Die US-Demokraten jubeln: Nach acht Jahren Bush-Regierung zieht mit Barack Obama wieder einer aus ihren Reihen ins Weiße Haus ein. Der New Yorker Anwalt Jenik Radon war Mitglied in Obamas Team. Er hält die Wahl für historisch und sagt im stern.de-Interview, wie es jetzt weiter geht. Von Sebastian Christ

Obama-Fans haben Grund zu jubeln: Ihr Kandidat wird 44. Präsident in der US-Geschichte© Scott Olson/Getty Images
Jenik Radon steht vor dem Rockefeller-Center in New York. Um ihn herum findet eine Wahlkampfparty unter freiem Himmel statt. Die meisten Partybesucher sind für Obama.
Für mich war es schon klar, als Ohio an Obama ging. McCain brauchte Ohio, den Swing-State. Man wusste, dass Kalifornien, Oregon und Washington für uns sicher waren. Da war die ganze Sache im Prinzip schon gelaufen.
Die Stimmung ist unglaublich, die Leute spielen verrückt. Es war eine unglaubliche Stimmung, als raus kam, dass Obama gewonnen hat. (Jubel im Hintergrund)
Heute feiern wir, und dann kommt die Arbeit. Obama muss, wie man hier sagt, ein "Transition-Team" zusammenstellen. Präsident wird er ja erst am 20. Januar, und das bedeutet, dass er für diese Zeit eine Mannschaft benennen muss, die aber nicht zwingend dem endgültigen Kabinett entspricht. Und dann muss man das Regierungsprogramm zusammenstellen. Jetzt kommt die normale Arbeit, aber endlich ist der Bush weg.
Man kann hier nicht nur in der Vergangenheit leben, es wird sich etwas ändern. Das ist ja etwas, was die Deutschen beklagt haben: Politische Wahlkampfprogramme sind in den USA nie so spezifisch wie in Deutschland, und damit auch nicht bis ins Detail festgelegt. Bei uns denkt man so: Man hat eben nicht alle Fakten, wenn man Kandidat ist. Zum Beispiel: Was spielt sich wirklich in der Wirtschaft ab? Was weiß man eventuell noch nicht? Das ist ein großes Problem. Wenn man alles weiß, was man wissen muss, kann man sein Programm noch einmal überdenken.
Es ist nur eine Vermutung: Aber ich glaube, dass er das weiterhin will. (Freudige Schreie aus dem Hintergrund)
Es war ein TV-Team hier, die Leute wollen ins Fernsehen. (Schreie klingen ab)
Jetzt genieße ich das, und dann muss man sehen, wie es weiter geht.
Natürlich. Vielleicht nicht bis vier Uhr, aber es werden noch einige Stunden sein. (Jetzt brandet ein ohrenbetäubender Jubel auf. Radon versteht weder den Reporter noch seine eigene Stimme. Kurze Pause, nach etwa zwanzig Sekunden beruhigt sich die Szene ein wenig) Jetzt wurde bekannt gegeben, dass auch Virginia und Colorado an Obama gehen.
Es ist dieselbe Aufgabe wie sie jeder Präsident hat: Er muss eine Prioritätenliste zusammen stellen und dann entscheiden, was er zuerst machen will. Aber eines ist wohl allen klar: Die höchste Priorität hat die Wirtschaft.
Klar. Er ist der erste nicht-europäischstämmige Präsident der USA, ein African American. Der erste Präsident, der eine Minderheit repräsentiert. Das ist historisch, kein Zweifel. Und ich hoffe, dass wir bald sagen können: Wir sind alle Amerikaner, ohne dass die Hautfarbe eine Rolle spielt.
Ich glaube, die Jugend hat den Wunsch, dass sich das Wesen der Politik ändert. Man kann das nur erreichen, wenn man inspiriert und die ganze Mannschaft mitzieht. Wie es einst schon John F. Kennedy geschafft hat.
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Zur Person Jenik Radon, geboren 1946 in Berlin, ist Anwalt für Gesellschaftsrecht in New York. Seit 2002 lehrt er auch an der Columbia University. Radon ist Mitglied im "Tri-State Finance Committee" von Barack Obamas Wahlkampf-Team.