20. Februar 2013, 07:35 Uhr

Bewaffnete verschleppen französische Touristenfamilie

Eine französische Urlauberfamilie wurde in Kamerun entführt. Es ist das erste Mal, dass westliche Touristen in dem Land verschleppt wurden. Frankreich verdächtigt die terroristische Gruppe Boko Haram.

Mutmaßliche Islamisten haben im Norden Kameruns eine französische Urlauberfamilie mit vier Kindern entführt. "Terroristen" aus dem Nachbarland Nigeria hätten die siebenköpfige Familie am Dienstag verschleppt, sagte Frankreichs Staatschef François Hollande am Rande eines Besuchs in Athen. Der französische Gaskonzern GDF Suez erklärte, ein Mitarbeiter des Unternehmens sei mitsamt seiner Familie entführt worden.

Die drei Erwachsenen und vier Kinder sollten "mit größter Wahrscheinlichkeit" nach Nigeria gebracht werden, sagte Hollande weiter. Laut kamerunischen Sicherheitskräften wurden die Täter "entlang der Grenze zu Nigeria" gesucht. Ein westlicher Diplomat in der Region sagte, es handele es sich bei den Entführten um ein Elternpaar, ihre fünf, acht, zehn und zwölf Jahre alten Kinder und einen Onkel.

Nach Angaben aus dem Umfeld der französischen Botschaft in der kamerunischen Hauptstadt Jaunde wurden die Urlauber offenbar bei ihrer Rückkehr vom Nationalpark Waza an der Grenze zu Nigeria verschleppt. Die Franzosen seien in dem Ort Dadanga von bewaffneten Entführern gekidnappt worden. Der westliche Diplomat sprach von sechs Angreifern, die auf drei Motorrädern unterwegs waren.

Terroristische Gruppe Boko Haram wird verdächtigt

GDF Suez erklärte, es sei ein nach Kamerun entsandter Mitarbeiter des Konzerns mitsamt seiner Familie verschleppt worden. Die Familie lebt demnach in der Hauptstadt Jaunde im Süden des Landes und machte im Norden Kameruns Urlaub. Es ist das erste Mal, dass westliche Touristen in Kamerun entführt wurden. Vor der Küste des Landes verüben Piraten dagegen regelmäßig Überfälle.

Hollande sagte zu den mutmaßlichen Entführern, es handele sich "um eine terroristische Gruppe, die wir kennen, und die in Nigeria ist". Auf die Frage, ob es sich um eine Vergeltungsaktion für den französischen Militäreinsatz gegen Islamisten in Mali handeln könne, erwiderte er: "Ich sehe vor allem die Ansiedlung einer terroristischen Gruppe, Boko Haram in diesem Fall, in diesem Teil Kameruns, und das ist beunruhigend genug, um zu handeln."

Auch aus Sicherheitskreisen in Kamerun verlautete, dass es einen "starken Verdacht" gegen Boko Haram gebe. Die islamistische Gruppe, die mit Gewalt für die Errichtung eines islamischen Staats im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias kämpft, wird für hunderte Tote im Norden und im Zentrum des Landes verantwortlich gemacht.

Mit der Entführung von westlichen Ausländern hatte zuletzt hingegen vor allem die islamistische Gruppe Ansaru aus Nigeria von sich Reden gemacht, die als Splittergruppe von Boko Haram gilt.

kave/AFP
 
 
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