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Terrorexperten: Al Kaida bedroht die WM

US-Terrorexperten haben vor Anschlägen bei der Fußball-WM gewarnt. Al-Kaida-Terrorzellen hätten sich in Südafrika eingenistet und seien bereit loszuschlagen. Ein Spiel sei besonders gefährdet.

Von Martin Knobbe, New York

Er hatte bereits schriftliche Pläne dabei, wie der Anschlag abzulaufen hat. Im ersten Schritt wollten die Terroristen versuchen, die dänische und die holländische Mannschaft mit Gewehren und Autobomben anzugreifen. Sollte dies nicht gelingen, dann wollte man sich unter die Fans der Mannschaften mischen und dort den Sprengstoff zünden.

Abdullah Azam Saleh al-Quathtani wurde am 3. Mai im Irak festgenommen. Gut zwei Wochen später legte er ein Geständnis ab: Er habe mit Freunden den Anschlag auf die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika geplant, um die Beleidigungen gegen den Propheten Mohammed in Dänemark und den Niedelanden zu rächen. Er habe nur noch auf die endgültige Zustimmung der Al-Kaida-Führung gewartet.

"Die Terrorzellen sind in Südafrika etabliert"

Die Festnahme im Irak ist für US-amerikanische Terrorexperten nur ein Indiz dafür, wie hoch die Gefährdungslage für den World Cup in Südafrika ist. "Letzte Entwicklungen innerhalb des Al-Kaida-Netzwerks zeigen uns, dass etwas Größeres geplant ist", sagte Ronald Sandee, Direktor für Analysen und Recherchen der Nefa-Foundation, einer Stiftung für Terroranalysen, am Mittwoch bei einem Briefing vor Mitgliedern des Kongresses und Terrorexperten in Washington D.C. "Wir gehen davon aus, dass seit längerem Terrorzellen für Erkundung, Logistik und Anschläge in Südafrika etabliert und jederzeit bereit sind, loszuschlagen." Die Analyse liegt stern.de exklusiv vor.

Wie Sandee in seinem Dossier weiter ausführte, seien im April 2010 im islamistischen Magazin al-Mustaqun Ila al-Jannah Jihadi ("Die, die sich nach dem Himmel sehnen") zwei Artikel erschienen, die "deutliche Hinweise" auf Anschläge während der Fussball-WM enthalten hätten. Ausdrücklich sei das Vorrunden-Spiel USA gegen England am 12. Juni in Rustenburg genannt worden. Gleichzeitig sei von Geheimdiensten ein Aufruf eines Al-Kaida-Mitglieds abgefangen worden, wonach die "Mujaheddin sich nicht in Kümmernis zurückziehen" sollten, sondern "aus den Häusern des Islam" aufbrechen sollten. Dies wird von den Experten als Aufruf zu einem Anschlag gewertet. Auch in diesen Gesprächen sei ausdrücklich Rustenburg als mögliches Ziel erwähnt worden. Bereits 2009 ist nach Nefa-Informationen in Botswana der radikale Prediger Abdullah al-Faisal festgenommen worden, nachdem er versucht hatte, Freiwillige für Selbstmordattentate auf die WM in Südafrika zu rekrutieren. Al-Faisal ist mittlerweile in sein Heimatland Jamaika abgeschoben worden.

Rückzugsgebiet für Al-Kaida-Kämpfer

Auch dass sich die Führung von al Kaida in den letzten Monaten sehr still verhalten habe, sehen die Experten als Hinweis darauf, dass etwas "Größeres" geplant sei. Insbesondere Ayman al-Zawahiri und Mustafa Abu Yazid, die direkten Gefolgsleute von Osama bin Laden, seien für gewöhnlich nicht so schweigsam, sagte Sandee. Seine Stiftung habe außerdem Informationen erhalten, dass hochrangige Al-Kaida-Mitglieder aus iranischer Haft freigelassen worden seien, im Austausch für einen iranischen Diplomaten, der 2008 in Afghanistan vermutlich von Al-Kaida-Mitgliedern entführt worden war. Unter den Befreiten sei auch Sayf al-Adl, der vermutlich nun die militärischen Operationen des gesamten Terrornetzwerkes übernehmen würde und für die Gruppe eine große personelle Stärkung bedeute.

Wie die Terrorexperten in dem Briefing weiter ausführten, sei Südafrika seit langem ein Rückzugsgebiet für Al-Kaida-Kämpfer. So versteckte sich bereits 1999 Khalfan Khamis Mohamed, der am Anschlag auf die US-Botschaft in Daressalam 1998 mit beteiligt gewesen war, für lange Zeit in Südafrika, bevor er festgenommen wurde. Und auch der Tunesier Ihsan Garnaoui, der nach Hinweisen von Geheimdiensten und Polizei im Jahr 2003 Terroranschläge in Deutschland geplant hatte, hatte sich über Monate in Südafrika darauf vorbereitet. Garnaoui wurde nur wegen kleinerer Delikte wie Urkundenfälschung in Deutschland verurteilt. Die Planung eines Anschlags konnte ihm nicht zweifelsfrei bewiesen werden.

Deutsche Ankläger beriefen sich auf die Nefa Foundation

Die südafrikanischen Kämpfer werden nach Erkenntnissen der Experten in Terrorcamps in Botswana und Mosambik ausgebildet, die zum Teil von der palästinensischen Hamas unterstützt würden. Alleine in Mozambik gebe es derzeit drei Ausbildungslager, in der Nähe der Stadt Nampula und in der Provinz Tete. Sie würden von somalischen, pakistanischen und indischen Terroristen geführt. Die Koordination habe der Pakistani Ibrahim Ibrahmi übernommen, der von Geheimdiensten als extrem gefährlich eingestuft würde.

Die Nefa Foundation ist eine Non-Profit-Organisation, die aus ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern, Journalisten und Wissenschaftlern besteht. Sie ist in Fachkreisen hoch anerkannt. So wurde zum Beispiel ihr detailreiches Dossier über die Islamische Dschihad Union (IJU) von den Anklägern im Prozess gegen die sogenannte "Sauerland Gruppe" mit eingeführt. Die Terrorgruppe um den Konvertiten Fritz Gelowicz hatte im Auftrag der IJU Anschläge gegen US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland geplant. Für die Gefährdungsanalyse für die Fußball-WM hatte die Organisation eng mit dem südafrikanischen Geheimdienst zusammengerbeitet.

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