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Trumps Newsletter - mit Fake News gegen kritische Medien

Seit Juni gibt das Weiße Haus einen Newsletter heraus, um den angeblichen Fake News zu trotzen, die gegen Donald Trump zielen. Das Problem: Die Quellen sind meist rechte oder rechtsextreme Medien, die selbst Fake News verbreiten.

Donald Trump Fake News

Eigener Newsletter: US-Präsident Donald Trump will seine Sicht der Dinge verbreiten

Die altehrwürdige New York Times führt immer noch eine Liste, in der sie Trumps Lügen aufzählt. Wer daran zweifelt, dem sei sie zum Studium empfohlen - der US-Präsident ist ein notorischer Lügner, so viel ist sicher. Trump log schon im Wahlkampf, als er zum Beispiel das Gerücht weiterverbreitete, Barack Obama sei kein Amerikaner, sondern in Kenia geboren - eine damals beliebte Verschwörungstheorie. Und Trump lügt bis zum heutigen Tag, auch wenn man fairerweise sagen muss, dass die Lügenquote abgenommen hat.

Ein bedeutendes Element von Trumps Strategie und seines Apparates war und ist die permanent wiederholte Behauptung, dass es in Wahrheit die kritischen Medien seien, die Unwahrheiten über Trump verbreiteten. Fake News nannte er das im Wahlkampf. Er machte den Begriff populär.  

Donald Trump will die wahre Wahrheit berichten

Der heftige Konflikt des US-Präsidenten mit zahlreichen Medien hat sich seit seinem Amtsantritt verschärft. Deshalb startete das Weiße Haus im Juni einen eigenen Newsletter, den "West Wing Reads". Ziel ist es, positive Geschichten über Trump und seine Arbeit an den Mann zu bringen, die angeblich von den Mainstream-Medien nicht oder nur ungenügend berichtet werden. Trump will sein desaströses Image verbessern. Die österreichische Zeitung "Der Standard" hat die Quellen des Newsletters mit Hilfe des Factchecking-Projekts "Media Bias/Fact Check" nun überprüft. Das Ergebnis ist nicht überraschend: Viele Medien, die Trumps Newsletter empfiehlt, sind selbst Verbreiter von Fake News. Und sie es sind überwiegend rechte Medien.

Die Ergebnisse:

1. Unter den 270 Medien-Berichten, die die Trump-Regierung von Juni bis Ende August in dem Newsletter herausschickte, befinden sich überwiegend solche, die als rechts der Mitte (93 Nennungen) oder rechts (63) klassifiziert werden. Viele der genannten Quellen arbeiten mit überspitzter Sprache und grenzen an Propaganda, teilweise werden Medien zitiert, die selbst Fake-News verbreiten wie zum Beispiel die rechtsradikalen "Breitbart News". Die New York Times wurde sieben Mal im Newsletter aufgenommen.

Es gibt aber auch überraschende Ergebnisse: Es sind zahlreiche Nennungen von eher linken Medien vertreten. Den größten Anteil hat dabei die Washingtoner Zeitung "The Hill" (18 Nennungen), welche sich auf Berichterstattung über den US-Präsidenten und den Kongress konzentriert. Insgesamt haben eher linke Publikationen einen Anteil von 87 der 270 Empfehlungen. Medien, die als neutral (mitte) gelten, haben lediglich 22 Nennungen (die hoch seriöse Agentur Reuters kommt auf vier).

3. Ebenfalls untersucht wurde, wie viele der im Newsletter empfohlenen Medien sich durch eine fragwürdige Berichterstattung auszeichnen. Auch hier ist das Ergebnis eindeutig: Die meisten Medien, deren Berichterstattung als faktisch fragwürdig einzustufen ist, sind rechts oder rechts der Mitte zu verorten. Hier liegt Fox News an zweiter Stelle. Vor Fox News rangiert "The Hill". Das liegt daran, dass die linksliberale Zeitung, die direkt von den Fluren des Kongresses und des Weißen Hauses berichtet, ihre Artikel online regelmäßig wegen ständig fließender Informationen umschreibt - Media Bias/Fact Check betrachtet "The Hill" nicht als grundsätzlich fragwürdig.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Würde man nur die Medien konsumieren, die sich das unter Trump wünscht, wären zahlreiche Fake News dabei. Aber um Objektivität und Wahrheit geht es diesem Präsidenten ja auch nicht.

tis

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