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6. Dezember 2010, 16:45 Uhr

Bundeswehr in Afghanistan so unbeliebt wie nie

Die Bundeswehr verliert in Afghanistan immer mehr an Rückhalt. Einer Umfrage zufolge werden die deutschen Soldaten kaum noch als Verbündeter, sondern zunehmend als Kriegspartei wahrgenommen. Außenminister Guido Westerwelle wertet die Erhebung als Bestätigung der Abzugspläne.

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Ein Bundeswehrsoldat in der Stadt Iman Sahib, nördlich von Kundus: Das Ansehen der Deutschen in Afghanistan wird immer schlechter© Fabrizio Bensch/Reuters

Neun Jahre nach Beginn des internationalen Engagements in Afghanistan hat das Ansehen der ausländischen Truppen am Hindukusch offenbar einen Tiefpunkt erreicht. Rund zwei Drittel der Afghanen stellen den amerikanischen und den Nato-Truppen in einer Umfrage ein schlechtes Zeugnis aus. Auch das Ansehen Deutschlands hat laut der Erhebung im Auftrag des WDR, des US-Senders ABC, der britischen BBC und der "Washington Post" stark gelitten. Besonders deutlich sei dieser Trend im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Nordosten Afghanistans, hieß es.

Die Zahl der Befragten, die Anschläge auf Nato-Soldaten befürworten, hat demnach im Einsatzgebiet der Bundeswehr mit 39 Prozent ein Allzeithoch erreicht. Sie liegt deutlich über dem ebenfalls gestiegenen landesweiten Wert (plus 19 auf 27 Prozent). Landesweit lag der Wert 2005 mit 30 Prozent schon einmal höher. Fast zwei Drittel der Afghanen halten Anschläge nicht für gerechtfertigt, im vergangenen Jahr waren das noch gut drei Viertel.

"Deutschland kaum noch als Verbündeter wahrgenommen"

Nach der jährlichen Umfrage haben landesweit inzwischen 41 Prozent der Afghanen eine negative Meinung über Deutschland - so viele wie nie seit 2007, als die Frage das erste Mal gestellt wurde. 2009 lag der Wert noch bei 34 Prozent. Positiv über die Deutschen denken 56 Prozent der Befragten. Im Einsatzgebiet der Bundeswehr sind die Werte schlechter: Dort denkt erstmals nur noch eine Minderheit (46 Prozent) gut über Deutschland. Im Sommer 2007 hatten noch drei Viertel der Menschen im Nordosten eine positive Meinung.

Landesweit sprechen erstmals mehr Afghanen dem Engagement der Deutschen eine negative (plus 9 auf 28 Prozent) als eine positive Rolle (minus 7 auf 25 Prozent) zu. Auch hier fällt der Wert im Nordosten noch schlechter aus: Hier hat sich der Wert auf 21 Prozent mehr als halbiert. Die Zahl der Kritiker hat sich in dieser Zeit auf 27 Prozent mehr als verdreifacht. Knapp die Hälfte der Befragten sieht Deutschlands Rolle neutral.

"Deutschland wird kaum noch als Verbündeter der Bevölkerung, sondern fast nur noch als ausländische Kriegspartei wahrgenommen", sagte der stellvertretende Auslandschef des WDR, Arnd Henze, der die Umfrage betreute. "Punktuelle Erfolge im Kampf gegen die Taliban und beim Aufbau der afghanischen Armee werden pragmatisch registriert, aber die Köpfe und Herzen der Menschen erreicht das deutsche Engagement nicht mehr." Der Umfrage zufolge glauben immerhin 43 Prozent der Menschen im Nordosten, dass die Taliban geschwächt sind.

Westerwelle sieht Abzugspläne bestätigt

Bundesaußenminister Guido Westerwelle wertete die Umfrage als Bestätigung für die Abzugspläne der Bundeswehr und die Übergabe der Verantwortung an die Afghanen: "Wir werden mit aller Konsequenz darauf hinarbeiten, dass 2011 regional mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung begonnen werden kann." Dann könne 2012 erstmals das Bundeswehr-Kontingent reduziert werden, sagte der FDP-Vorsitzende. 2014 sollten dann die Afghanen landesweit vollständig die Kontrolle übernehmen, so dass keine Kampftruppen von Deutschland mehr gestellt werden müssten.

Trotz aller Schwierigkeiten glauben aber 59 Prozent der Afghanen, ihr Land sei auf dem richtigen Weg. Das ist zwar ein Minus von 11 Punkten verglichen mit 2009, aber immer noch ein Plus von 19 Punkten verglichen mit einem weiteren Jahr zuvor. 64 Prozent der Befragten halten die Taliban für die größte Gefahr für ihr Land, gefolgt von Drogenhändlern (14 Prozent). Trotz der verbreitet negativen Meinung über die ausländischen Streitkräfte befürworten immer noch 62 Prozent der Afghanen die Anwesenheit der amerikanischen und 54 Prozent die der Nato-Truppen.

"Wir haben gezeigt, dass Fortschritt möglich ist"

Es gebe zwar "Hotspots" in Afghanistan, in denen die Sicherheitslage schlecht sei, "aber dieses Land steht keineswegs in Flammen", sagte der Sprecher der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe Isaf, Josef Blotz, der Nachrichtenagentur DPA. Der Bundeswehr-General verwies darauf, dass sich die Hälfte aller sicherheitsrelevanten Vorfälle in nur neun von rund 400 Distrikten abspielten. In den betroffenen Bezirken lebten nur fünf Prozent der gesamten afghanischen Bevölkerung.

"Wir machen hier nicht auf Optimismus, aber es gibt Ansätze, die erfreulich sind", betonte Blotz. "Wir haben gezeigt, dass Fortschritt möglich ist. Aber dieser Fortschritt ist noch zerbrechlich und noch nicht irreversibel. Weil es jetzt darauf ankommt, diese Entwicklung zu verfestigen, wird es von Isaf-Seite auch über den Winter kein Nachlassen des Drucks auf die Taliban geben."

mad/AFP/Reuters
 
 
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