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23. Juni 2007, 05:31 Uhr

EU-Chefs erzielen Durchbruch

In einer dramatischen Verhandlung haben sich die 27 EU-Staats- und Regierungschefs am frühen Morgen auf eine Reform der EU verständigt. Bis zuletzt drohte eine Einigung an Polen zu scheitern. Ratspräsidentin Angela Merkel sagte, die EU habe sich aus der Erstarrung gelöst.

"Ich danke sehr herzlich": Bundeskanzlerin Angela Merkel (l.) und EU-Kommissionspräident José Manuel Barroso© EPA

Die 27 EU-Staats- und Regierungschefs haben sich abschließend auf den konkreten Weg zu einem neuen EU-Grundlagenvertrag geeinigt. Nach langen, zwischenzeitlich kurz vor dem Scheitern stehenden Gesprächen, gab es am frühen Samstagmorgen eine Einigung auf dem Brüsseler Gipfel. "Wir haben es geschafft, in einer nicht ganz einfachen Arbeit, die 27 Mitgliedstaaten auf einen Weg zu führen", sagte die deutsche Bundeskanzlerin und derzeitige EU-Vorsitzende Angela Merkel. Es gebe jetzt die Inhaltsvorgaben für eine Regierungskonferenz im zweiten Halbjahr 2007. "Das zeigt, dass Europa am Ende zusammenkommt." Jeder habe aber "Kompromisse machen müssen auf diesem Weg", sagte Merkel. Unter dem Strich bedeute der "Reformvertrag, wie wir ihn haben werden, einen deutlichen, wichtigen Fortschritt der Europäischen Union", sagte die Kanzlerin. Europa habe sich aus der Erstarrung gelöst.

Harte Auseinandersetzung mit Warschau und London

Polen und Großbritannien hatten seit Beginn des Krisengipfels am Donnerstagabend auf harte Konfrontation gegen die deutsche Ratspräsidentschaft gesetzt. Erst nach massiven Zugeständnissen der Partner lenkten der polnische Staatschef Lech Kaczynski und der britische Premier Tony Blair ein und machten so den Kompromiss möglich. Die Verfechter der 2005 bei Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden gescheiterten Verfassung mussten hinnehmen, dass nicht alle Reformen um der Einigung Willen in den neuen Vertrag zu retten waren.

Doppelte Mehrheit ab 2014

Demnach kommen von 2009 an fundamentale Neuerungen in der EU: Ein EU-Ratspräsident wird für zweieinhalb Jahre die politischen Geschäfte führen und mit den Staats- und Regierungchefs abstimmen; Mehrheitsentscheidungen werden auf die Innen- und Justizpolitik ausgeweitet; ein Spitzendiplomat wird die EU außen- und sicherheitspolitisch vertreten; auf Drängen Großbritanniens wurde der noch in der Verfassung vorgesehene Titel "EU-Außenminister" jedoch gestrichen. Es wird eine Grundrechte-Charta verankert, die aber keine Rechtskraft in Großbritannien haben soll; auf Drängen Polens, das erfolgreich seinen Einfluss bei Beschlüssen in Ministerräten verteidigte, kommen die neuen Abstimmungsregeln - die so genannte doppelte Mehrheit - erst schrittweise von 2014 an. Die doppelte Mehrheit stärkt Länder mit großer Bevölkerungszahl wie Deutschland.

Sonderprotokoll für Grundrechtecharta

Am Freitag hatten der polnische Präsident Lech Kaczynski und dessen Bruder, Regierungschef Jaroslaw Kaczynski, zunächst unnachgiebig jeden Kompromiss abgelehnt. Merkel bot immer wieder neue Varianten an, um die beiden auf Einigungskurs zu bringen. Zuletzt akzeptierte Kaczynski, dass seinem Land bis 2017 das Stimmgewicht des geltenden Vertrages von Nizza zusteht. Der seit 2003 geltende Nizza-Vertrag bevorzugt Polen bei Abstimmungen gemessen an der Größe seiner Bevölkerung. Um Großbritannien für den Kompromiss zu gewinnen, war entscheidend, die Grundrechtecharta in einem gesonderten Protokoll festzuhalten. So kann sichergestellt werden, dass die Charta in Großbritannien nicht einklagbar ist. Der Regierung in London werden nationale Ausnahmen in der EU-Innen- und Justizpolitik zugestanden.

Gipfel drohte zu scheitern

In den Reformvertrag soll auch eine Passage aufgenommen werden, wonach der Kampf gegen den Klimawandel zu den Aufgaben der EU gehört. Außerdem wird der "Geist der Solidarität" als wesentlicher Faktor einer sicheren Energiepolitik --eine Forderung Polens -festgeschrieben. Im Verlauf des Freitags sah es zeitweise so aus, als ob Merkel mit ihrer Taktik scheiterte. Ihre Absicht, die Verhandlungen ohne Polen voranzutreiben, stieß in der Gipfelrunde auf massiven Widerstand von Ländern wie Litauen und Tschechien. Nach der Drohung Merkels, Polen zu isolieren, versuchten Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, Blair und Sarkozy, Polen auf Kurs zu bringen. Zuvor hatte Merkel viele Einzelgesprächen mit Staatschef Kaczynski und Blair geführt.

"Das ist gut für die Gesamtunion

Merkel verteidigte ihr Vorgehen. Es habe die Gefahr bestanden, "dass wir heute Abend in einem ziemlichen Desaster auseinander gehen." "Es ist gut für die Gesamtunion und für Polen, dass wir das schlussendlich gemacht haben", sagte Merkel über den Kompromiss bei den Stimmregeln. Präsident Kaczynski freute sich über seinen Erfolg. Er gestand ein, er sei mit "ungeheurer Anspannung" nach Brüssel gefahren: "Es gab dramatische Momente." Sarkozy hob hervor, dass Polen nicht isoliert worden sei. "Wir haben unsere Arbeit gemacht, ohne jemand zurückzulassen", sagte er. Juncker war unzufrieden mit der Einigung: "Ich bin überzeugt, dass der Verfassungsvertrag wesentlich besser war. Was jetzt herausgekommen ist, ist zufrieden stellend, mehr nicht." Sarkozy hob die Anstrengungen des britischen Premierministers Tony Blair hervor, der seinen letzten Gipfel vor der Amtsübergabe an seinen Nachfolger Gordon Brown, absolvierte. Auch der spanische Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero habe viel Arbeit im Sinne von Merkel geleistet. "Wir haben Hand in Hand gearbeitet." Der belgische Premier Guy Verhofstadt sagte: "Ich denke, den Kern der Verfassung haben wir zu bewahren gewusst."

 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Roy05441 (23.06.2007, 14:52 Uhr)
Kennst Du die neue Maggy?
Sie schreibt sich jetzt mit "A"-wie Angela!Das ganze Volk fühlt sich jetzt wohl, wie damals unter Helmut Kohl! Da hatte jeder seine schwarzen Kassen, konnte trotzdem die Finger nicht, von des Bürgers Konten lassen!Siehst du die Karnickel wie sie Hoppeln? Die Mitgliederanzahl wollen wir verdoppeln!, so dass dann jeder in der Tat, vervierfachte dunkelschwarze Konten Hat!
Rosenengel (23.06.2007, 12:50 Uhr)
Wieder Polen und England, denen ein
wirtschaftlich starkes Deutschland ein Dorn im Auge ist. Das gabs schon mal vor über 60 Jahren. Bloß gut, das die EU stark genug ist, Stabilität zu waren, auch wenn die alten Stänkerer die neuen Stänkerer geblieben sind. Oder anders: Manche Länder ändern sich nie! Ich kann da nur mal einen Türken zitieren, der nach über 100 Sttraftaten noch immer fein von Sozialhilfe in Deutschland lebt,:"Feige deutsche Idioten!".
Denn was bedeutet denn dieser Kompromiss? Nichts weiter, als das man vor England kuscht und dessen Rolle als Wach - und Beisshund der USA in Europa. Und das ein Land wie Polen, eigentlich unbedeutend, ob seiner großen Klappe wieder Sonderrechte bekommt, die ihm eigentlich nicht zustehen. Die Polen sahnen mächtig Milliarden von der EU ab, die zum größten Teil aus deutschen Steuergeldern in die EU Kassen einfließen. Das wirtschaftlich starke und bevölkerungsreiche Deutschland, der größte EU - Nettozahler, läßt sich mal wieder von Polen und England vorführen und Tante Merkel und Konsorten klatschen noch dazu.
RomanTicker (23.06.2007, 11:25 Uhr)
Der klügere gibt nach
Im Endeffekt wird Deutschland gestärk, auch wenn es etwas länger dauert. Kompromisse gehören nun mal zur Diplomatie und zur Politik. Wenn sich jeder Stur stellt, so wie Polen und GB, dann gibt es gar keinen Fortschritt. Es gibt da die alte Weisheit "Der klügere gibt nach.". Deutschland hat wie einige andere Länder zumindest ein Stück weit nachgegeben und damit klug gehandelt, denn im Endeffekt profitieren alle vom zusammenwachsenden Europa. Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es innerhalb Europas z.B. viel größere Spannungen und Kriegsrisiken. Zuletzt gab es das nur im östlichen Teil Europas und auch da sorgt die EU-Politik für Stabilität.
Wenn man sich die Geschichte Europas mal ansieht, dann stellt man fest, dass es immer wieder zu Kriegen in Europa kam, unter denen unsere Vorfahren zu leiden hatten. Heutzutage können sich die Menschen so etwas hier in Europa kaum noch vorstellen. Schon das alleine ist ein wesentlicher Gewinn eines einigen Europas.
GordonBleu (23.06.2007, 10:17 Uhr)
alles beim alten?
sind wir deutschen wie üblich die dummen und klopfen uns dafür wie üblich selber auf die schulter?
wie allerdings die interessen der eigenen nationalität erfolgreich verteten werden, haben die polen und engländer gezeigt. auch wenn ich mir wünschen würde, daß die 2 die eu schnellstens wieder verlassen.
Oetker333 (23.06.2007, 09:12 Uhr)
Kompromiss?
Bei denen ist Kompromiss nur das Verlegen von Plänen in das nächste Jahrzehnt! Die Grundrechtcharta gilt wider mal nicht für die Briten. Was ist das denn! Die verfluchten Briten sollen die selben Pflichten wahrnehmen und sich an den Entscheidigungen halten! Da mal eine Ausnahme für GB und da mal der Britenrabatt. GB ist das letzte was Europa braucht!
Ernst1 (23.06.2007, 08:11 Uhr)
Was ist denn daran Erfolg?
Es ist also für die kanzlerin OK wenn die Deutsche Stimme nicht soviel wert ist. Ich würde das Ergebnis eher als zusammenklappen vor Polen bezeichnen. Die Art wie polen gefeilscht hat, erinnert mich eher an einen türkischen Basar als ein Verhandlungsergebnis unter Staatsmännern
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