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6. Oktober 2006, 10:45 Uhr

"Er wollte über Sex sprechen"

Weitere ehemalige Praktikanten haben einem US-Sender von Sex-Botschaften des Abgeordneten Mark Foley berichtet. Nun will der Ethik-Ausschuss den Vorwürfen nachgehen.

US-Politiker Mark Foley soll Sex-Botschaften an Schüler-Praktikanten geschickt haben© Joe Raedle/Getty

Drei weitere ehemalige Schüler-Praktikanten haben dem US-Sender ABC-News von sexuell anstößigen E-mails und SMS-Nachrichten erzählt, die sie von dem republikanischen US-Abgeordneten Mark Foley bekommen haben wollen. Darin hat Foley einen der Teenager um Fotos seines erigierten Penis' gebeten, berichtet ABC-News. Einem anderen habe der Abgeordnete des Repräsentantenhauses angeboten, in seinem Haus in Washington übernachten zu können, wenn der Jugendliche Oral-Verkehr zustimmen würde. "Er wollte nicht über Politik sprechen," sagte einer der Praktikanten dem Sender, "er wollte über Sex oder meinen Penis sprechen."

Hastert verteidigt sich

Nachdem die ersten Anschuldigungen bekannt geworden waren, war Mark Foley am Freitag vor einer Woche von seinem Abgeordnetensitz zurück getreten. Nun will der Ethik-Ausschuss des US-Repräsentantenhauses der Affäre nachgehen. Er beschloss, mehrere Dutzend Zeugen vorzuladen und Dokumente zu prüfen, wie der Ausschussvorsitzende Doc Hastings erklärte. Ob auch der Sprecher des Abgeordnetenhauses, Dennis Hastert, vom Ausschuss befragt werden soll, ließ Hastings offen.

Hastert ist wegen der Affäre unter heftigen Beschuss geraten. Kritiker warfen Hastert vor, nicht früh genug gehandelt zu haben und forderten seinen Amtsverzicht. "Ich bin tief betrübt darüber, dass das passiert ist", sagte der republikanische Politiker. Er selbst habe aber nichts falsch gemacht, fügte Hastert bei einer Pressekonferenz in seinem Heimatwahlkreis im US-Bundesstaat Illinois hinzu.

Hastert räumte ein, dass die Republikaner mit der Situation "im Rückblick" besser hätten umgehen können. Er selbst und andere Republikaner hätten aber sofort gehandelt, als sie von den Vorwürfen gegen Foley erfahren hätten. Ein hochrangiger Berater der Republikaner hatte allerdings gesagt, Hasterts Stabschef habe bereits vor drei Jahren von dem Verhalten Foleys erfahren, und der Parlamentspräsident habe dies gewusst. Der Stabschef wies dies kategorisch zurück.

Affäre hat Einfluß auf Wahlen

Unter Druck steht auch die Führung der Republikaner von Präsident George W. Bush, denn nur fünf Wochen vor den Kongresswahlen im November könnte der Skandal einen erheblichen Einfluss auf den Ausgang haben, wie eine Umfrage ergab. Demnach beeinflussen der Skandal und bekannt gewordene Korruption im Kongress bei rund der Hälfte der wahrscheinlichen Wähler das Stimmverhalten. Dabei war eine Mehrheit der Ansicht, dass die Demokraten besser gegen die politische Korruption vorgehen würden.

Hastert mahnte seine Parteifreunde, wer jetzt seinen Rücktritt fordere, der spiele den oppositionellen Demokraten in die Hände. Umfragen zufolge haben die Demokraten derzeit gute Chancen, die Mehrheit im 435 Sitze zählenden Repräsentantenhaus zu gewinnen.

mta/AP/Reuters
 
 
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