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5. November 2008, 09:33 Uhr
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"Endlich ist Bush weg"

Die US-Demokraten jubeln: Nach acht Jahren Bush-Regierung zieht mit Barack Obama wieder einer aus ihren Reihen ins Weiße Haus ein. Der New Yorker Anwalt Jenik Radon war Mitglied in Obamas Team. Er hält die Wahl für historisch und sagt im stern.de-Interview, wie es jetzt weiter geht. Von Sebastian Christ

Obama-Fans haben Grund zu jubeln: Ihr Kandidat wird 44. Präsident in der US-Geschichte© Scott Olson/Getty Images

Jenik Radon steht vor dem Rockefeller-Center in New York. Um ihn herum findet eine Wahlkampfparty unter freiem Himmel statt. Die meisten Partybesucher sind für Obama.

Herr Radon, wie haben sie den Wahlabend erlebt? Die Nachricht vom Wahlsieg Barack Obamas ist ja gerade bekannt gegeben worden…

Für mich war es schon klar, als Ohio an Obama ging. McCain brauchte Ohio, den Swing-State. Man wusste, dass Kalifornien, Oregon und Washington für uns sicher waren. Da war die ganze Sache im Prinzip schon gelaufen.

Wie ist denn gerade die Stimmung um sie herum?

Die Stimmung ist unglaublich, die Leute spielen verrückt. Es war eine unglaubliche Stimmung, als raus kam, dass Obama gewonnen hat. (Jubel im Hintergrund)

Wie fühlen sie sich jetzt? Mehr als ein Jahr dauerte der Wahlkampf, sie sind jetzt am Ziel.

Heute feiern wir, und dann kommt die Arbeit. Obama muss, wie man hier sagt, ein "Transition-Team" zusammenstellen. Präsident wird er ja erst am 20. Januar, und das bedeutet, dass er für diese Zeit eine Mannschaft benennen muss, die aber nicht zwingend dem endgültigen Kabinett entspricht. Und dann muss man das Regierungsprogramm zusammenstellen. Jetzt kommt die normale Arbeit, aber endlich ist der Bush weg.

Wie wird dieses Programm aussehen? Orientiert es sich daran, was Obama im Wahlkampf verkündet hat? Oder gibt es Änderungen, so wie etwa zwischen dem Vorwahlkampf und dem eigentlichen Wahlkampf?

Man kann hier nicht nur in der Vergangenheit leben, es wird sich etwas ändern. Das ist ja etwas, was die Deutschen beklagt haben: Politische Wahlkampfprogramme sind in den USA nie so spezifisch wie in Deutschland, und damit auch nicht bis ins Detail festgelegt. Bei uns denkt man so: Man hat eben nicht alle Fakten, wenn man Kandidat ist. Zum Beispiel: Was spielt sich wirklich in der Wirtschaft ab? Was weiß man eventuell noch nicht? Das ist ein großes Problem. Wenn man alles weiß, was man wissen muss, kann man sein Programm noch einmal überdenken.

Wird Obama seine Haltung zu Deutschland überdenken? Zum Beispiel, was die Forderung nach einem stärkeren Engagement Deutschlands in Afghanistan angeht?

Es ist nur eine Vermutung: Aber ich glaube, dass er das weiterhin will. (Freudige Schreie aus dem Hintergrund)

Was ist denn da los?

Es war ein TV-Team hier, die Leute wollen ins Fernsehen. (Schreie klingen ab)

Wie wird es denn jetzt für sie weitergehen?

Jetzt genieße ich das, und dann muss man sehen, wie es weiter geht.

Werden sie noch lange feiern?

Natürlich. Vielleicht nicht bis vier Uhr, aber es werden noch einige Stunden sein. (Jetzt brandet ein ohrenbetäubender Jubel auf. Radon versteht weder den Reporter noch seine eigene Stimme. Kurze Pause, nach etwa zwanzig Sekunden beruhigt sich die Szene ein wenig) Jetzt wurde bekannt gegeben, dass auch Virginia und Colorado an Obama gehen.

Obama hat im Wahlkampf Visionen von einem anderen Amerika vermittelt. Was ist jetzt seine größte Aufgabe?

Es ist dieselbe Aufgabe wie sie jeder Präsident hat: Er muss eine Prioritätenliste zusammen stellen und dann entscheiden, was er zuerst machen will. Aber eines ist wohl allen klar: Die höchste Priorität hat die Wirtschaft.

Ist das eine historische Wahl?

Klar. Er ist der erste nicht-europäischstämmige Präsident der USA, ein African American. Der erste Präsident, der eine Minderheit repräsentiert. Das ist historisch, kein Zweifel. Und ich hoffe, dass wir bald sagen können: Wir sind alle Amerikaner, ohne dass die Hautfarbe eine Rolle spielt.

Wird Obama jetzt ein neues Amerika aufbauen?

Ich glaube, die Jugend hat den Wunsch, dass sich das Wesen der Politik ändert. Man kann das nur erreichen, wenn man inspiriert und die ganze Mannschaft mitzieht. Wie es einst schon John F. Kennedy geschafft hat.

Verpassen Sie nichts: Weitere aktuelle Berichte, eine umfassende Grafik zum Stand der Auszählung, Reportagen, Analysen, Kommentare und Fotostrecken, finden Sie hier in unserem Extra zu den Wahlen in den USA.

Zur Person Jenik Radon, geboren 1946 in Berlin, ist Anwalt für Gesellschaftsrecht in New York. Seit 2002 lehrt er auch an der Columbia University. Radon ist Mitglied im "Tri-State Finance Committee" von Barack Obamas Wahlkampf-Team.

Von Sebastian Christ
KOMMENTARE (3 von 3)
 
Vincent_Vega (05.11.2008, 10:48 Uhr)
der "erste nichteuropäischstämmige Präsident" ?
Hat Herr Radon das wirklich so gemeint?
Nun, man muss mit Farbenblindheit geschlagen sein um so was zu glauben.
Obamas Großmutter, die in Hawaii gestorben ist, war europäischstämmig, seine Mutter ebenfalls.
Er ist als Mischling in einer miest weißen Familie aufgewachsen und hat eine schwarze Afro-Amerikanerin geheiratet. Nachdem was ich heute morgen in den Nachrichten gehört habe, hat er laut Paß oder ähnlichem sogar beide Rassen: Weiß und Schwarz -angegeben - was ja auch stimmt.
Er ist gleichzeitig mehr AFRO-Amerikaner als Martin Luther King, dessen Vorfahren wohl vor 200 Jahren aus Afrika nach Amerika verschleppt wurden. Obamas Vater dagegen war reiner Afrikaner.
Insofern ist es schon eine pikante Biografie und ein gutes Zeichen für einen Wechsel in den USA mehr nach den inneren Werten zu schauen und nicht, ob er ein Quentschen Schwarz oder Rot ist.
Searinox (05.11.2008, 08:44 Uhr)
ob man...
was ist denn das schon wieder für ein Kommentar?
valider60 (05.11.2008, 08:11 Uhr)
Mr. P. rettet USA?
Die Deutsche und Engländer sind schon 50 Jahre mit Amerikanern so eng verbunden und tragen amerikanische Außen,- und innen Politik mit. Ohne A. Merkel und englische Premierminister wurde ganze amerikanische agresive Poklitik von Präsidenten G. Busch in der Welt undenkbar.
Genauso angehende Präsident Obama ist nicht anderes als neue offensive Strategie der amerikanischen Politik. Da die amerikanische Armee fast aus “Farbigen” besteht, brauchen sie neuen Anführer…
Oder wer konnte schon für Prasidentänwahl 800 Millionen Dollar zusammen raffen..
Iran warte ab!!!!
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