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15. August 2003, 19:14 Uhr

Letzte Hoffnung für Liberia

Sie sind die letzte Hoffnung der Liberianer auf ein Ende des Blutvergießens: die ECOWAS-Soldaten. Doch die westafrikanische Eingreiftruppe wird auch mit den Schatten vergangener Einsätze zu kämpfen haben.

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Freude über die Ankunft der ECOWAS-Truppen in Monrovia: "Wir brauchen Friedenssoldaten und keine Kriegshetzer"© AP

Als 1990 erstmals Friedenssoldaten in Liberia eintrafen, wurden sie von den Bewohnern mit Begeisterungsstürmen empfangen. 13 Jahre später wird wieder eine westafrikanische Eingreiftruppe in dem Land stationiert. Wieder soll sie einen Konflikt beenden, in dessen Mittelpunkt Präsident Charles Taylor steht. Und wieder sind die Soldaten die letzte Hoffnung der Liberianer auf ein Ende des seit mehr als zehn Jahren andauernden Blutvergießens, dem mehr als 100.000 Menschen zum Opfer fielen.

Friedenstruppe aus sechs westafrikanischen Staaten

Insgesamt soll die Friedenstruppe aus sechs westafrikanischen Staaten einmal 3.250 Mann stark sein, die meisten von ihnen aus Nigeria, Ghana und Guinea. Unter der Führung Nigerias sollen die Soldaten in den kommenden Wochen über ganz Liberia verteilt werden, wie die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS am Montag mitteilte. ECOWAS überwachte bereits frühere Friedenseinsätze in der Region und ist auch für den bevorstehenden zuständig.

Dabei werden die ECOWAS-Soldaten unter anderem mit den Schatten vergangener Einsätze zu kämpfen haben. Denn damals wurden viele von ihnen beschuldigt, Zivilisten angegriffen, gefoltert und getötet sowie Häuser geplündert zu haben. Ihnen wurde vorgeworfen, 1990 der Entführung des damaligen liberianischen Präsidenten Samuel Doe tatenlos zugesehen zu haben. Doe wurde später von Anhängern seiner politischen Gegner brutal gefoltert und ermordet.

"Plünderei als Industriezweig"

Die Truppen hätten "die Plünderei in einen Industriezweig verwandelt", erinnert sich Magnus Wolfe Murray, Mitarbeiter der britischen Hilfsorganisation Merlin in der liberianischen Hauptstadt Monrovia. "Wenn Friedenssoldaten kommen, kommt es jedes Mal zu Plünderungen", sagt der 31 Jahre alte Geschäftsmann Mohammed Dauda. "Aber das ist uns egal. Solange der Frieden wieder hergestellt wird, ist uns jedes Mittel recht."

Ein Dorn im Auge ist vielen Bewohnern jedoch die nigerianische Führung der Eingreiftruppe. Er würde lieber die USA an der Spitze sehen, sagt Boye Nimely, ein 30 Jahre alter Lastwagenfahrer. "Ich mag die Nigerianer nicht. Wenn sie kommen, werden die Menschenrechte wieder verletzt werden - es sei denn, sie würden von den USA geführt, dann hätte jemand ein Auge auf sie."

Größere Herausforderungen als jemals zuvor

Die Herausforderungen an die Friedenssoldaten sind diesmal wohl größer als jemals zuvor. Zu den rund eine Million Einwohnern Monrovias kommen mehrere Hunderttausend Flüchtlinge. Etwa 1.000 Menschen sind bereits getötet worden, seit die Rebellen vor knapp zwei Monaten ihren Vormarsch auf die Hauptstadt starteten. In der Stadt gibt es inzwischen keine Stromversorgung mehr, Wasser und Lebensmittel werden knapp. Cholera und andere tödliche Krankheiten breiten sich aus.

Trotz des kontroversen Vorgehens der ECOWAS-Soldaten werden ihre früheren Einsätze international als erfolgreich anerkannt. Die Truppen trugen dazu bei, den zwischen 1991 und 2002 tobenden Bürgerkrieg in Sierra Leone zu beenden. Mitte der 90er Jahre verschafften sie Liberia einige Jahre der relativen Ruhe.

Spezielle Vorbereitungskurse für Soldaten

Auf die neue Mission wurden die Soldaten unter anderem mit speziellen Kursen in Politik, Sprachen und Kulturkunde vorbereitet. "Wir brauchen Friedenssoldaten und keine Kriegshetzer", sagte der ghanaische Ausbilder Oberstleutnant Connie Danso. "Wir versuchen, die Soldaten menschlicher und weniger schießfreudig zu machen. Eine Friedensmission ist schwierig und kann einen Soldaten aufzehren. Manchmal treten ihm die Leute, die er beschützen soll, feindselig gegenüber."

Edward Harris und Jonathan Paye-Layleh
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