Ashton trifft Ex-Präsidenten: "Mursi geht es gut"

30. Juli 2013, 12:18 Uhr

Schon mehrfach hat Catherine Ashton die Freilassung von Mohammed Mursi gefordert. Nun haben Ägptens Militärs der EU-Außenbeauftragten gestattet, den gestürzten Präsidenten im Gefängis zu besuchen.

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Sprach zwei Stunden ausführlich mit Mohammed Mursi: Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, hier im Präsidentenpalast in Kairo.©

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat bei ihrem Besuch in Ägypten überraschend den vom Militär abgesetzten und festgehaltenen Präsidenten Mohammed Mursi getroffen. Beide hätten am Montagabend ausführlich miteinander gesprochen, teilte Ashton in Kairo mit.

"Mursi geht es gut", sagte Ashton. "Wir hatten ein zweistündiges Gespräch, ein freundliches und offenherziges Gespräch." Zu den konkreten Inhalten der Unterredung machte sie keine Angaben. Zum Aufenthaltsort Mursis sagte Ashton: "Ich habe die Einrichtung gesehen, aber ich weiß nicht, wo sie ist." der Ex-Präsident könne fernsehen und Zeitungen lesen.

Nach ägyptischen Medienberichten war die EU-Politikerin mit einem Militärhubschrauber zum Aufenthaltsort Mursis geflogen worden. Ashton war die erste Person aus dem Ausland, die Zugang zu dem Inhaftierten erhalten hatte.

"Wir werden jetzt die Proteste ausweiten"

Der aus der islamistischen Muslimbruderschaft stammende Mursi war vor gut einem Monat nach Massenprotesten gegen ihn abgesetzt worden. Die Armee hält ihn an einem geheimen Ort fest, seit Freitag sitzt er offiziell in Untersuchungshaft. Ashton hatte wiederholt die Freilassung Mursis gefordert.

Die Muslimbruderschaft wirft dem Militär einen Putsch gegen das erste frei gewählte gewählte Staatsoberhaupt in der Geschichte des Landes vor. Für den Abend plant sie erneut eine große Protestkundgebung in Kairo. "Wir werden jetzt die Proteste ausweiten", kündigte der Sprecher der Muslimbrüder an. Dagegen hatte die von der Armee eingesetzte Interimsregierung die Muslimbrüder aufgefordert, eine Mahnwache mit Tausenden von Anhängern bei einer Kairoer Moschee aufzulösen. Diese haben allerdings angekündigt auszuharren, bis Mursi wieder im Amt ist.

Ashton fordert schnellstmöglich freie Wahlen

Am Wochenende waren in dem nordafrikanischen Land bei Zusammenstößen zwischen Mursi-Anhängern und Sicherheitskräften mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen. Es waren die heftigsten Auseinandersetzungen seit dem Sturz Mursis am 3. Juli. Das Blutbad löste weltweite Besorgnis über die Entwicklung in Ägypten aus.

Vor dem Treffen mit Mursi war Ashton nach Angaben des staatlichen Fernsehens unter anderem mit Übergangspräsident Adli Mansur und Außenminister Nabil Fahmi zusammengekommen. Auf ihrem Programm standen demnach auch Treffen mit Armeekommandeur General Abdel Fattah al-Sisi und mit Vertretern der Muslimbruderschaft.

Vor ihrem Abflug in die ägyptische Hauptstadt hatte die EU-Außenbeauftragte einen "vollständig integrativen Übergangsprozess" angemahnt, "der alle politischen Gruppen inklusive der Muslimbruderschaft einbezieht". Der Prozess müsse "so schnell wie möglich" zu freien Wahlen führen.

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