chef, wie so oft, mal wieder in nur wenigen Stunden gleich mehrmals selbst widerspricht. Und: Sie twittert in seinem Namen. Was dann gerne einmal so aussieht:

(Die Antwort auf die Frage, wer für Clintons Air-Force-one-Flug bezahlt ist einfach: sie selbst)

Hope Hicks spricht nicht nur wenig mit anderen, sie sagt noch weniger über sich selbst. Die "GQ"-Journalistin Olivia Nuzzi beschreibt, wie sie Hicks einst um ein Porträt anfragte und dazu in Trumps Büro eingeladen wurde. Dort saß die Reporterin dann und fragte ihn über sie aus - in Hicks' Gegenwart.

(Hope Hicks als Buchcovergirl)

Krisen-PR liegt in der Familie

Die "New York Times" sagte über die 27-Jährige, sie sei die am wenigsten geeignete Pressesprecherin in der jüngeren Geschichte der Präsidentschaftswahlkämpfe. Harte Worte. Dabei scheint diese Tätigkeit in der Familie zu liegen, die offenbar gerne dorthin geht, wo es weh tut: Großvater Paul Hicks zum Beispiel hatte die undankbare Aufgabe, als PR-Mann die Mineralölkette Texaco während der Ölkrise in den 70er-Jahren ins rechte Licht zu rücken. Dessen Sohn Paul B. Hicks machte Krisenberatung zu seinem Beruf und stand gleich diversen Firmen aus der Öl- und Tabakbranche zur Seite. Da ist es nur folgerichtig, dass sich Tochter Hope nun um Donald Trump kümmert. 

Bis sie Ende 2014 in den Trump-Tower zog, deutete wenig auf ihre künftige Karriere als Präsidentschaftskandidaten-Betreuerin hin. Sie wächst im edlen Greenwich, auf, im Speckgürtel von New York. Macht ihren Schulabschluss, modelt schon als Teenager, studiert in Dallas und landet dann im Sommer vor zwei Jahren als PR-Mitarbeiterin im Umfeld der Milliardärsfamilie. Irgendwann wollte sie auch mal Schauspielerin werden. Jetzt ist sie Teil der großen Donald-Trump-Show, aber niemand weiß genau, warum. "Ihre eigentliche Rolle ist es, engen Kontakt zum Kandidaten zu haben", sagt Trumps ehemaliger Berater Paul Manafort, "sie versteht ihn einfach." Das Leben als Trump-Versteherin scheint so verlockend aber auch zehrend zu sein, dass sie sich vor einiger Zeit nach sechs Jahren von ihrem Freund trennte.

Und dann, Ms. Hicks?

Wohin das alles führen wird, ist allerdings noch nicht absehbar. Familie und Freunde scheinen eher besorgt über ihre Zukunft zu sein. Ihre engen Bande zu dem umstrittenen Milliardär könnten an ihr kleben bleiben, so dass sie für alle Zeiten und für alle anderen Jobs verbrannt ist, so ein Vertrauter in der "Washington Post". Und die Umfragen sehen zurzeit noch keinen US-Präsidenten Donald Trump. Sollte er dennoch ins Weiße Haus einziehen, dann kann Hope Hicks sicher mit einem Job in seiner Mannschaft rechnen: "Oh, ja, aber sicher", sagt Donald, der Hope-Hicks-Versteher.

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