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Es sind wenige, aber es gibt sie: Wer sich über Trumps Rede vor den UN gefreut hat

Donald Trumps erste UN-Rede war düster und aggressiv, nicht viele Zuhörer waren begeistert von den Ausführungen des US-Präsidenten. Und doch gab von einigen Seiten Applaus - eine sehr übersichtliche Liste.

Donald Trump UN-Rede

Konzentriert: Donald Trump vor seiner UN-Rede

Viel zu lachen gab es im Plenarsaal der UN-Vollversammlung nicht, als dort vor den Vertretern der Welt seine erste Rede hielt. Seine Weltsicht war düster, seine Sprache ungeniert, seine Ausführungen harsch. Venezuela zum Beispiel, der arme ölreiche Staat im Vorhof der USA, nannte er eine "sozialistische Diktatur" - ein Stichwort, das der US-Präsident zu einer Generalattacke auf den Kommunismus nutzte: "Das Problem ist nicht, dass der Sozialismus schlecht umgesetzt wird, sondern dass man dem Sozialismus überhaupt traut." Bei diesem Satz hatte Trump eine Pause gemacht, weil er offenbar mit Applaus rechnete. Der blieb aber aus. Stattdessen: vereinzeltes Gelächter.

Verhaltener Zuspruch nach dem Auftritt

Gut, zum Lachen waren die Diplomaten auch nicht gekommen, aber mit etwas mehr Zuspruch dürfte der US-Präsident nach seinem Auftritt wohl gerechnet haben. -Generalsekretär António Guterres hatte zuvor vor genau dieser Art Wutreden gewarnt, weil sie schnell zu "tödlichen Missverständnissen" führen könnten. Und so applaudierte auch bei Trumps Rant gegen die säbelrasselnde Diktatur Nordkorea kaum jemand. Ähnlich hörten sich die Reaktionen auf Trumps Iran-Beschimpfungen an. Nur ein paar Abgesandte saßen da im Publikum, die zustimmend nickten. Benjamin Netanjahu zum Beispiel.

Nach dem Auftritt des US-Präsidenten twitterte er zufrieden: "In meinen mehr als 30 Jahren Erfahrung mit den Vereinten Nationen habe ich noch nie eine kühnere oder mutigere Rede gehört." Aus seiner Sicht verständlich. Der konservative israelische Regierungschef betrachtet den als Erzfeind, der Terroristen wie die Hamas unterstützt und die größte Gefahr für die Existenz Israels darstellt. In seiner Rede hatte Trump das Atomabkommen mit dem Iran erneut als miesen Deal bezeichnet, das Land eine demokratische lackierte aber korrupte Diktatur genannt, ein Staat, der nichts für seine Bürger tue und nur Gewalt exportiere. Warme Worte für Netanjahu, der auch nicht unbedingt für sein ausgleichendes Gemüt bekannt ist.

Auch die Saudis dürften zufrieden gewesen sein 

Ähnlich wohlwollend dürften Trumps-Iran-Äußerungen auch in Saudi-Arabien aufgenommen worden sein. Das sunnitische Königreich sieht sich als ärgster Konkurrent des schiitischen Landes. Wenn der enge Verbündete aus den die große Keule gegen den ungeliebten Nachbarn schwingt, bedeutet das nichts anderes als eine Rückendeckung der saudischen Position in der Region.

Auch China und Russland hätten eigentlich zufrieden sein können mit dem US-Präsidenten. Vor allem was seine unverblümte Drohung in Richtung Nordkorea betrifft. Ausdrücklich lobte er die beiden Staaten wegen ihrer Zustimmung zu den jüngsten Sanktionen. Und doch: Das Lob war nur ein diplomatisches, sprich: reine Höflichkeit, um die beiden wichtigsten Kanäle zum Regime in Pjöngjang nicht zu verprellen. Dass sowohl Moskau als auch Peking nach der Trumps Rede weitgehend schwiegen, hatte auch damit zu tun, dass der ihre Handelbeziehungen zu Nordkorea als "Schandtat" bezeichnete. Natürlich nannte er dabei keine Namen, aber jedem war klar, dass niemand anders als Russland und China gemeint waren. Wie gesagt, es gab nur sehr wenig zu lachen an diesem Dienstagvormittag in New York.


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