HOME

"Er lässt uns im Regen stehen" - wie Trumps Russland-Affäre seine Helfer in den Ruin treibt

Ist Donald Trump mit Russlands Hilfe US-Präsident geworden? Diese Frage beschäftigt die Justiz. Auch Trumps Helfer sind ins Visier geraten - und werden von ihm auf ihren hohen Anwaltskosten sitzengelassen.

Russlands Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump beugen sich bei einem Gespräch zueinander

Russlands Präsident Wladimir Putin (l.) und US-Präsident Donald Trump steckten auf dem G20-Gipfel in Hamburg die Köpfe zusammen

Schon seit seinem Amtsantritt überschattet eine Frage Präsidentschaft: Hat er sich von russischen Geheimdiensten ins höchste Amt der USA helfen lassen? FBI und Justiz ermitteln auf Hochtouren, Trumps Anwälte sind im Verteidigungsmodus. Doch nicht nur Milliardär Trump hat sich Rechtsbeistand geleistet. Auch seine Helfer lassen sich längst beraten. Einige könnte das in den Ruin treiben.

"Es ist sehr teuer, und keiner hat sich je bei mir gemeldet und Hilfe angeboten", sagte der ehemalige Wahlkampf-Ratgeber Michael Caputo dem "Washington Examiner". Wie mindestens ein Dutzend andere hochrangige Unterstützer des Präsidenten wurde er wegen seiner Arbeit im Wahlkampf von Ermittlern des Kongresses kontaktiert und hat sich deshalb rechtliche Unterstützung gesucht.

Teure Anwälte statt Uni-Gebühren

"Das Problem ist: Es handelt sich um eine sehr spezialisierte Form der Rechtsberatung. Dazu braucht man bestimmte Anwälte, die hochkompetent sind. Und diese Kompetenz muss man eben bezahlen", so Caputo. Das geht ins Geld: Um die Anwaltshonorare begleichen zu können, musste er den College-Fonds seiner plündern, von dem eigentlich die hohen Universitätskosten bestritten werden sollten.

Wegen der von ihm als "Unsinn" bezeichneten Vorwürfe sollen er und seine Familie zudem Todesdrohungen erhalten haben. "Ich musste mein Zuhause, mein Büro und meine Kinder sichern lassen. Das summiert sich schnell." Trump sieht er aber nicht als Schuldigen. Die Vorwürfe seien politisch, meint Caputo.

"Er lässt uns im Regen stehen"

Ein anderer Helfer, der lieber anonym bleiben möchte, geht den Präsidenten härter an. "Er lässt uns im stehen", sagte er dem "Examiner". "Der Multimilliardär Trump hat eine moralische Verpflichtung, die vier-, fünf- oder gar sechsstelligen Anwaltskosten zu übernehmen, die seine Berater dadurch anhäuften, dass sie einfach ihren Job machten."

Der anonyme Helfer sieht das Verhalten von Trump und seinen Top-Helfern als Ursache seiner Schulden. "Der Grund, dass wir überhaupt diese Anwaltskosten haben, ist dass Trump und seine Sprecher wie Kellyanne Conway und Hope Hicks mehrfach die Öffentlichkeit über ihre -Kontakte in die Irre führten. Ganz egal, wie harmlos die auch gewesen sein mögen." 

Auf sich gestellt

Nachdem mehrere Kongressabgeordnete ihn dazu befragen wollten, habe der Helfer einen Anwalt angeheuert - für 500 Dollar die Stunde. Tausende Dollar an Kosten seien nur für die Bereitstellung von Dokumenten an den Kongress sowie zwei Befragungen durch Abgeordnete entstanden. "Ich überlegte schon, ob ich die Rechnung an die Wiederwahl-Kampagne schicke. Aber ich will nicht den Zorn des Weißen Hauses auf mich ziehen."

Mittlerweile gibt es auch Druck auf die Republikanische Partei, solche Kosten zu übernehmen. Auf eine Anfrage der Zeitung reagierte sie aber genausowenig wie das aktuelle Wahlkampfteam. Ein Insider steckte dem Examiner, dass ausgeschiedene Mitglieder wie Reince Priebus "auf sich gestellt" seien. Angesichts der Tatsache, dass die Angestellten durchaus gegen Trump und Co. aussagen könnten, ist das vielleicht nicht die schlaueste Entscheidung.

Anonyme Lobby-Spenden

Die Anwalts-Rechnungen der ganz hohen Tiere wie Jared Kushner oder Mike Pence könnten indes anders beglichen werden. Die von Trump kontrollierte Ethik-Kommission des Weißen Hauses entschied vor Kurzem, dass Lobbyisten gezielt Angestellten des Weißen Hauses anonym Geld spenden können, um rechtlichen Beistand zu finanzieren. Dafür dürfen sie dann bei der Gesetzgebung beraten. Diese Praxis war vorher als unmoralisch abgelehnt worden.

Vielen aktiven Helfern dürfte das indes wenig nützen: Die Spenden dürften in der Regel mit gewissen Erwartungen verbunden sein. Angestellte der unteren Ränge können aber nichts im Gegenzug liefern. Ehemalige Mitarbeiter haben ohnehin nicht von dem neuen System.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren