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Gefährlicher Verrat an Prinz Harry

Die "Sun" meldet, dass der Enkel der Queen einen Taliban-Kommandeur getötet habe. Die übrige britische Presse hält sich zurück. Nicht ohne Grund. Für die Taliban ist der Prinz längst eine Hassfigur.

Von Thomas Schmoll

  Prinz Harry im Cockpit eines Apache-Hubschraubers

Prinz Harry im Cockpit eines Apache-Hubschraubers

  • Thomas Schmoll

Als ein australisches Magazin im Februar 2008 verriet, dass Prinz Harry in Afghanistan stationiert ist, war der Einsatz vorbei. Mehr als zwei Monate hatte er in der besonders gefährlichen Region Helmand gedient. Vier weitere hätten folgen sollen. Es war eine geheime Mission, die Öffentlichkeit wusste nichts davon.

Dass der Aufenthalt des Prinzen in dem kriegsgebeulten Land so lange geheim gehalten werden konnte, ging auf eine Absprache der britischen Medien zurück, erst nach der Rückkehr Harrys darüber zu berichten, um ihn nicht in noch größere Gefahr zu bringen, als sie für Soldaten der internationalen Schutztruppe in Afghanistan ohnehin schon ist. Das australische Magazin wusste nach eigenen Angaben nichts von dem Stillschweigeabkommen und brachte eine Story über den Prinzen in Afghanistan. Nachdem ein US-Nachrichtendienst auf den Zug aufsprang, gab es auch für die britische Presse kein Halten mehr. Daraufhin zog das Londoner Verteidigungsministerium die Reißleine - und den Enkel der Queen sofort ab. Die britische Militärführung sah das Risiko als zu hoch an.

Keine Sonderbehandlung für den Prinzen

"Ginger Bullet Magnet" (Fuchsroter Kugelmagnet) - so sein Spitzname bei der Armee - zeigte sich "sehr glücklich", dass er in Afghanistan war. Er, der seinerzeit am liebsten in den damals noch gefährlicheren Irak wollte, aber nicht durfte, wurde in der Heimat als Held gefeiert. Gordon Brown, in jenen Tagen Premierminister, preiste den Rückkehrer als beispielhaften jungen Offizier, der ganz Großbritannien stolz mache. Die Boulevardpresse, die ansonsten gerne über Harrys Skandale und Skandälchen berichtet, war voll des Lobes.

Das las sich im "Daily Mirror" zum Beispiel so: "Er hat weder eine Sonderbehandlung verlangt noch bekommen. Er patrouillierte in der gefährlichen Helmand-Provinz und geriet wie jeder andere Soldat unter Beschuss. Die "Sun" mutmaßte kurz vor der Entscheidung, den Spross aus dem Hause Windsor heimzuholen, dass Harry sicher enttäuscht sei, wenn er zurückkehren müsse, weil ausländische Medien seinen Einsatzort publik gemacht hätten.

Attacke vom Apache-Kampfhubschrauber

Nun, fast fünf Jahre später, ist es die "Sun", die dafür sorgt, dass Harry vielleicht abermals gegen seinen Willen vorzeitig aus Afghanistan abgezogen wird - und er den Taliban noch mehr zur Hassfigur wird, als er es sowieso schon ist. Die "Sun" meldete "weltexklusiv", dass "Captain Harry" einen führenden Taliban getötet haben soll und feiert ihn als Helden. Das Blatt berichtete: "Prinz Harry killt seinen ersten Taliban-Kommandeur" - gerade so, als führe sie eine Strichliste. Die Zeitung berief sich auf einen Insider, der dem Prinzen im afghanischen Kriegsgebiet begegnet sein will und in höchsten Tönen über den Sohn von Prinz Charles und Lady Diana spricht, den seine Kameraden angeblich "Big H." nennen.

Nach Angaben des Informanten soll Prinz Harry Ende Oktober bei einem Luftangriff als Co-Pilot in einem Apache-Kampfhubschrauber dabei gewesen sein. Damals sollen mehrere Apache von Bodentruppen angefordert worden sein, die den später getöteten Taliban-Kommandeur verfolgten. Aus dem Helikopter soll der 28-Jährige "Hellfire"-Raketen abgeschossen haben. "Wir hörten über Funk diese noble Stimme und wussten, das ist Big H.", zitierte die "Sun" den Insider. "Big H. ist eine Legende". Die "Daily Mail" berichtete, dass Prinz Harry Raketen auf Taliban abgefeuert habe, zog aber eine Version zurück, in der zunächst über einen getöteten Anführer der Gotteskrieger die Rede war.

Das Verteidigungsministerium schweigt

Die großen Zeitungen, die nicht zum Boulevard gehören, wie "Guardian", "Independent" oder die "Times" brachten zunächst nichts darüber. Das Verteidigungsministerium in London äußerte sich nicht zu dem Bericht, was nicht verwundert. Erst kürzlich erklärte ein Sprecher der Taliban gegenüber Reuters, was sie von dem Prinzen halten: "Wir nutzen all unsere Kraft, ihn zu beseitigen - entweder durch Tötung oder Kidnapping." Im September griffen die selbsternannten Gotteskrieger das Militärlager der Internationalen Schutztruppe an, in dem auch der Brite stationiert ist. Zwei US-Soldaten starben.

Die Taliban stellten die Attacke als Vergeltungsakt für den in Amerika gedrehten Mohammed-Schmähfilm dar, der Muslime in der ganzen Welt in Aufruhr versetzt hatte. Später erklärte ein Sprecher der Taliban, das Militärlager sei sehr wohl ausgesucht worden, weil der Prinz dort stationiert sei. Der Enkel der Queen war nach offiziellen Angaben während des Feuergefechts nicht im Lager. Außerdem seien die Angreifer nicht annähernd in seine Nähe gekommen. Ein Sprecher der Nato-Schutztruppe sagte: "Prinz Harry befand sich niemals in Gefahr." Die Königin wird es gerne gehört haben. "Sie war sehr dafür, dass ich gehe", berichtete Prinz Harry nach seiner Rückkehr von seinem ersten Afghanistan-Einsatz im Magazin "People". "Ihre Kenntnis der Armee ist wirklich außergewöhnlich gut für eine Großmutter. Na ja, irgendwie ist das ja ihr Job."

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