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3. März 2008, 14:02 Uhr

Toter Rebell löst Krise aus

Einsatz gegen Farc

Mit einem Militärschlag hat die kolumbianische Armee einen hochrangigen Führer der Farc-Rebellen getötet - was für eine Krise in der Region sorgt. Wer ist die Farc, welche Ziele verfolgen sie? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu Kolumbiens größer Guerilla.

Zerstörtes Farc-Camp in Angostura, Ecuador: Unterstützt Quito die Rebellen des Nachbarlandes?© Pablo Cozzaglio/AFP

Kolumbien wirft Ecuador anhand von sichergestellten Computerdaten den Aufbau einer engen Beziehung zu den marxistischen Rebellen der Farc vor. Die Beweise seien auf dem Rechner des nun getöteten Rebellenführers Raul Reyes sichergestellt worden, hieß es in Bogota. Die kolumbianischen Streitkräfte hatten einen Rebellenstützpunkt auf ecuadorianischem Staatsgebiet angegriffen und dabei 16 Rebellen getötet.

Die Grenzverletzung zieht schwerwiegende diplomatische Folgen nach sich. Die Regierung in Quito wies den kolumbianischen Botschafter aus und verlegte Truppen an die gemeinsame Grenze. Der venezolanische Präsident Hugo Chavez protestierte ebenfalls gegen die Militäraktion und ordnete die Schließung der Botschaft seines Landes in Bogota an. Er beorderte nach eigenen Angaben zehn Panzerbataillone und die Luftwaffe in die Grenzregion. Bislang gab es jedoch noch keine Berichte über Truppenbewegungen.

Die Anschuldigungen gegen Ecuador stützen sich auf zwei angeblich von Reyes geschriebene und an die Führung der Farc adressierte Worddokumente, die der Nachrichtenagentur AP vorlagen. In einem Dokument aus dem Monat Januar wird behauptet, der ecuadorianische Präsident Rafael Correa sei bereit, die Rebellen nicht weiter als Rebellengruppierung zu verfolgen. Dafür wolle er an Verhandlungen zur Befreiung von Geiseln der Farc beteiligt werden. Correa sei der Ansicht, dass der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe "eine Gefahr für die Region ist", hieß es dort.

Wer ist die Farc, welche Ziele verfolgen sie? Wieviele Geiseln sind noch in der Hand der Rebellen, die seit Anfang der 50er Jahre Widerstand gegen den kolumbianischen Staat leisten? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu Kolumbiens größer Guerilla.

AP/nik

Was ist die Farc?

Die marxistische Organisation heißt ausgeschrieben "Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia", Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens. Sie ist die älteste und mit schätzungsweise 15.000 Kämpfern größte Guerilla-Gruppe des Landes und bekämpft seit Anfang der 50er Jahre gewaltsam die Staatsmacht. Seit 1984 stimmte sie mehreren Waffenruhen zu, die aber alle scheiterten. Gemeinsam mit dem "Nationalen Befreiungsheer" ELN kontrolliert die Farc über ein Drittel des Anden-Staates, zumeist unzugängliche Dschungelgebiete. Zu ihren Praktiken zählen Mord und Geiselnahmen. Auch der Kokain-Export gilt als Finanzierungsmittel der Rebellen. Nach Militärangaben ist die Farc eines der größten Drogenkartelle Lateinamerikas. Die EU und die USA betrachten die Rebellen als terroristische Vereinigung.

Welche Ziele hat die Farc?

In Kolumbien herrschen seit mehr als vier Jahrzehnten bürgerkriegsähnliche Zustände. Die Rebellen der Farc und der ELN sowie rechte Paramilitärs drangsalieren die Bevölkerung und liefern sich Kämpfe mit der Armee. In den 32 Provinzen gibt es mehrere hunderttausend Binnenflüchtlinge. Die Farc hat Anfang der 90er Jahre einen Katalog erstellt, in dem unter anderen gefordert wird, dass die Armee keine innenpolitischen Funktionen wahrnehmen dürfe, die Bürger mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten erhalten und die einheimische Wirtschaft und Industrie vor ausländischer Konkurrenz geschützt werden solle.

Wie viele Geiseln befinden sich in der Hand der Farc?

Schätzungsweise um die 700. Erst Ende Februar 2008 wurden nach Vermittlung von Venezuelas Präsident Hugo Chavez vier kolumbianische Geiseln freigelassen, allesamt Parlamentarier. Damit wurde erstmals nach langjährigem Stillstand die Entlassung von Gefangenen erreicht.
Auch Deutsche waren bereits Opfer der Farc: 2006 wurde ein in Kolumbien lebender deutscher Bäcker nach fünf Jahren Geiselhaft von der Farc freigelassen. 1997 starb ein entführter Tourist bei einer Befreiungsaktion. Das bekannteste Opfer ist die seit Jahren verschleppte Spitzenpolitikerin Ingrid Betancourt. Sie soll nach Worten der jüngst freigelassenen Geiseln schwer erkrankt sein. Die Rebellen wollen mehr als 40 weitere Geiseln, darunter auch Betancourt, freilassen, macht dies aber von der Haftentlassung von Gesinnungsgenossen aus kolumbianischen Gefängnissen abhängig.

Wer ist Ingrid Betancourt?

Die französisch-kolumbianischen Politikerin ist ehemalige Präsidentschaftskandidaten und wurde 2002 von den Farc-Rebellen entführt, nachdem die Friedensverhandlungen zwischen den Rebellenorganisationen und der Regierung gescheitert waren. Die 46-jährige soll schwer an einem Leberleiden erkrankt sein. Nach Aussage freigelassener Geiseln werde sie unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten. Sie hatte dem mächtigen Drogenkartell Kolumbiens den Kampf angesagt und versprach, gegen die Korruption im Land vorzugehen. Sie ist Ehrenbürgerin der Stadt Paris.

Wer sind Freund und Feinde der Farc?

Dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez werden gute Kontakte zu der Guerillabewegung nachgesagt. Er unterstützt auch ihre Forderung, von der EU-Liste internationaler Terrororganisationen gestrichen zu werden - was die Union aber jüngst wieder angelehnt hatte. Die Rebellen, die sich wie Chavez als bolivarisch bezeichnen, der südamerikanischen Form des Sozialismus, vertrauen Chavez mehr als dem konservativen kolumbianischen Staatschef Alvaro Uribe. Wegen seiner Kontakte zur Farc, versucht Chavez immer wieder in Sachen Geiselfreilassung zu vermitteln. Allerdings wurde ihm Seitens der Kolumbianer das Vermittlermandat entzogen.
Kolumbien wirft zudem Ecuador vor, engen Beziehung zu den marxistischen Rebellen unterhalten zu haben. Das gehe aus sichergestellten Computerdaten hervor. Die Beweise seien auf dem Rechner des jetzt getöteten Rebellenführers Raul Reyes sichergestellt worden, hieß es. Nachdem die kolumbianischen Streitkräfte einen Rebellenstützpunkt auf ecuadorianischem Staatsgebiet angegriffen und dabei neben Reyes 16 weitere Rebellen getötet hatten, hat die Regierung in Quito den kolumbianischen Botschafter ausgewiesen. Der venezolanische Präsident Hugo Chavez protestierte ebenfalls gegen die Militäraktion und ordnete die Schließung der Botschaft seines Landes in Bogota an.
Die USA dagegen unterstützen Kolumbien mit Milliarden Dollar im Kampf gegen die Farc. Allerdings gibt es Berichte, nach denen die CIA den Rebellen über Jordanien und Peru Waffenhilfe geleistet haben soll.

Wer ist Raul Reyes, der jetzt getötet wurde?

Mit bürgerlichem Namen hieß der 59-Jährige Luis Edgar Devia Silva. Er war einer der ranghöchsten Kommandeure der Guerillagruppe und agierte auch als Sprecher der Rebellen. Er wurde bei einem Gefecht mit Soldaten in der ecuadorianischen Provinz Putumayo getötet. Der Anführer und 16 weitere Rebellen seien bei den Kämpfen ums Leben gekommen. Der Tod der Nummer zwei der Organisation ist der folgenschwerste Schlag gegen die Farc seit 2002. Das US-Außenministerium hatte für Informationen, die zur Ergreifung von Reyes und von fünf weiteren Rebellen führen, eine Belohnung von fünf Millionen Dollar (3,3 Millionen Euro) ausgesetzt.
Ende Februar 2008 hatte die kolumbianische Polizei den ranghohen Kommandeur Heli Mejia, alias Martin Sombra festgenommen. Mejia der Farc praktisch seit deren Gründung angehört.

nik

KOMMENTARE (1 von 1)
 
Ivanfi (04.03.2008, 21:15 Uhr)
Wie freundlich die Agenturen mit den Terroristen umgehen...
Wie freundlich die Agenturen mit den Terroristen umgehen, möchte ich mit folgender Fiktion ausmalen:
Und wenn die FARC-Terroristen verbreiten würden, eben gerade, 5 Minuten vor dem Tod von Reyes hätten sie alle Geiseln freizulassen beschlossen – was jetzt natürlich leider, leider, hinfällig ist, dann hätte AFP diesen tendenziösen Stuß von Hokuspokus freudestrahlend und ungeprüft als mediale Schützenhilfe für die Terroristen gemeldet.
Und wenn morgen in den AFP-AP-dpa- AGENTUR-MELDUNGEN steht, die FARC ist für das Kyoto-Protokoll, gegen Wahlfang, gegen die Abholzung von Regenwälder, gegen Atomkraftwerke und Castor-Transporte, die FARC ist gegen ALDI und LIDL, die FARC kämpft für die weltweite Reduktion vom CO2-Emissionen, die FARC ist für das Mehrwegsystem, für rauchfreie Gaststätten, für Umweltzonen, für Demokratie und Menschenrechte, für Muslime, für Migration und Microkredite und vor allem die FARC ist gegen NOKIA – dann hat die FARC im Sturm die Herzen Deutschlands erobert und Uribe kann reumütig einpacken.
Am besten kampflos, weil Abertausende Freiwillige, rekrutiert aus Deutschlands zig Tausend Umweltverbänden (von der Roten Flora bis Jürgen Resch-s Umwelthilfe) auf dem Weg in den Dschungeln Kolumbias unterwegs sind, um in den Fußstapfen der Spanien-Kämpfer NO PASARAN! zwischen den Lippen flüsternd, den kolumbianischen Reaktionisten das Fürchten zu lehren…..
Mit freundlichen Grüßen
Ivanfi (Rostock) 4.3.2008
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